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Feste Deckel an vielen PET-Einwegflaschen sind in der EU – so auch in Deutschland – seit Juli 2024 Pflicht. Die Maßnahme ist eine von vielen, die Einwegplastikmüll in der EU reduzieren soll. Bereits seit 2021 ist etwa in Deutschland das Inverkehrbringen von Einwegkunststoffprodukten wie Wattestäbchen, Trinkhalme oder Besteck verboten.
In der Kommentarspalte bei BR24 diskutierten Nutzer über das Plastikverbot und wollten wissen, ob solche Verbote bereits Wirkung zeigen würden. „HungryAudrey“ schrieb: „Diese Deckel machen einen nicht zu unterschätzenden Anteil an dem in der Landschaft herumliegenden Müll aus. Diese Befestigung der Deckel ist aktiver und sofort wirksamer Umweltschutz. (…)“ User „Max_Headroom“ fragte: „Wie viele Deckel (anteilsmäßig) gingen denn vor Einführung der festen Deckel verloren und wie sieht das heute aus. Gibt es dazu belastbare Zahlen? (…)“
16,4 Milliarden Einwegplastikflaschen pro Jahr in Deutschland
„Deckel von Einwegkunststoffgetränkeverpackungen gehören zu den am häufigsten in der Umwelt gefundenen Einwegkunststoffprodukten“, erklärt Sonia Grimminger vom Umweltbundesamt. Weggeworfene Deckel könnten etwa von Tieren mit Nahrung verwechselt und gegessen werden. Das könne im schlimmsten Fall zum Tod führen.
„In Deutschland verbrauchen wir 16,4 Milliarden Einwegplastikflaschen pro Jahr“, sagt Annika Schall, Senior Expert Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe. Viele der Flaschen würden unterwegs ausgetrunken. Bereits vor der Verbotsverordnung in Deutschland sei die Zahl der Flaschen, die mit Deckel im Handel zurückgegeben werden, mit 90 Prozent sehr hoch gewesen. Aber: Es blieben zehn Prozent und somit immer noch viele Millionen Deckel, die hierzulande in der Umwelt gelandet sind, so Schall. Um die Zahl weiter zu senken, seien die festen Deckel eine sinnvolle Maßnahme. Und: In anderen EU-Ländern, die meist kein vergleichbares Pfandsystem haben, sei die sogenannte Verdeckelungsquote teils deutlich niedriger.
„Belastbare Zahlen, ob und inwieweit sich der Müll durch die festen Deckel reduziert hat, gibt es noch nicht“, so Schall. Erste Zahlen würden erst im Laufe des Jahres erhoben beziehungsweise ausgewertet werden.
Der Kampf der EU gegen Einwegplastik
Bereits 2019 ist in der EU die Einwegkunststoffrichtlinie in Kraft getreten. Durch Verbote, Vorgaben und Kennzeichnungspflichten sollten die Mitgliedstaaten dafür sorgen, dass die Abfallmengen in der Umwelt gesenkt werden. Betroffen waren dabei zehn Einwegplastikprodukte wie Getränkebecher oder Lebensmittelboxen aus expandiertem Polystyrol sowie Wattestäbchen, Teller oder Luftballonstäbe. Diese seien in jahrelangen Monitorings in großer Zahl an europäischen Stränden gefunden worden und würden somit erheblich zur Meeresvermüllung beitragen.
„Bei mehr als 80 Prozent des Meeresmülls handelt es sich um Plastik“, so eine Sprecherin der Europäischen Kommission auf BR24-Anfrage. Bis zum Jahr 2050 solle demnach der Plastikmüll im Meer um 50 Prozent reduziert werden, so das allgemeine Ziel. Bereits jetzt würde ein 2025 herausgegebener Bericht des Gemeinsamen Forschungszentrums der EU-Kommission [externer Link] zeigen, dass man auf einem guten Weg sei. So habe schonmal der Einwegplastikmüll an den Stränden der EU zwischen 2015 und 2021 um 40 Prozent abgenommen. Bis Juli 2027 wolle die Europäische Kommission die Maßnahmen zur Reduzierung von Einwegkunststoffmüll bewerten und daraufhin weitere Schritte planen.
Weg von Einweg – hin zu Mehrweg?
Was bei der Umsetzung bedacht werden sollte: Manche Unternehmen würden auf andere Einwegmaterialien ausweichen und etwa statt Plastikgabeln Holzgabeln anbieten, so Schall. „Wenn wir anstatt tonnenweise Plastikmüll künftig tonnenweise Papiermüll haben, ist uns auch nicht wirklich geholfen“, sagt Annika Schall von der Deutschen Umwelthilfe. Es müsste mehr wirksame Maßnahmen in Richtung Mehrwegprodukten und Wiederverwendung geben, meint sie. Das geplante Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz, das Abfallvermeidung und Recycling verbessern soll, sei da ein guter Schritt.

