Wie verwickelt man junge Menschen in ein Gespräch über Darmkrebs? Beispielsweise so: Man stellt sich mit einer mobilen Küche auf die Straße und verteilt kostenlos gesunde Snacks, wie fermentierte Gurken oder knusprige Falafel. Anschließend folgt eine Einladung zu einem interaktiven Kochabend. Mit dieser Idee landete Anna Fuhrmann unter den diesjährigen Gewinnern des Hochschulwettbewerbs. Sie studiert molekulare Biotechnologie an der Technischen Universität München. Die Idee kam ihr bei einem Seminar über Wissenschaftskommunikation. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis kam für sie völlig überraschend: „Ich war erst einmal total überwältigt, ich habe gar nicht damit gerechnet“, sagt die junge Forscherin.
Ziel des Hochschulwettbewerbs: kreative Wissensvermittlung
Aus ihrer Forschung weiß Anna Fuhrmann: Die Zahl der unter 50-Jährigen, die an Darmkrebs erkranken, ist in den letzten Jahren gestiegen. Doch nur wenigen jungen Menschen ist das bewusst. Mit ihrem Projekt „Science Snack“ möchte Anna Fuhrmann aufklären, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge einfach und kreativ vermitteln – und möglichst viele Menschen damit erreichen. Ganz im Sinne des Hochschulwettbewerbs. Teilnehmen dürfen junge Forschende aller Fachrichtungen, gefördert wird er vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Projektmanagerin Gesa Hengerer beschreibt den Hochschulwettbewerb als Raum zum Experimentieren, in einem Kontext, der noch nicht so Druck aufbaut, in dem Scheitern auch mal erlaubt ist. „Da entstehen jedes Jahr so kreative und tolle Projekte, die mich immer wieder aufs Neue überraschen und begeistern.“
Insgesamt 220 Projektideen wurden dieses Jahr eingereicht, zehn davon ausgezeichnet. Neben finanzieller Unterstützung bekommen die Gewinner auch inhaltliche Unterstützung in Form von Workshops und Schulungen zu unterschiedlichen Aspekten der Wissenschaftskommunikation, wie beispielsweise Social Media, Evaluation, „eben alles, was es braucht, um einen guten Start in die Wissenschaftskommunikation zu haben“, sagt Gesa Hengerer, Projektmanagerin beim Hochschulwettbewerb.
Hochschulwettbewerb 2026: drei Teams aus Bayern unter den Gewinnern
Neben der TU München ist auch die Universität Regensburg mit zwei Konzepten unter den Gewinnern: Unter dem Titel „Un:sichtbare Barrieren“ möchte eine multisensorische Installation aus Klang, Bild und Text Erfahrungen von Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung erlebbar machen.
Passend zum diesjährigen Motto „Medizin der Zukunft“ lotet ein zweites Team der Uni Regensburg die Möglichkeiten bionischer Prothesen aus. Kann man mithilfe dieser hochmodernen, computergesteuerten Prothesen, die auf Nerven- und Muskelsignale reagieren, Gitarre spielen oder malen? Geplant ist eine interaktive Ausstellung, die die Besucherinnen und Besucher dazu einlädt, das selbst auszuprobieren.
Hochschulwettbewerb: Wissen verbreiten und dabei selbst lernen
Für Anna Fuhrmann und ihr Team beginnt jetzt eine spannende Phase. „Unser Ziel ist es, viele Menschen zu erreichen und das Thema Darmkrebs überhaupt auf die Agenda zu packen“, sagt die Preisträgerin der TU München. „Wir wollen jungen Menschen gar nicht groß Angst machen, sondern eher zeigen: Diese Sachen kann man in den Alltag implementieren, damit könnt ihr euch schützen.“
Nur zwanzig Prozent der Darmkrebserkrankungen sind genetisch bedingt, erklärt Anna Fuhrmann, 80 Prozent hingen mit dem Lifestyle zusammen. Um das Risiko einer Erkrankung zu minimieren, spielt neben Bewegung auch eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung eine große Rolle: Fermentierte Gurken, knusprige Falafel – mit ihrem Projekt „Science Snack“ möchte Anna Fuhrmann dabei helfen, Wissenslücken zu schließen. Und gleichzeitig neue Erfahrungen für ihre Forschung sammeln.

