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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Einmal Heiland sein: Der Jesus-Simulator „I am Jesus Christ“
Kultur

Einmal Heiland sein: Der Jesus-Simulator „I am Jesus Christ“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 7. April 2026 12:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Jesus wacht auf, ein Engel schwebt über dem Bett und gibt ihm respektive uns den ersten Auftrag – gesprochen auf Englisch mit deutschen Untertiteln: Suche Johannes den Täufer.

Inhaltsübersicht
Das Leben eines WanderpredigersLepra-Heilen per MausklickDie Grafik wirkt altbacken

In der Ego-Perspektive auf dem Weg durchs Dorf lernen wir Maria und Josef kennen. Auf dem Markt klagen die Händler über die Schikane durch die römischen Besatzer, die hier patrouillieren. Das Neue Testament aus der Sicht von Jesus persönlich erleben – darin sah ein kleines Team aus Polen eine Marktlücke: Es gibt Bilder und Filme von und über den Messias – warum ihm nicht ein PC-Spiel widmen?

Das Leben eines Wanderpredigers

Wir verlassen das Dorf und bewegen uns durch die offene Welt. Eine Markierung auf dem Kompass zeigt den Weg. Am Jordan treffen wir Johannes, der uns im Fluss tauft. Mission gemeistert! Das Spiel bringt einem nahe, was es bedeutet, ein „Wanderprediger“ zu sein. Man läuft, bis die Sandalen glühen. Man spricht mit Menschen und beantwortet Quizfragen über die Bibel.

Dann geht es in die Wüste zum 40-Tage-Fasten. Dort lässt der Satan nicht lange auf sich warten: Mit blassem Gesicht und Kapuze stellt er unseren Glauben auf die Probe und bietet uns Brot an. Der Versuchung zu widerstehen, ist nicht schwer: Das Spiel lässt uns gar nicht die Wahl, vom rechten Weg abzukommen.

Lepra-Heilen per Mausklick

In einem langweiligen Minispiel müssen wir Tasten im richtigen Rhythmus drücken, um der Schlange zu entkommen und den Glaubensbeweis abzuschließen. Obwohl die frohe Botschaft stets mit dem Holzhammer serviert wird, hält sich der missionarische Propaganda-Effekt von „I am Jesus Christ“ vermutlich in Grenzen: Ob Spieler, die mit dem Christentum nichts am Hut haben, am langwierigen Wandern durch Galiläa einen Reiz finden, ist fraglich.

Per Mausklick lassen sich Flecken aus dem Gesicht von Lepra-kranken Passanten in goldenem Licht heilen. Und auf der Hochzeit zu Kana verwandeln wir Wasser zu Wein, indem wir neonpinke Leuchtbälle in die Karaffen schießen – für ein Wunder etwas unspektakulär. Reaktionsvermögen und Geschicklichkeit werden einem eher selten abverlangt – süchtig macht das Spiel gewiss nicht.

Die Grafik wirkt altbacken

Ein bisschen Action gibt es bei der Tempelreinigung, wenn Jesus die unliebsamen Händler aus dem Gotteshaus wirft. Wie ein Jedi-Ritter aus Star Wars zerschmettern wir die Stände mit einer Art Macht-Schub und lassen Schafe frei. Manche Menschen im Spiel sind von Dämonen besessen, die man einfangen und per Zauberhand in ein mysteriöses Portal schieben muss. Dabei verdunkelt sich die Umgebung und erinnert an gruselige Fantasy-Spiele – eine willkommene Abwechslung.

Aber dass ein Großteil der Stimmen mit KI generiert wurde, ist nicht schön, und auch die Grafik wirkt altbacken. Bedenkt man aber, dass das Spiel von nur fünf Personen programmiert wurde, wirkt das Open-World-Erlebnis zwischen Jerusalem und Galiläa doch recht beeindruckend. Das große Spektakel bleibt dabei aber aus: Anders als Bibel-Filme wie „Die Passion Christi“ oder „Noah“ glänzt „I Am Jesus Christ“ nicht mit Brutalität oder epischen Bildern. Von der Taufe bis zur Kreuzigung wird die Geschichte detailliert und unaufgeregt erzählt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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