So wie Clara Weimer ging es schon hunderten Seglern in den letzten Jahren vor der iberischen Halbinsel. Nicht alle waren so gefasst wie Clara Weimer. Auch Achim Szimanski erwischt es, er ist ganz allein auf seinem Boot, als die Orcas schon mit dem ersten Schlag sein Ruder abbrechen. Er wirft Matratzen, Decken und Fender über Board, um die Orcas abzulenken. Nichts hilft, Achim erinnert sich an Todesängste, bis die Orcas wieder von allein abzogen.
Noch mehr Interesse an den iberischen Orcas seit Beginn der Vorfälle
Das mysteriöse Verhalten der iberischen Orcas ist Dauerthema, vor allem in Südspanien, wo die meisten Angriffe, oder „Interaktionen“ passieren. So neutral formulieren es Wissenschaftler und Behörden vor Ort, um nicht das Image vom „Killerwal“ zu befeuern.
Nach dem Corona-Lockdown werden im Sommer 2020 zum ersten Mal solche Interaktionen bekannt, seitdem ist das Interesse an den iberischen Orcas noch gewachsen. Vor Ort beschäftigen sich ganz unterschiedliche Gruppen mit den Walen: die Fischer, die sich mit den Walen den Thunfisch teilen, und die zahlreichen Whalewatching-Anbieter, auch vermehrt Wissenschaftler, die das Problem lösen wollen, aber auch Tierschützer, die sich für die Orcas einsetzen wollen. Und nicht zuletzt Boote, die Segler warnen, wenn sie ins Orca-Gebiet fahren.
Kein ungewöhnliches Verhalten für Raubtiere
Was genau diese eine Gruppe der iberischen Orcas antreibt, regelmäßig Boote zu attackieren, dafür gibt es keine ganz eindeutige Erklärung. Aber eine Tendenz: Orcas sind Raubtiere und die „müssen neugierig sein, sonst würden sie nie überleben,“ sagt die Biologin Heike Vester, die seit über zwanzig Jahren Orcas erforscht. Dass sie es nicht auf Motor- sondern auf Segelboote abgesehen haben, überrascht sie nicht: „Das sind nicht die schnellsten und die lautesten,“ so könnten die Tiere diese Boote besser untersuchen: „Und dann kann es schon mal sein, dass sie vielleicht da auch dieses Ruder entdeckt haben“, das sie leicht abbrechen können. Vester deutet die Vorfälle deshalb als eine Mischung aus Jagdinstinkt, Neugier und Spieltrieb.
Segler können sich nur bedingt wehren
Weil die Orcas aber immer weitermachen, reißt die Diskussion nicht ab, wie sich Segler schützen können. Nahe der Küste in seichteren Gewässern zu fahren, ist ein Rat. Tierschützer berichten von Seglern, die Sprengsätze auf die Orcas geworfen haben – eine große Gefahr für die geräuschempfindlichen Wale, die ohne ihr Gehör nicht überleben können. Eine portugiesische Werft hat eine Zulassung für ein Ruder mit Messerklingen beantragt. Einige Segler setzen auf ein Akustiksystem, das die Wale durch für sie unangenehme Laute fernhalten sollen.

