Bereits Stunden vor Konzertbeginn tauschen die Fans der koreanischen Band BTS untereinander in der Münchner Innenstadt oder direkt vor der Allianz Arena „Freebies“ aus, also selbstgemachte Geschenke von Fans für Fans. Sticker, Fotokarten mit Bildern der Bandmitglieder oder – wie im Falle von Fan Ina aus Ulm – kleine Schlüsselanhänger.
Mehrere Tage hat sich Ina mit ihren Freebies beschäftigt, die Perlen aufgefädelt und zusammengeknotet. Am Samstag steht sie auf dem Platz vor der Allianz Arena und verteilt sie, obwohl sie selbst eigentlich erst für das Konzert am Sonntagabend ein Ticket hat.
BTS ist Community-Liebe
Für viele, die dieses Wochenende nach München angereist sind, um dort die einzigen Deutschland-Konzerte von BTS zu erleben, geht es nicht nur um die Auftritte der sieben Musiker aus Seoul. Es ist auch ein großes Treffen der „BTS-ARMY“, wie sich die Fans selbst nennen. Einer Community, deren Verbindung weit über die gemeinsame Liebe zur Musik von BTS hinausgeht. „Egal wer du bist, du bist ein Teil von uns“, lautet die Devise.
Und deswegen darf bei BTS auch jeder so sein, wie er will. Das spiegelt sich auch in den Outfits der ARMYs wider. Kein Einheitslook, stattdessen Matrosenoutfits in Anlehnung an den Song „Swim“, Outfits in Rot-Weiß, den Farben des neuen Albums „Arirang“, oder einfach in Lila – der Farbe, die die Liebe zwischen BTS und ihren Fans symbolisiert.
„München, Servus!“
Und trotzdem dann, pünktlich um 20 Uhr und direkt ohne Vorband, das Highlight inmitten der Allianz Arena: RM, Jin, Suga, J-Hope, Jimin, V und Jung Kook stürmen auf die 360°-Bühne und beginnen ihre Show. Vier Jahre lang hatten sie eine Pause eingelegt, weil sie in ihrem Heimatland Südkorea unter anderem Militärdienst leisten mussten. Jetzt standen sie wieder vereint auf der Bühne.
Knapp zwei Stunden erleben die Fans Choreografie, Gesang, Rap und eine ausgeklügelte Licht- und Feuershow, bei der jeder Tanzschritt und jeder Blick in die Menge und Kamera sitzt. Die Bandmitglieder nutzen die riesige Bühne und laufen auf den vier Stegen, die von der Hauptbühne abgehen, auf und ab, um den Fans aus jedem Winkel nah zu sein. Einmal laufen sie sogar direkt durch den Zuschauerraum, alles übertragen auf zwölf riesigen Bildschirmen, die über der Bühne schweben.
Die ganze Show wirkt wie ein einziges, hochwertig produziertes Musikvideo. Die Fans sind begeistert. Auch, weil sich die Bandmitglieder mit München als Konzertlocation beschäftigt haben. Zwischen den Songs rufen sie „München, Servus“ und „Wir lieben euch“ in die Menge, erzählen, wie sie unbedingt mal eine Schweinshaxe essen müssen, und überraschen nach einem Outfitwechsel mit roten FC Bayern-Trikots.
Setlist aus neuen Titeln und Radiolieblingen
BTS performen viele Titel aus ihrem Comeback-Album „Arirang“, das sie nach einem berühmten koreanischen Volkslied benannt haben. Aber auch auf ihre bekanntesten Hits wie „Butter“ und „Dynamite“, die schon in Deutschland im Radio liefen, durften sich die 70.000 Menschen freuen.
Beim Konzert selbst spielen die Fans auch weiterhin eine große Rolle. Tausende halten sogenannte „Army Bombs“ hoch: Stäbe mit einer großen LED-Leuchtkugel, die ihre Farben zu den Songs wechseln können. Die Fans verwandeln damit die Münchner Allianz Arena in ein großes, leuchtendes Lichtermeer.
Emotionaler Abschluss
Als die Band dann das letzte Lied „Into the Sun“ spielt, sieht man leuchtende Augen, freudige Gesichter, aber auch Tränen. Es war ein emotionaler Abend für die BTS-Fans und „ARMY“, an dem sie ihre Liebe zu ihren Idolen, aber auch sich als riesigen Freundeskreis feiern konnten.

