Laut Musterrechnung des Studentenwohnreports 2026 kostet mittlerweile selbst ein WG-Zimmer in einer Universitätsstadt bis zu 850 Euro warm. Wenn günstige Studentenzimmer fehlen, ist das langfristig ein Risiko für die Bildungsgerechtigkeit. Hängt das Studium vom Geldbeutel der Eltern ab, hat das Folgen für die soziale Vielfalt an den Hochschulen und den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland. Langfristig könnten die hohen Kosten zu einer neuen Art der sozialen Auslese führen, befürchtet das Deutsche Studierendenwerk.
Für Studierende wird die Wohnungssuche schwieriger
Die Situation sei nicht nur für die Erstsemester schwierig, erklärt Amir Hasukic vom Bayerischen Landesstudierendenrat: „Die Wohnungssuche ist ein großes Problem. In Bayern warten 19.500 Studierende auf Wohnheimplätze. Viele nehmen deshalb bereits seit Jahren stundenlange Pendelstrecken in Kauf.“ Das Angebot von günstigen Wohnheimplätzen unterscheidet sich stark zwischen den einzelnen Hochschulstandorten. In attraktiven Universitätsstädten liegt die offizielle Wohnplatzquote unter zehn Prozent.
Dabei ist klar: Viele Studierende würden sich angesichts jahrelanger Wartezeiten gar nicht erst bewerben, berichtet Hasukic. Studierende aus wohlhabenden Familien können zumindest zeitweise private WG-Zimmer oder möblierte Premium-Apartments, wie sie beispielsweise in Augsburg oder Ingolstadt entstanden sind, finanzieren.
BAföG für Studierende gleicht Preissteigerungen bei Mieten nicht aus
Etwa jeder zehnte Studierende erhält derzeit staatliche Unterstützung, BAföG. Der durchschnittliche Förderbetrag beträgt 650 Euro, der BAföG-Höchstsatz für Studierende, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, liegt bei maximal 992 Euro. Doch die darin enthaltene BAföG-Wohnpauschale in Höhe von 380 Euro reicht nicht aus, um die Mietkosten abzudecken.
Ab dem Sommersemester 2027 solle die Wohnkostenpauschale auf 440 Euro erhöht werden, doch noch sei unklar, ob die Erhöhung tatsächlich komme, kritisiert Hasukic. Ohnehin hinke der Betrag den realen Kosten für eine Warmmiete hinterher. „Studierende berichten uns, dass ihre Entscheidung für Studienort und damit Studiengang maßgeblich von den Kosten abhängt.“ Das bedeute, die Wahlfreiheit von zuhause auszuziehen oder ein bestimmtes Fach zu wählen, sinkt.
Laut Deutschem Studierendenwerk (externer Link) arbeitet rund die Hälfte der Studierenden, um Miete und Lebensunterhalt zu finanzieren. Zwei Drittel der studentischen Haushalte sind demnach von den Wohnkosten überfordert.
Finanzieller Druck auf Studierende belastet ihren Studienerfolg
Hasukic vom Landesstudierendenrat kritisiert: „Ein Studienplatz alleine verschafft noch keine faire Studienchance. Die Nebenjobs kosten Zeit und Kraft, die dann für Lehrveranstaltungen, zum Lernen, fürs Leben am Hochschulort fehlen.“
Auch aus Sicht des AK Wohnen (externer Link), einer Initiative von Studierenden der Münchner Hochschulen, sind Studierende ohne finanzkräftige Elternhäuser besonders unter Druck. AK-Sprecher Alexander Schiller fordert, „dass die geförderten Wohnheimplätze ausgebaut werden, Wohnheime, die weiterhin auch günstig bleiben. Vielleicht kann man dafür auch Leerstand nutzen, zum Beispiel im Alten Strafjustizzentrum in München“.
Wer neben dem Studium arbeitet, braucht länger bis zum Abschluss und auch die Abbruchquote steigt. Die Abhängigkeit von erfolgreichem Studium und Elternhaus (externer Link) zeigen auch Studien des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Deshalb fordert Schiller eine pauschale Anhebung der Wohnkostenpauschale und einen Zuschlag für besonders teure Studienorte.
Studieren nur für Wohlhabende und Akademikerkinder möglich?
Bildungsforscherin Annabell Daniel von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) betont, Mietkosten seien nur ein Faktor bei der Entscheidung für ein Studium. Zwei Drittel der Studienanfänger suchten sich eine Hochschule, die nicht weiter als 100 Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt liegt. Zwar seien Studierende aus einkommensstärkeren Elternhäusern insgesamt mobiler und orientierten sich bei der Studienwahl mehr am Prestige von Universitäten.
Einen Trend sehe die Forschung bislang nicht, es gebe keine empirische Obergrenze, ab der Wohnkosten eine soziale Auslese verschärfen, etwa an den Exzellenzuniversitäten. Daniel erklärt: „Noch ist es zu früh, davon zu sprechen, dass wir eine Homogenisierung auf ein bestimmtes soziales Milieu an einzelnen Standorten finden.“ Über ein Studium entscheidet in Deutschland laut OECD (externer Link) vor allem der Bildungsgrad der Eltern. Nur 15 Prozent der Erwachsenen aus nicht-akademischen Familien erreichen einen Hochschulabschluss.
Bayern fördert günstigen Wohnraum für Studierende
Der Freistaat unterstützt Studierendenwerke beim Ausbau günstiger Appartements und WG-Zimmer und bezuschusst den Neubau von Appartements und die Sanierung von Studentenwohnheimen, beispielsweise in Nürnberg oder München. Mit dem Hochschulinnovationsgesetz fördert Bayern auch gemeinsame Initiativen von Universitätsstädten und Hochschulen für einen raschen Ausbau (externer Link) studentischen Wohnraums.

