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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Vier Jahre Krieg gegen die Ukraine: Natur großflächig zerstört
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Vier Jahre Krieg gegen die Ukraine: Natur großflächig zerstört

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 24. Februar 2026 09:48
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Große Gebiete der Ukraine sind Naturschätze von europäischem Rang. Mehr als 50 Nationalparks hat das Land. Etwa in den Karpaten, einem Urwaldgebiet und UNESCO-Welterbe, wo jede dritte europäische Pflanzenart heimisch ist.

Inhaltsübersicht
Vier Jahre Krieg in der Ukraine – langfristige Folgen für Wald und WildLangfristige Umweltschäden am Dnipro und Schwarzen MeerUkraine-Krieg hat Auswirkungen auf das Klima auf der ErdeGefährdete Natur: Nur ein Teil des Kriegsleids

Allerdings zieht der seit vier Jahren andauernde Krieg die Natur in der Ukraine stark in Mitleidenschaft. Viele Schutzgebiete liegen in umkämpften Gebieten und werden durch Ölverschmutzung oder Schwermetallablagerungen nach Artilleriefeuer nachhaltig geschädigt. Und durch die Kampfhandlungen verbrennt der Wald: Eine aktuelle Kartierung mithilfe von Satellitenaufnahmen (externer Link) zeigt: In einem Streifen von 100 Kilometern beiderseits der Frontlinie sind etwa neun Prozent des Waldes vollständig zerstört. Das entspricht etwa dem Doppelten der Fläche Hamburgs (Stand Oktober 2025).

Vier Jahre Krieg in der Ukraine – langfristige Folgen für Wald und Wild

Dazu kommt: „In einigen Schutzgebieten sind 20 bis 30 Prozent der Fläche vermint“, berichtet Michael Brombacher von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (externer Link). Wie viele Wildtiere diesen Minen zum Opfer gefallen sind, weiß niemand. Neue Grenzanlagen zu Belarus durchtrennen zudem die Wanderrouten von Tieren, sagte der Experte im Oktober 2025 im WDR.

Auch außerhalb der Kampfgebiete haben sich die Prioritäten des Landes verständlicherweise verschoben. Gehälter für Mitarbeitende im Naturschutz werden zwar weiter gezahlt, mehr aber nicht. Schon eine Autoreparatur ist beispielsweise nur dank Spenden etwa der Zoologischen Gesellschaft möglich. Positiv wirkt sich für die Natur andererseits aus, dass viele Gebiete entlang der rumänischen Grenze nicht mehr betreten werden dürfen. Dort erholen sich die Bestände von Bären, Luchsen und Wölfen, auch weil die Jagd im gesamten Land derzeit untersagt ist.

Langfristige Umweltschäden am Dnipro und Schwarzen Meer

Selbst wenn die Front weitergezogen ist oder eines Tages ein Waffenstillstand in Kraft sein sollte, bleiben die Folgen des Krieges lange Zeit bestehen. Auch Gewässer und Ufergebiete sind langfristig geschädigt. Etwa am Dnipro, wo am 6. Juni 2023 der Kachowka-Staudamm nach einer Explosion gebrochen ist. Die Wassermassen haben unmittelbar 20.000 Tiere mit sich gerissen und 83.000 Tonnen Schwermetalle über das angrenzende Land verteilt.

Nach Angaben der „Ukrainian Nature Conservation Group“ (externer Link) könnten zudem mehrere Tier- und Pflanzenarten ausgestorben sein, die nur in diesem Gebiet heimisch waren, etwa die Sandblindmaus oder der Dnipro-Thymian. Unabhängig bestätigen lässt sich das nicht. Stark mit Chemikalien belastet ist nach wie vor auch das Schwarze Meer, in das der Fluss mündet.

Ukraine-Krieg hat Auswirkungen auf das Klima auf der Erde

Nicht zuletzt ist seit Kriegsbeginn eine große Menge an Treibhausgasen in die Atmosphäre gelangt. Das schreibt die „Initiative on GHG accounting of war“ (GHG = Greenhouse Gases, Treibhausgase) in einem Bericht (externer Link) zum vierten Jahrestag des Kriegsbeginns, der von der European Climate Foundation (ECF, externer Link) gefördert wurde. Wegen der Kämpfe sind demnach 311 Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen entstanden. Das entspricht etwa der Menge, die in Österreich in den vergangenen vier Jahren freigesetzt wurde.

Der größte Faktor ist nach den Berechnungen der Wissenschaftler dabei die Kriegsführung selbst, mit 37 Prozent: Kampfflugzeuge und Panzer benötigen große Mengen an fossilen Treibstoffen, bei deren Verbrennung das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) entsteht. Auch wird durch den Einsatz von Drohnen immer mehr militärische Infrastruktur gezielt zerstört und muss wieder instand gesetzt werden.

Das trifft auch für zivile Wohngebäude und Industrieanlagen zu. Ihr Wiederaufbau ist mit 23 Prozent der kriegsbedingten Treibhausgasemissionen der zweite große Posten, vor allem weil dafür eine große Menge Beton und Stahl benötigt werden. Ferner nennen die Wissenschaftler die bereits erwähnte Zerstörung von Wäldern (ebenfalls 23 Prozent). Denn Bäume benötigen für ihr Wachstum CO2 aus der Atmosphäre. Dadurch wirken sie der Erderwärmung entgegen.

Gefährdete Natur: Nur ein Teil des Kriegsleids

All das verblasst selbstverständlich vor dem großen menschlichen Leid, das der Krieg in der Ukraine mit sich bringt: Hunderttausende Tote, zerstörte und traumatisierte Familien, Verlust von Wohnraum und Heimat. Zu ihr gehört nicht zuletzt die vielfach noch wilde und ursprüngliche Natur, in der Erholung möglich wäre. Doch auch sie ist immer stärker gefährdet.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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