Vielerorts hat der Winter Deutschland fest im Griff: In Teilen Bayerns hat Neuschnee dafür gesorgt, dass sich die Welt als weiße Winterlandschaft präsentiert. Dass die ersten Störche ihre Nester beziehen, sorgt bei vielen Menschen für Verwunderung – und einige machen sich auch Sorgen. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Zeitpunkt für Nestbezug nicht unüblich, aber zu früh für Paarung
Viele Störche würden gar nicht mehr in südlichen Gefilden überwintern, sondern blieben in Deutschland, erläutert die Storchenexpertin des LBV, Oda Wieding. Andere zögen gar nicht mehr so weit in den Süden und seien schon aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt.
In ganz Bayern sei zu beobachten, dass sich die ersten Störche an ihren Nestern einfinden. In einigen Fällen zeigten die Vögel schon erstes Paarungsverhalten. Das diene aber lediglich dazu, die Paarbindung zu stärken, schließlich sei es für die eigentliche Paarung noch zu früh.
Sender liefern Reisedaten der Störche
Das Zugverhalten der Störche können die Experten anhand von Satellitensendern analysieren. Einige Störche seien noch in Spanien und Marokko, erläuterte Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell am Bodensee. Andere wiederum seien derzeit auf dem Rückweg und würden demnächst in Deutschland erwartet. Störche, die über die sogenannte Ostroute über die Türkei und den Nahen Osten nach Afrika ziehen, kämen erfahrungsgemäß erst Anfang April wieder zurück nach Deutschland.
Einige Tierschutzorganisationen oder Vogelwarten haben Störche mit Sendern ausgestattet. Diesen tragen die Vögel auf dem Rücken, von wo aus er regelmäßig Daten vom Flugverhalten der Tiere schickt. Mittels Solarmodulen kann sich der Sender immer wieder selbst aufladen.
Viele Störche überwintern in Bayern
Allein in Bayern würden aber jedes Jahr mehrere hundert Störche überwintern, so LBV-Expertin Oda Wieding. Wenn es keinen Dauerfrost gebe, kämen die Tiere hierzulande auch im Winter gut zurecht. In der Nähe von Ansbach wurden bis zu 150 Störche auf einer Kompostanlage gesichtet. Das sei normal, so Wieding. „Solange es genug zu fressen gibt, bleiben sie.“
Junge Störche schließen sich den Experten zufolge anderen Artgenossen an, die sie dann nach Südspanien oder Afrika mitnähmen. In den 1980er-Jahren sei das nur ganz vereinzelt vorgekommen, inzwischen handle es sich um mehrere zehntausend Störche. Daraus schließen die Experten, dass sich der Weißstorch sehr gut an seine Umgebung anpassen kann.
In der Regel versuchten Störche immer, das Nest aus dem Vorjahr zu besetzen, erläutert LBV-Expertin Wieding. Überwinterer und frühe Rückkehrer hätten bessere Chancen. Dann allerdings berge ein später Frost Gefahren für den Nachwuchs. Welches Verhalten vorteilhafter sei, müsse sich auf lange Sicht zeigen, so Wieding.
Mit Informationen von dpa

