Seit Mittwochmittag ist es offiziell: Der Münchner Tierpark Hellabrunn bekommt zwei Große Pandas. Die brauchen aber erst noch ein neues Gehege. Das wird dort gebaut, wo derzeit noch die Paviane sowie die Lamas und Alpakas leben. Während die Huftiere nur innerhalb des Geländes umziehen, sind die Paviane bald ganz weg.
Paviane kommen in anderen Zoo
Wohl schon im nächsten halben Jahr werden die 23 Mantelpaviane München verlassen. Eine Sprecherin sagte, man sei im Gespräch mit zwei Zoos. Diese habe das Europäische Erhaltungszuchtprogramm empfohlen, das Tiertransfers zwischen Zoos koordiniert. Schon deshalb sollte kein ähnliches Problem wie vergangenes Jahr in Nürnberg entstehen. Dort waren zwölf Paviane getötet worden, weil die Population zu groß geworden war und keine Abnehmer zu finden waren. Es hatte sich um Guinea-Paviane gehandelt.
In München sind es dagegen Mantelpaviane, und für sie zeichnet sich offenbar bereits eine Lösung ab. Dass sie überhaupt gehen müssen, soll nicht unbedingt mit den Pandas zusammenhängen. Man habe ohnehin vorgehabt, sich von ihnen zu trennen, sagt die Sprecherin. Denn in Hellabrunn soll das „Geozoo“-Konzept (externer Link) wieder stringent verfolgt werden. Tiere sollen streng nach Kontinenten geordnet leben. Paviane stammen aus Afrika, sind aber aktuell in der Geozone Asien untergebracht.
5.000 Quadratmeter für zwei Pandas
Das neue Panda-Gehege ist dort freilich geologisch an der richtigen Stelle. Geplant ist eine rund 5.000 Quadratmeter große Anlage mit Bambusflächen, Wasserzonen und Rückzugsbereichen. 18 Millionen Euro lässt sich der Freistaat Bayern das kosten. Man werde den Pandas ein Zuhause bieten, das höchsten internationalen Standards entspreche, verspricht Tierparkdirektor Rasem Baban. Die Betreuer sollen mit chinesischen Experten zusammenarbeiten.
40 Kilogramm Bambusfutter und „Panda-Kuchen“
Bisher gibt es außerhalb Chinas nur in 19 Städten Zoos mit Großen Pandas. Die Erfahrungen dort zeigen: Große Pandas sind echte Besuchermagnete. Auch in Hellabrunn geht man davon aus, dass die Zahl von derzeit rund zwei Millionen Besuchern im Jahr steigen wird. Die höheren Einnahmen sollen nicht zuletzt das Futter mitfinanzieren: Immerhin frisst ein Großer Panda bis zu 40 Kilogramm Bambus am Tag, dazu Obst und Gemüse sowie einen speziellen „Panda-Kuchen“, der alle nötigen Nährstoffe enthält.
„Panda-Diplomatie“ zwischen China und Bayern
Offenes Geheimnis ist, dass die Pandas auch politische Instrumente sind. Stichwort: Panda-Diplomatie. Der chinesische Botschafter Deng Hongbo bezeichnete den Panda-Vertrag als einen Ausdruck des Wunsches, die Beziehungen zu Bayern zu vertiefen. Pandas seien in China ein nationaler Schatz, ein Zeichen der Freundschaft und ein Symbol des Friedens, sagte er.
Die Tiere sind keine Geschenke, sondern werden gegen hohe Gebühren verliehen. Für China hat das neben den konkreten Einnahmen einen weiteren Vorteil: Kommt es zu diplomatischen Spannungen, zögert Peking nicht, seine Pandas einfach wieder zurückzuholen.
„Leihgebühr“ soll beim Artenschutz helfen
Über die Höhe der Artenschutzabgabe, die China für die Leihgabe verlangt, wurde zwar Stillschweigen vereinbart. Aber man weiß, dass in bisherigen Fällen eine Million Euro pro Jahr durchaus üblich war. Dem Vernehmen nach wollen der Freistaat und die Stadt München als Trägerin des Tierparks gemeinsam dafür aufkommen. Laut Tierpark Hellabrunn wird der Artenschutzbeitrag für die Erhaltungszucht- und Schutzprogramme der bedrohten Großen Pandas in China verwendet. Auch die Haltung in München sei „Teil eines internationalen Artenschutzprogramms in enger Kooperation mit dem „China Conservation and Research Center for the Giant Panda“ (CCRCGP) in Chengdu.
Kritik von Tierschützern
Kritik kommt unterdessen von der Organisation Pro Wildlife. „Die Haltung und Zucht von Pandas in westlichen Zoos ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein finanzielles und politisches Geschäft auf dem Rücken der Tiere“, so die Organisation. Pandas würden in China seit Jahrzehnten in Zuchtstationen „wie am Fließband produziert“. Diese Massenzucht trage nicht zum Erhalt der wildlebenden Population bei, zumal kaum Tiere ausgewildert würden.

