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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Herzschmerz ist nicht mein Ding“: Howard Carpendale wird 80
Kultur

„Herzschmerz ist nicht mein Ding“: Howard Carpendale wird 80

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 19. Januar 2026 15:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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„Schlager ist ein sehr dehnbarer Begriff. Wenn ich heute Leute frage, bitte erklärt mir, was ist für euch ein Schlager, habe ich noch niemanden gefunden, der eine vernünftige Antwort gab“, so Howard Carpendale vor einigen Jahren in einem Gespräch mit dem BR. Ja, was ist das eigentlich – ein Schlager? Das Rätsel wurde demnach noch nicht wirklich gelöst, da hat Carpendale schon recht. Klar, er ist ein Schlagerstar, und zwar seit Jahrzehnten, was immer mit diesem Berufsbild auch gemeint sein mag.

Inhaltsübersicht
„Das ist das Geheimnis meiner Karriere“„Das gibt es heute überhaupt nicht mehr“„Es ist anders als in Amerika“Mit „Zugaben“ auf Abschiedstour

Wer verbindet ihn schon mit den Sportarten Rugby und Kugelstoßen, die ihn in seiner Jugend viel mehr begeisterten als die Musik? „Ich bin eigentlich von der Mentalität her weitaus mehr ein Sportler als ein Künstler“, so Carpendale: „Deswegen habe ich sehr oft über mich selbst ein bisschen gegrinst und mir gesagt, ist doch schön, aber nehme diese Begeisterung um Gottes Willen nicht allzu ernst, freue dich einfach drüber.“

„Das ist das Geheimnis meiner Karriere“

Jetzt, mit 80, geht Carpendale auf Abschiedstour, macht im März auch in Nürnberg und München Station und wird sich dabei noch einmal an seinem eigenen Anspruch messen lassen müssen, seine Texte sorgsamer auszuwählen als mancher Kollege.

Er will in jeder Hinsicht „erwachsene“ Songs präsentieren: „Sie werden von mir selten ‚Paradies‘ oder ‚Herzschmerz‘ hören. Das ist nicht mein Ding. Ich möchte aber trotzdem die Leute nicht überfordern mit Themen, die zu politisch sind. Ich bin ein sehr politischer Mensch, aber ich bin auch ein Mensch, der am liebsten Emotionen verkauft und deswegen versuche ich nicht, irgendwelche Lösungen oder irgendwelche Warnungen anzubieten, sondern, egal welches Thema, es soll einen emotionalen Appeal haben und ich glaube, das ist das Geheimnis meiner langen Karriere, ehrlich gesagt.“

„Das gibt es heute überhaupt nicht mehr“

Begonnen hatte die Karriere des gebürtigen Südafrikaners in Deutschland Mitte der 1960er Jahre zunächst eher zögerlich, bis er den ersten ganz großen Hit landete, dessen Text heutzutage wohl mit einem Warnhinweis versehen werden müsste, so anzüglich, wie er inzwischen klingt („Vom Katalog aus dem Versandhaus/Möcht‘ ich das Mädchen von Seite 1“), aber 1970 nahm man das bekanntlich nicht so genau: „Es gab direkt von Anfang an mittelmäßige Hits, bis ‚Das schöne Mädchen von Seite 1‘ kam und damit brach die Hölle los, mit diesem Erfolg“, so Carpendale: „Die Single wurde 80.000 Mal am Tag verkauft, das gibt es heute überhaupt nicht mehr.“

„Es ist anders als in Amerika“

Carpendale versteht sich seit seinen allerersten Show-Einlagen in einem südafrikanischen Hotel als Entertainer, der seinem Publikum mehr bieten will als nur leicht konsumierbare Musik. Er legt Wert auf Kommunikation mit seinen Fans, erzählt gern Anekdoten, macht Witze: „In Deutschland wird die Unterhaltungsbranche nicht so ernst genommen, wie ich es gerne hätte“, klagt der Sänger und bekennende Elvis-Presley-Fan: „Es ist anders als in Amerika und wenn man hier über Image redet und so weiter, da wird man sehr oft komisch angeguckt.“

Mit „Zugaben“ auf Abschiedstour

1977 nahm Carpendale mit „Johannesburg“ einen Song auf, in dem er das südafrikanische „Apartheids“-Regime kritisierte, dessen beschämende und gewalttätige Rassentrennungspolitik erst 1994 endete („Ich war dort daheim. Doch heut‘ möcht‘ ich dort nicht mehr sein!“). Den Entwicklungsweg seines Geburtslandes seitdem hält der Sänger angesichts von Armut und Kriminalität nicht durchweg für eine Erfolgsgeschichte: „Es tut mir sehr weh, wenn ich sehe, dass Südafrika damals eine Chance hatte, beispielhaft für die Welt zu werden. Das haben wir leider nicht geschafft.“

An seinem heutigen 80. Geburtstag wird Carpendale in einem Münchner Restaurant mit der Familie feiern und danach, wie er es nennt, mit musikalischen „Zugaben“ weiter auf Abschiedstour gehen. Aber Zugaben seien ja vergleichsweise einfach.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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