53 Prozent der Deutschen vergeben den Kitas vor Ort die Noten eins oder zwei, unter den Eltern sind es sogar 65 Prozent, die für die frühkindliche Betreuung gute Noten vergeben. Als dringendste Probleme sehen sie den Mangel an Kita-Plätzen und die fehlenden Fachkräfte für die Betreuung (jeweils über 70 Prozent der Gesamtbevölkerung, dabei nur etwa 60 Prozent der Eltern). Das ergab eine Umfrage, die das ifo Institut im Frühsommer mit über 3.000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren sowie knapp 1.000 Eltern von Kindern im Alter von null bis sechs Jahren durchgeführt hat.
Das ifo Bildungsbarometer 2026 (externer Link), das sich dieses Jahr mit der frühkindlichen Bildung in Deutschland beschäftigt, ist also eine repräsentative Meinungsumfrage unter der Gesamtbevölkerung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerten die Situation in Kitas und bei der frühkindlichen Bildung in Bayern und Deutschland zum Teil anders.
Welche Reformen unterstützt die Bevölkerung?
Laut der Umfrage wollen knapp zwei Drittel der Menschen in Deutschland, dass mehr Männer in Kitas arbeiten. Auch Quereinsteiger sieht die große Mehrheit der Befragten als sinnvolle Hilfe, um den Fachkräftemangel zu verringern. 72 Prozent der Deutschen sind laut Umfrage für ein verpflichtendes Vorschuljahr, 79 Prozent für bundesweit einheitliche verbindliche Bildungsziele. 89 Prozent sind für verpflichtende Sprachstandserhebungen im Alter von viereinhalb Jahren, häufig verkürzt als Sprachtests bezeichnet, und wie sie in Bayern seit Februar 2026 bereits stattfinden. Nach Regierungsplänen sollen sie ab 2027 stufenweise bundeseinheitlich durchgeführt werden.
Helfen verpflichtende Sprachtests den Kindern?
Lorna Stephen, Fachwirtin im Erziehungswesen und Vorstand des Verbands Kita-Fachkräfte Bayern e.V., sieht hingegen die Sprachstandserhebungen für die kleinen Kinder kritisch. „Unserer Meinung nach braucht es keine verpflichtenden Sprachtests, sondern es braucht Zeit und eine gute Ausbildung der Fachkräfte, diesen Prozess zu begleiten“, sagt sie dem BR und begründet ihre ablehnende Haltung mit dem Stress, dem die Kinder dadurch ausgesetzt seien.
Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik und einer der Verfasser des Bildungsbarometers, verteidigt hingegen die verpflichtenden Sprachtests. Es spreche aus wissenschaftlicher Sicht „vieles dafür, dass so eine Vorbereitung gerade im frühkindlichen Bereich und gerade im sprachlichen Bereich sehr wichtig ist, damit die Kinder ihren Weg gehen können“, sagt der Ökonom im BR-Interview. Die Sprache gut zu beherrschen, sei die Grundlage für das gesamte weitere Lernen, so Wößmann.
Wie lässt sich der Personalmangel in Kitas verringern?
Um den Personalmangel bei Kita-Fachkräften in den Griff zu bekommen, plädiert der Bildungsökonom wie auch eine große Mehrheit der Bevölkerung dafür, mehr Quereinsteiger und mehr Männer in Kitas einzustellen. Derzeit betrage der Anteil an Männern bei Kita-Fachkräften lediglich acht Prozent.
Lorna Stephen von Kita-Fachkräfte Bayern e.V. präferiert dagegen multiprofessionelle Teams. Nicht nur Kita-Fachkräfte sollten sich um die Kinder kümmern, sondern etwa auch Logopäden und Heilpädagogen. Diese Zusammenarbeit würde ihrer Einschätzung nach helfen, die Kinder bestmöglich zu unterstützen. Dass solche Teams gut funktionieren, habe sie bereits in England erlebt, wo sie das Studium zur „Lehrerin für frühkindliche Bildung“ absolviert und lange gearbeitet hat.
Stadt oder Land: Wo fehlen in Kitas die Fachkräfte?
Derzeit ist Stephen stellvertretende Leiterin eines Kindergartens im Landkreis Rosenheim. Dass in ländlichen Regionen die Kita-Versorgung anders als in der Stadt sei, kann die Verbandsvorsitzende nicht bestätigen. Vor ihrer Stelle auf dem Land habe sie in München gearbeitet. Dort war es „genau das Gleiche“, so Stephen: „Theoretisch haben wir die richtige Menge an Personal, also den richtigen Betreuungsschlüssel“, sagt sie. Aber praktisch seien immer zwei krank, einer in Urlaub und einer, der eigentlich auf Fortbildung gehen sollte. Hinzu kämen Schwangerschaften und Renteneintritte. Beim Kita-Personal sei es also immer „ein Kommen und Gehen“, erklärt die Pädagogin.
Brauchen Kita-Leitungen ein Hochschulstudium?
Bildungsökonom Wößmann stimmt aus seiner fachlichen Perspektive mit den Forderungen der Mehrheit der Bevölkerung im diesjährigen Bildungsbarometer seines Instituts überein. Einen zusätzlichen wichtigen Aspekt formuliert er aber im BR-Gespräch: Eine „tiefergehende Ausbildung“ wie etwa ein Hochschulstudium für Kita-Leitungen hält er für durchaus sinnvoll. In der Umfrage hatten sich nur 21 Prozent der Befragten für ein solches Hochschulstudium beim Kita-Personal ausgesprochen.

