„Super-El Niño“ ist kein offizieller Fachbegriff
Ein besonders starkes Ereignis wird oft als „Super-El Niño“ bezeichnet (zum Podcast: „Bringt 2026 einen Super-El-Niño?“ in IQ – Wissenschaft und Forschung). Der Begriff klingt dramatisch, ist aber kein offizieller Standardbegriff der Klimaforschung. Gemeint ist in der Regel ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis mit besonders hoher Erwärmung der Meeresoberfläche.
Wie wahrscheinlich das derzeit ist, lässt sich bis jetzt nicht genau sagen. Alle Prognosen deuten zwar darauf hin. Das war aber auch 2014 so, und dann kühlte sich das Meerwasser ab, sagt die Klimaforscherin Daniela Matei vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Eine zuverlässige Voraussage wird es erst in ein paar Monaten geben.
Friederike Otto spricht von einer Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent. Das klinge zunächst nicht besonders hoch. Gleichzeitig betont sie: Wenn die Ozeantemperaturen weiter steigen, nimmt auch dieses Risiko zu. Es sei deshalb eine reale Gefahr, mit der man rechnen müsse.
Mehr Dürren hier, mehr Starkregen dort
Die größten Auswirkungen hätte ein starker El Niño wohl in den Tropen. Otto verweist auf eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit für Dürren, etwa im Amazonas. Dort gab es Anfang 2024 eine extreme Dürre mit starken Hitzewellen und Waldbränden. In anderen Regionen drohen dagegen Starkregen, Überschwemmungen und schwere Naturkatastrophen.
El Niño verschiebt also nicht nur Temperaturen im Pazifik, sondern verändert Wetterlagen weltweit: Während manche Regionen unter ausbleibendem Regen leiden, bekommen andere plötzlich viel zu viel davon.
Auch die globale Temperatur könnte weiter steigen
Besonders brisant ist, dass ein starker El Niño die Erde zusätzlich zum Klimawandel aufheizen würde. Otto warnt, dass El Niño die Welt insgesamt noch einmal um einige Zehntelgrad wärmer machen könne. Auf die menschengemachte Erderwärmung käme also ein weiterer Wärmeschub.
Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit für extreme Niederschläge und Hitzewellen weltweit. El Niño wird damit zu einem natürlichen Verstärker in einer ohnehin schon aufgeheizten Welt.
Und was bedeutet das für Europa?
Europa liegt nicht im Zentrum des El-Niño-Geschehens, kann die Folgen aber durchaus spüren, sagt Matei. Im Januar bis März könnte es zu Kälteeinbrüchen kommen, im Sommer zu Hitzewellen in Südeuropa.
Ansonsten spürt es Europa wirtschaftlich, denn Ernteausfälle aufgrund von Dürren in anderen Teilen der Welt machen sich auch bei uns bemerkbar.
Friederike Otto mahnt zur Einordnung
Otto betont, dass man natürliche Klimaschwankungen und menschengemachten Klimawandel zusammendenken müsse. Gegen El Niño selbst könne man nichts tun. Gegen den Klimawandel dagegen schon.
Für die Forscherin ist es wichtig, El Niño weder zu dramatisieren noch zu verharmlosen. Das Phänomen gehe wieder vorbei, sagt sie sinngemäß. Die menschengemachte Erwärmung dagegen bleibe. Solange weiter Kohle, Öl und Gas verbrannt würden, steige auch das Risiko, dass natürliche Klimaschwankungen auf einer immer heißeren Erde gefährlicher wirken.

