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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > 300 Millionen Euro Schaden – Razzia gegen Fake-Abo-Betrüger
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300 Millionen Euro Schaden – Razzia gegen Fake-Abo-Betrüger

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 5. November 2025 16:49
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Bei einer großen Razzia gegen mutmaßliche Betrugs- und Geldwäschenetzwerke auf drei Kontinenten sind auch 29 Objekte in Deutschland durchsucht worden. In Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein waren mehr als 250 Kräfte im Einsatz, wie das Bundeskriminalamt (BKA) und andere Behörden in Wiesbaden mitteilten.

Inhaltsübersicht
Mehr als 19 Millionen Fake-Abos abgeschlossenUrsprung der Ermittlungen im rheinland-pfälzischen WesterwaldWie die Betrüger offenbar vorgingenAnti-Geldwäsche-Behörde erkannte auffälliges VerdachtsmusterErmittlungen gehen weiter

Mehr als 19 Millionen Fake-Abos abgeschlossen

18 Haftbefehle waren zuvor am Dienstag im In- und Ausland vollstreckt worden, darunter fünf in Deutschland. Den insgesamt 44 Beschuldigten – 36 Männer und acht Frauen zwischen 32 und 74 Jahren – wird vorgeworfen, Kreditkartendaten von Geschädigten aus 193 Ländern genutzt zu haben, um mehr als 19 Millionen Fake-Abos über professionell betriebene Schein-Webseiten abzuschließen.

Es soll um über vier Millionen betroffene Kreditkarteninhaber und mehr als 500 Scheinfirmen gehen. Der von 2016 bis 2021 entstandene Gesamtschaden soll sich auf mehr als 300 Millionen Euro belaufen. Weitere geplante kriminelle Geldflüsse von insgesamt rund 750 Millionen Euro konnten nach den Angaben nicht mehr verwirklicht werden, etwa weil Kreditkarten veraltet waren.

Ursprung der Ermittlungen im rheinland-pfälzischen Westerwald

Die Zahl der Beschuldigten in Deutschland nannte das BKA „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht. Laut der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz lag der Ursprung der fünfjährigen internationalen Ermittlungen im rheinland-pfälzischen Montabaur im Westerwald. Dort habe ein Beschuldigter seinen Wohnsitz oder eine Firma. Genauer wollte sich die Behörde nicht äußern.

Wie die Betrüger offenbar vorgingen

Die Fake-Webseiten – vor allem zu angeblichen Porno-, Dating- und Streamingangeboten – dienten dem BKA zufolge nur dazu, die Kreditkarten der Geschädigten mit entsprechenden Gebühren zu belasten. Die monatlich abgebuchten Beträge waren bewusst niedrig, beispielsweise 50 Euro oder 50 Dollar, und mit unverständlichen Verwendungszwecken versehen. Dadurch würden viele Kreditkarteninhaber die Abbuchungen überlesen, nicht eindeutig zuordnen oder nicht als falsch erkennen, so die Hoffnung.

Die Beschuldigten sollen zur Abwicklung von Zahlungen vier große deutsche Zahlungsdienstleister kompromittiert haben. Bei einem von ihnen sollen die Beschuldigten eigens eine für Geldwäsche programmierte Software installiert haben. An der internationalen Razzia waren unter anderem das BKA und die Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz beteiligt. Die Beamten filzten auch Objekte in Italien, Kanada, Luxemburg, den Niederlanden, Singapur, Spanien, den Vereinigten Staaten und Zypern. 

Anti-Geldwäsche-Behörde erkannte auffälliges Verdachtsmuster

Die Ermittlungen ausgelöst hatten Erkenntnisse der Anti-Geldwäsche-Behörde FIU. Sie hatte bei zahlreichen einzelnen Verdachtsmeldungen ein auffälliges Muster erkannt. Die Kreditkartendaten der Opfer sollen die Beschuldigten etwa mit Phishing-Attacken erbeutet haben. Hierbei versuchen Kriminelle, sensible Daten wie Passwörter oder Bankinformationen zu stehlen, indem sie sich etwa per gefälschter E-Mail oder Webseite als eine vertrauenswürdige Person oder Institution ausgeben. 

Ermittlungen gehen weiter

Die aufwendigen, bisher verdeckten Ermittlungen dauern an – unter anderem mit mehr als 90 Rechtshilfeersuchen in anderen Ländern, etwa zur Klärung dortiger Sachverhalte. Die Betrügereien wurden laut BKA bereits seit 2021 vollständig gestoppt. Die Ermittler tauften ihre Arbeit „Operation Chargeback“. Damit ist eine Rückbuchung einer Kartenzahlung gemeint, weil ein Kunde bei seiner Bank die Stornierung einer Abbuchung etwa wegen Betrugs fordert. 

Der Koblenzer Generalstaatsanwalt Harald Kruse sagte zum Ausmaß der Betrügereien: „Die puren Zahlen in diesem Verfahren lassen einen schwindeln.“ Die Ermittlungen hätten bis zu Ländern wie Nordkorea gereicht. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sprach von einem „wichtigen Schlag gegen ein internationales Geldwäschenetzwerk“.

Mit Informationen von dpa

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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