Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. Ausgezeichnet werden ihre Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und Optogenetik, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte. Nagel forscht an der Universität Würzburg, Hegemann an der Humboldt-Universität Berlin (externer Link). Die Forscher erhalten jeweils ein Drittel des Preisgelds von umgerechnet rund einer Million Euro.
Daran forschen Nagel, Hegemann und Deisseroth
Optogenetik ist eine Methode, mit der sich Zellen – meist Neuronen – mit Hilfe von Licht präzise an- oder abschalten lassen. Sie kombiniert genetische und optische Techniken, um in lebendem Gewebe und sogar in frei beweglichen Tieren gezielt zelluläre Aktivität zu steuern. Hegemann und Nagel entdeckten das Protein Kanalrhodopsin (Channelrhodopsin), das Zellen empfindlich für Licht macht.
Der 71-jährige Hegemann und der 73-jährige Nagel entdeckten Anfang der 2000er-Jahre – damals noch an den Max-Planck-Instituten für Biochemie und Biophysik – in einer einzelligen Alge das Protein. Deisseroth (54) setzte das Gen für dieses Protein zunächst in Neuronen von Ratten ein. Dadurch konnte er diese Nervenzellen mit Licht aktivieren. Zwei Jahre später gelang ihm dies in den Gehirnen von lebenden Mäusen.
„Diese Methode wird heute in Laboren weltweit eingesetzt, um die Geheimnisse des Gehirns zu entschlüsseln“, schrieb das Novel-Komitee auf der Plattform X.
Therapie für die Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa
Ein Beispiel für die praktische Anwendung ist etwa die Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa, bei der durch verschiedene Erbgut-Mutationen die Lichtrezeptoren der Netzhaut – der Retina – zugrunde gehen. Mit Hilfe einer optogenetischen Therapie ermöglichten Forscher vor einigen Jahren einem Patienten, der durch die Netzhauterkrankung seit Jahrzehnten blind war, ein rudimentäres Sehen.
In der Studie – einem Machbarkeitsnachweis – injizierte das Team in das schwerer betroffene Auge des damals 58-Jährigen einmalig Viren, die den Bauplan für das Kanalrhodopsin ChrimsonR enthielten. Mit dem in bestimmten Zellen der unteren Netzhaut entstehenden Ionenkanal konnten die Zellen aus einfallendem Licht elektrische Signale erzeugen, die sie an das Sehzentrum im Gehirn weiterleiteten. Nach der Therapie konnte der Patient mit einer Spezialbrille im Labor Gegenstände erkennen und greifen. Im Alltag registrierte er etwa ein Telefon, eine Tür oder einen Zebrastreifen.
Preisgeld höher als zuletzt
Die bedeutendste Auszeichnung für Mediziner ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund einer Million Euro. Die Nobelstiftung hat das Preisgeld kürzlich erst auf zwölf Millionen Kronen angehoben. „In diesem Jahr feiern wir das 125-jährige Bestehen des Nobelpreises. Aus diesem Anlass freuen wir uns, das Preisgeld um eine Million erhöhen zu können“, sagte die Geschäftsführerin der Nobelstiftung, Hanna Stjärne, im September. Der Betrag wurde seit der ersten Verleihung im Jahr 1901 schon mehrfach angepasst.
Preisverleihung im Dezember
Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemiepreises benannt. Es folgen die für Literatur und für Frieden. Die Reihe der Bekanntgaben endet am kommenden Montag mit dem von der schwedischen Zentralbank gestifteten sogenannten Wirtschaftsnobelpreis.
Die feierliche Übergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Bereits am 30. September waren in Stockholm die diesjährigen Träger des Right Livelihood Awards bekanntgegeben worden, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird.
Podcast-Tipp: „IQ – Wissenschaft und Forschung“: Hintergrundwissen über die Nobelpreise
🎧 Der Podcast „IQ – Wissenschaft und Forschung“ erklärt anschaulich und tiefgründig, wer wofür einen Nobelpreis bekommt: Nach welchen Kriterien wird entschieden, was ist das Besondere an der ausgezeichneten Forschung und worin liegt die Errungenschaft der Forscherinnen und Forscher? In ARD Sounds hier anhören

