„Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, muss rosten. Den allerschönsten Sonnenschein lässt uns der Himmel kosten“: So beginnt das Frankenlied, die inoffizielle Landeshymne der Franken. Sechs Strophen ist sie lang, aber: Fast alle davon würden Ober- und Unterfranken abbilden, sagt Peter Daniel Förster.
Der Bezirkstagspräsident von Mittelfranken findet: „Mittelfranken hat so viel zu bieten und deswegen braucht’s eine neue mittelfränkische Strophe.“ Deshalb wurde gerade eine Mitmachaktion gestartet, bei der jeder seine Vorschläge für eine weitere Strophe des Frankenlieds einreichen kann – das ursprünglich gar nicht von einem Franken geschrieben wurde.
Gebürtiger Karlsruher schreibt Frankenlied
Der gebürtige Karlsruher Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel ist der Autor der sechs offiziellen Strophen. 1859 erhält er eigentlich den Auftrag, einen Roman über die Wartburg zu schreiben. Nach einem Aufenthalt auf der Burg in Thüringen setzt er sich in den Zug und fährt bis nach Lichtenfels. Dort wandert er auf das Kloster Banz und ihm wird klar, wie ambitioniert diese Aufgabe mit dem Roman ist. „Er kuriert, wenn man es jetzt mit heutigen Worten sagen möchte, ein Burnout-Syndrom aus“, sagt Kunsthistorikerin Natalie Gutgesell, die eine Doktorarbeit über Scheffel geschrieben hat.
Ein Teil dieses Romans über die Wartburg ist ein Wanderlied. Scheffel lässt sich beim Schreiben von seinen Wanderungen in der fränkischen Natur rund um den Staffelberg inspirieren, wo heute noch ein Denkmal an ihn erinnert.
Würzburger Valentin Eduard Becker vertont Frankenhymne
Den Wartburgroman schreibt Scheffel nie zu Ende. Das Wanderlied veröffentlicht er trotzdem. Wenige Jahre später vertont es der gebürtige Würzburger Valentin Eduard Becker. Und es wird zum heute bekannten Frankenlied, das auf fränkischen Volksfesten und Kirchweihen gesungen wird. „Es ist bis heute ein Werbeslogan für die Gegend am Obermain“, sagt Kunsthistorikerin Gutgesell. Der Gottesgarten am Obermain, mit dem die Gegend wirbt, sei ein Wort aus dem Frankenlied.
Bis Januar können Vorschläge für neue Strophe eingereicht werden
Damit das Frankenlied in Zukunft also auch Mittelfranken stärker thematisiert, soll nun also eine weitere Strophe her. Worum es darin gehen soll? „Zum einen über die Kultur oder die Landschaft, vielleicht auch um Personen, Wirtschaft oder die Industrie“, sagt Bezirkstagspräsident Förster. „Schnell gedacht wäre es die gute mittelfränkische Bratwurst – egal ob’s die Ansbacher oder die Nürnberger wär‘.“ Aber auch Landschaften, die Mittelfranken prägen, wie Streuobst in Burgbernheim oder der Hesselberg als höchste Erhebung, könnten in der Strophe aufgegriffen werden, so Förster.
Einsendeschluss für Vorschläge ist der 31. Januar 2026. Bis März prüfen Heimatpfleger und Kulturbeauftragte des Bezirks die Einsendungen. Am 5. Juli soll die neue Strophe beim Festakt zum „Tag der Franken“ in Treuchtlingen erstmals veröffentlicht werden.

