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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Chronik eines angekündigten Todes: „Die Stimme von Hind Rajab“
Kultur

Chronik eines angekündigten Todes: „Die Stimme von Hind Rajab“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 23. Januar 2026 16:50
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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29. Januar 2024: Einsatzzentrale des Roten Halbmonds im Westjordanland. Omar, einer der Mitarbeiter, der die Anrufe entgegennimmt, versucht am Telefon den Namen eines fünfjährigen Kindes herauszufinden, das in einem vom israelischen Militär zerschossenen Auto eingeschlossen um Hilfe fleht.

Inhaltsübersicht
Ein authentischer Telefonkontakt mit Hind RajabChronik eines angekündigten TodesEin gekonnt minimalistisch konstruierter Film

„Ein Kind um sein Leben betteln zu hören, das vergisst man nicht so leicht! Ihre Stimme hat mich verfolgt. Aus Wut, Ohnmacht und Traurigkeit ist die Idee zu diesem Film entstanden, um wenigstens etwas zu tun und um Hind ihre Stimme zurückzugeben.“ Kaouther Ben Hania, Regisseurin

Das Dokudrama „Die Stimme von Hind Rajab“ wurde mit palästinensischen Schauspielern nachgestellten und wie ein fiktionales, 90- minütiges Kammerspiel aufgebaut. Inhalt ist der unabhängig dokumentierte Fall des Todes von Hind Rajab und seiner flüchtenden Familie.

Ein authentischer Telefonkontakt mit Hind Rajab

Omar vom Roten Halbmond und eine Kollegin versuchen von dem völlig verstörten, einsilbig antwortenden Kind, das zwischen toten Familienangehörigen im Auto sitzt, seinen Standort zu erfragen und es gleichzeitig zu beruhigen. Immer wieder hört man Schüsse, bricht der Telefonkontakt ab – während man im Hintergrund fieberhaft nach Möglichkeiten sucht, zu helfen.

Ein Rettungswagen des Roten Halbmonds wäre nur wenige Minuten von dem Mädchen entfernt – doch ohne die erteilte Sicherheitsfreigabe des israelischen Militärs kann die Leitstelle diesen nicht auf den gefährlichen Weg lotsen. Es könnte das Leben ihrer Mitarbeiter kosten.

Der Leiter der Einsatzzentrale, der von dem verzweifelten Omar der Untätigkeit und damit Mitschuld am möglichen Tod des Mädchens bezichtigt wird, verweist auf die bereits bei derartigen Einsätzen gestorbenen Kollegen: Auf einem Plakat werden sie als Märtyrer betitelt.

Chronik eines angekündigten Todes

Schließlich kann doch ein Rettungswagen losgeschickt werden. Er wird beschossen, die Sanitäter sterben – wie letztlich auch Hind Rajab. Am Ende des Films werden in einer Coda die authentischen Fernsehbilder der beiden zerstörten Fahrzeuge in der surrealen Trümmerlandschaft gezeigt.

Diese Chronik eines angekündigten Todes ist grausam, real und gekonnt suggestiv zugleich. Sie blendet dabei den politischen Kontext, den Überfall der Hamas und die schrecklichen Morde des 7. Oktober völlig aus, was dem Film den Vorwurf der Einseitigkeit und propalästinensischen Propaganda einbrachte.

Dem entgegnet die Regisseurin Kaouther Ben Hania: „Propaganda ist ein Instrument der Mächtigen. Sie nutzen Propaganda, um ihre Macht zu legitimieren. Welche Macht hatte denn Hind Rajab? Sie hatte keine. Mir geht es darum, Kino zu einem Ort der Empathie und der gemeinsamen Menschlichkeit zu machen.“

Ein gekonnt minimalistisch konstruierter Film

Dieser dramaturgisch gekonnt minimalistisch konstruierte Film zielt ohne Umweg über den Kopf auf das Herz, ist implizit absolut parteiisch, ohne jedoch plattes Betroffenheitskino zu sein. Er entwickelt eine manipulative Wucht, die einen wütend wie tief betroffen zugleich werden lässt. Es ist die zwingende, auswegslose Fokusierung auf das Leid, auf das einzelne Schicksal, das Kritiker aber auch polemisch von der „Hollywoodisierung des Mitgefühls“ sprechen ließ.

Das Kino als Agitationsraum – im Dilemma zwischen Ideologie, Ästhetik sowie Trivialisierung. Doch: Für Opfer kann man final nur Mitleid haben – auf allen Seiten, meint die Regisseurin. Ihr Film soll etwas bewirken: „Dieser Film handelt von Ohnmacht. Das Gefühl, das ich hatte, als ich Hinds Stimme hörte, wollte ich an das Publikum weitergeben. Aber ich wünsche mir, dass niemand in dieser Ohnmacht verharrt, sondern ins Handeln kommt. Ich habe diesen Film gemacht – aber jeder kann etwas tun, um Teil von Veränderung zu sein.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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