Sommer sind reich an Wetterphänomenen: Mal gibt es Sonne satt bei blauem Himmel, im nächsten Moment heftige Gewitter mit Sturmböen, Regen und Hagel. Immer wieder entstehen dadurch beträchtliche Schäden. Manchmal allerdings bietet das Wetter auch einfach nur was fürs Auge. So geschehen am Mittwoch, den 1. Juli am Bodensee. Da entwickelte sich eine spektakuläre Wasserhose über dem See und hielt sich dort eine Viertelstunde lang, Viele Menschen konnten sie aus gebührender Entfernung bewundern. Gerade einmal drei Wochen zuvor hatte es am Nachmittag des 10. Juni bereits ein ähnliches Phänomen gegeben.
Tornados saugen Umgebungsluft an
Der Bodensee ist einer der Hotspots in Mitteleuropa für solch spektakuläre Wetterphänomene, ebenso die Küstenbereiche von Nord- und Ostsee. Die Anordnung von Land und Wasser führt dazu, dass sich dort immer wieder Wasserhosen bilden und dann ihre Runden drehen.
Definitionsgemäß gehören Wasserhosen zu den Tornados. Damit sie entstehen können, genügt eine Schauer- oder Gewitterwolke, die sich über dem See- oder Küstenbereich entwickelt oder heranzieht. Sind die Winde im Bereich dieser Wolke schwach oder kommen aus unterschiedlichen Richtungen, dann saugt der Aufwind in der Wolke die Umgebungsluft quasi an, und es entsteht ein Wirbel. Dieser Wirbel ist dann als Wolkenschlauch sichtbar. Bleibt dieser Schlauch auf See, heißt er Wasserhose, über Land wird er als „Landhose“ bezeichnet. Der volkstümlich verwendete Begriff „Windhose“ umfasst hingegen unterschiedslos viele Windereignisse, von einem echten Tornado über eine Wasserhose bis hin zu anders entstehenden sogenannten Downbursts.
Temperaturunterschiede begünstigen Entstehung
Über einer glatten Wasseroberfläche kann sich ein solcher Wirbel deutlich besser entwickeln als über dem benachbarten Land. Denn die Reibung über der „rauen“ Landoberfläche stört diese Entwicklung. Daher sind Seegebiete bevorzugte Entstehungsregionen solcher Wirbel, der Bodensee mit seiner ausreichend großen Wasserfläche bietet damit ideale Wasserhosen-Bedingungen. Die meisten dieser Gesellen entstehen übrigens dann, wenn der Unterschied zwischen warmer Seeoberfläche und kälterer Luft darüber besonders groß ist. Das ist hauptsächlich später im Sommer der Fall. Daher treten Wasserhosen über dem Bodensee am häufigsten im September auf.
Schäden, wenn Tornados an Land ziehen
Die Windgeschwindigkeiten in Wasserhosen sind zwar nicht ganz so hoch wie in ihren großen „Geschwistern“, den „richtigen“ Tornados, doch können die Spitzenböen auch locker 200 km/h überschreiten. Daher sind stellenweise Schäden möglich, wenn eine solche Wasserhose auf Land trifft, oder wenn ein kleines Schiff in ihren Bereich gerät. Solche Fälle sind hauptsächlich aus der Karibik und von der Küste Floridas bekannt, wo Wasserhosen fast zum Alltag gehören.
In diesem Jahr waren die Temperaturen in Deutschland bereits Ende Juni sehr hoch. Der Bodensee hat sich dementsprechend ordentlich erwärmt. Möglicherweise war es daher nicht die letzte spektakuläre Wasserhose, die Anwohner und Urlauber dort in diesem Jahr erleben durften.

