Gerade lauern ihre Fans – die Swifties –, ob ihr Idol wirklich, wie schon lange vermutet, in wenigen Tagen (kolportiert ist der 3. Juli) ihren Verlobten heiratet, den Football-Spieler Travis Kelce. Falls ja, wird eine Märchenhochzeit im Stile von Prinz Charles und Lady Di erwartet. Mindestens.
Warum wurde Swift zum Superstar?
Taylor Swift ist längst zu einem Mythos geworden – das macht auch der Untertitel der Dokuserie „The Taylor Swift Years“ deutlich: Schicksalsjahre eines Superstars. Ähnlichkeiten mit einem Film über die legendäre Kaiserin Sisi sind nicht zufällig. Denn längst ist auch die US-Sängerin eine übermenschliche Projektionsfläche.
Wie wurde aus dem Country-Girl Taylor der Megastar Taylor Swift? Aus dem American Sweetheart der globale Superstar? Swift-Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Ländern und Fachgebieten helfen, diese Frage zu beantworten. Sie erklären das Phänomen Taylor Swift in all seinen Facetten. Darunter die Autorin und Produzentin Janina Rook, die feststellt: „Sie ist die erste Milliardärin, die wirklich mit Musik ihre Milliarden gemacht hat.“
Aber auch der Kulturwissenschaftler Jörn Glasenapp – mit seiner Einschätzung, dass Swift „kein Mozart“ und „auch kein Michael Jackson“ gewesen sei. „Sie ist kein Wunderkind. Das zeigt vielleicht auch die Durchsetzungsfähigkeit Taylor Swifts, die wir jetzt immer wieder erleben.“
Beharrlichkeit und Fleiß
Swift besticht vor allem durch Fleiß und Unbeirrbarkeit: Schon als kleines Kind hat Taylor Swift Musik gemacht, vor allem Country. Als Elfjährige versucht sie auf eigene Faust, einen Plattenvertrag in der Country-Hochburg Nashville zu ergattern. Die ganze Familie zieht schließlich sogar dorthin, um Taylor zu unterstützen.
„Taylor erzählt oft, dass sie zum Gitarrenunterricht ging und auf einer Kindergitarre spielen sollte, weil ihre kleinen Finger eine große Gitarre nicht packen würden“, erzählt die Kulturjournalistin und Podcasterin Zing Tsjeng. „Und dass sie zu Hause so lange mit einer großen Gitarre übte, bis ihre Finger bluteten und sie damit umgehen konnte.“
Mit 15 dann der erste Lohn für Taylors Mühen: ein Vertrag mit einem Plattenlabel. Seitdem geht es steil bergauf für die 1989 geborene Musikerin.
Taylors Kampf für die Kunst
Wobei es in ihrem Aufstieg immer wieder Momente gab, die sie hätten ausbremsen oder sogar scheitern lassen können. Auch das spart die dreiteilige Dokureihe nicht aus. Zum Beispiel die Auseinandersetzung mit ihrem ersten Plattenboss, die schließlich dazu führte, dass sie ihre ersten Alben neu einspielte, um die Rechte an den Originalaufnahmen zu sichern. Ein Akt der künstlerischen Selbstermächtigung, der bis dahin nicht vorgesehen war im profitorientierten Popbusiness.
Taylor Swift lädt ihren Kampf moralisch auf: Hier geht es um Kunst. Und Kunst hat einen Wert. „Ich habe meine Musik immer selbst geschrieben, meine eigenen Entscheidungen getroffen, alles kuratiert“, so Taylor Swift in einem Interview mit der BBC von 2019 in der Doku-Reihe. „Aber die Tatsache, dass ich mein Werk jetzt ganz besitze, übertrifft alles.“
Auch kritische Fragen
Die Doku-Reihe ist keine reine Huldigung Taylor Swifts. Vielmehr zeichnet sie ein differenziertes Bild der Sängerin. Dabei wird auch ihre Rolle im letzten US-amerikanischen Wahlkampf nicht ausgespart, in dem sie mal auffällig schweigsam war, mal Donald Trump öffentlich kritisierte. Es wird auch an den grauenhaften Angriff auf Kinder während eines Taylor-Swift-Tanzworkshops erinnert und daran, dass ihre Shows trotzdem immer weitergehen mussten. Solange, bis islamistische Anschlagspläne Konzerte während der Eras-Tour unmöglich machten.
Dass die anstehende Traumhochzeit mit Footballer Travis Kelce natürlich auch einen Marketingzweck verfolgt, wird ebenso deutlich. Diese Verlobungsankündigung war der perfekte Marketing Move zur richtigen Zeit. Taylor Swift hat gerade ihr Album angekündigt und Travis Kelce hat auch gerade eine große Kooperation. Bei all dem kommen die Swifties ohnehin auf ihre Kosten. Alle anderen verstehen nach den insgesamt knapp anderthalb Stunden Videomaterial vielleicht ein wenig besser, warum ausgerechnet Taylor Swift der größte Popstar unserer Zeit ist.

