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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Forscher warnen: Extreme Regenfälle künftig doppelt so häufig
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Forscher warnen: Extreme Regenfälle künftig doppelt so häufig

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 25. September 2024 06:48
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Nie war ein Sommer wärmer als 2024, schrieb der EU-Klimawandeldienst Copernicus noch am 6.9.2024. Wenige Tage später verursachte Sturmtief „Boris“ die stärksten Niederschläge, die jemals in Mitteleuropa gemessen wurden. Kurz darauf: Hochwasser in Polen, Tschechien, Österreich und Rumänien. Es richtete große Verwüstungen an. Mindestens 24 Menschen starben, Tausende mussten ihre Häuser verlassen.

Inhaltsübersicht
Analyse der Attributionsforscher: Der Klimawandel ist schuldUrsachenforschung: Wie kam es zu diesem Starkregen?Ohne Schutzmaßnahmen wäre es schlimmer gekommenBebauungspläne ändern, um Leben zu rettenNoch häufigere Extremereignisse erwartet

Analyse der Attributionsforscher: Der Klimawandel ist schuld

Seit zehn Jahren analysiert die World Weather Attribution (WWA), welchen Einfluss der Klimawandel auf extreme Wetterereignisse wie Stürme, extreme Regenfälle, Hitzewellen und Dürren hat. In einer aktuellen Studie haben 24 WWA-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Sturmtief Boris untersucht.

Das Ergebnis: Der vom Menschen verursachte Klimawandel, der die Erde seit der vorindustriellen Ära bereits um 1,3 Grad erwärmt hat, verdoppelt die Wahrscheinlichkeit für solche Extremwetterereignisse und führt dazu, dass die Regenfälle um sieben Prozent stärker werden. Dabei betont die Forschergruppe, dass die Zunahme der Niederschläge sehr vorsichtig geschätzt sei, sie könnte auch höher ausfallen.

Dazu sagt der polnische Klimatologe Bogdan H. Chojnicki, Mitglied der Forschungsgruppe WWA: „Die Überschwemmungen von 1997 und 2002 in Mitteleuropa wurden als einmalige Ereignisse in einem Jahrhundert beschrieben, aber zwei Jahrzehnte später hat sich die globale Erwärmung von 0,5 auf 1,3 Grad Celsius erhöht, und sie sind wieder aufgetreten. Europa erwärmt sich sogar noch schneller als der Rest der Welt.“

Ursachenforschung: Wie kam es zu diesem Starkregen?

Im außergewöhnlich warmen Sommer 2024 war das Mittelmeer so warm wie nie und verdunstete stark. Auch die Luft über dem Meer war besonders warm. Und mit jedem Grad mehr, um das sich die Atmosphäre erhitzt, kann sie sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Die warmen, feuchten Luftmassen aus Südeuropa trafen auf kalte Polarluft, die über die Alpen zog. Dieser Kontrast – ein sogenanntes Vb-Tief – führte zu dem Sturm, der die extremen Regenfälle über eine riesige Region brachte.

Ohne Schutzmaßnahmen wäre es schlimmer gekommen

Obwohl es noch nie zuvor so extreme Regenfälle gab, ist die Zahl der Todesopfer geringer als bei vergangenen Extremwetterereignissen. Derzeit schätzt man, dass 24 Menschen zu Tode kamen. Dagegen verloren im Jahr 2002, als Deutschland, Österreich, die Tschechische Republik, Rumänien, die Slowakei und Ungarn vom Hochwasser betroffen waren, 232 Menschen ihr Leben. 2021 waren es in Westeuropa insgesamt über 200 Menschen.

Weniger Todesopfer als früher – das werten die Wissenschaftler der WWA als Erfolg der umfangreichen Investitionen in Vorhersagen und Frühwarnsysteme in den letzten Jahrzehnten. Die Notfallmanagementsysteme in ganz Europa wurden ausgebaut. So konnte der Starkregen mehrere Tage im Voraus vorhergesagt werden. Die Bevölkerung wurde gewarnt, Stauseen wurden präventiv geleert und Hochwasserschutzmauern errichtet. Doch jedes Todesopfer ist eines zu viel, so die Forschergruppe. Außerdem warnen sie vor den eskalierenden Kosten der Schäden.

Bebauungspläne ändern, um Leben zu retten

Maja Vahlberg, Mitglied der Forschungsgruppe und technische Beraterin des Klimazentrums des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds: „Diese Überschwemmungen zeigen, wie kostspielig der Klimawandel wird. Selbst nach tagelanger Vorbereitung verwüsteten die Fluten Städte, zerstörten Tausende von Häusern und führten dazu, dass die Europäische Union 10 Milliarden Euro an Hilfsgeldern zusagte.“ Sie fordert: „Die Länder müssen sich auf noch nie dagewesene Überschwemmungen einstellen und den Klimawandel in die Flächennutzungsplanung integrieren.“

Das Fazit der Forschungsgruppe WWA: Um in Zukunft Leben zu retten, muss die Bebauung in überschwemmungsgefährdeten Gebieten reduziert werden und großflächige Überschwemmungsgebiete geschaffen sowie weitere Warnsysteme aufgebaut werden.

Noch häufigere Extremereignisse erwartet

Die Forschungsgruppe hält fest: Wenn sich die Erde um 2 Grad über dem vorindustriellen Niveau erwärmt, was für die 2050er-Jahre erwartet wird, werden solche extremen Wetterereignisse noch häufiger und intensiver. Die WWA-Gruppe rechnet damit, dass dann mindestens noch einmal fünf Prozent mehr Regen fallen wird und dass extreme Niederschläge um fünfzig Prozent häufiger werden als sie es heute schon sind – und auch das ist wieder eine vorsichtige Schätzung.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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