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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Pistole an der Wand“: Ist Putins Netz-Zensur mehrheitsfähig?
Kultur

„Pistole an der Wand“: Ist Putins Netz-Zensur mehrheitsfähig?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 10. November 2025 20:50
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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„Eine belagerte Festung muss auch von innen gestärkt werden. Außerdem gilt nach wie vor der Grundsatz: ‚Je weniger man weiß, desto besser schläft man'“, spottete der russische Politologe Georgi Bovt (externer Link) über eine neue „Umfrage“ des staatlichen russischen Meinungsforschungsinstituts WZIOM, wonach weit mehr als die Hälfte der Befragten persönlich keine Probleme mit einer verschärften Netz-Zensur hätten.

Inhaltsübersicht
„Macht Regimewechsel wahrscheinlicher“„Besser mit null multiplizieren“

„Das Internet und die mobile Kommunikation geraten allmählich auf die Liste der künstlich hervorgerufenen, nicht-traditionellen Werte. Wir haben einst irgendwie ohne sie gelebt – und es war völlig in Ordnung so“, kommentierte das der St. Petersburger Politologe Michail Winogradow (externer Link) ironisch. Ein Kollege von ihm fürchtete, die Netzkommunikation werde in Russland wohl bald zum „Luxus für wenige Privilegierte, wenn sie nicht gerade wegen Drohnenangriffen ausfällt“.

„Macht Regimewechsel wahrscheinlicher“

Ein weiterer russischer Polit-Blog empörte sich (externer Link): „Die alten Dackel in Regierung und Kreml ruinieren das Leben junger Menschen. Je mehr unpopuläre Entscheidungen die Regierung trifft, desto schlechter werden ihre Zustimmungswerte sein. In Russland wird dies natürlich kaum Auswirkungen auf die Wahlergebnisse haben, aber es wird andere Szenarien eines Regimewechsels wahrscheinlicher machen.“

Jeder vierte Russe begrüßt nach Angaben von WZIOM ausdrücklich (externer Link), dass die Behörden den Zugang zu Netzadressen wie YouTube unterbinden, 30 Prozent seien diesbezüglich „unentschlossen“, wobei es wenig verwunderlich ist, dass die jüngere Generation damit erheblich mehr Probleme hat als die ältere. Immerhin: Einer Mehrheit von 55 Prozent der Befragten ist es demnach egal, wenn Netz-Sperren umgangen werden, etwa mit verschlüsselten VPN-Zugängen.

„Besser mit null multiplizieren“

Offenbar stellten die Behörden die Russen als „Masochisten“ dar, heißt es bei einem anonymen Blogger aus Pskow mit 21.000 Fans (externer Link). Das sei zwar „beunruhigend“, dürfe aber nicht überdramatisiert werden: „Staatliche Meinungsumfragen spiegeln schon lange nicht mehr die Realität wider, sondern zeichnen ein von den Machthabern gewünschtes Zukunftsbild.“ So würden rund vierzig Prozent der Befragten gar nicht mehr antworten, viele weitere wüssten genau, was die Behörden erwarteten und verhielten sich entsprechend: „Diese ‚WZIOM-Propaganda‘ lässt sich also durch 10 teilen. Oder besser noch, mit null multiplizieren, damit die Diskrepanz zwischen Realität und Umfrageergebnissen keine kognitive Dissonanz erzeugt.“

 

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Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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