Sophia (29) weiß vorher nie, welcher Notfall genau sie am Einsatzort erwartet. Die Leitstelle in Nürnberg liefert meist nur entscheidende Stichwörter: Kreislaufzusammenbruch, Krampfanfall, Allergieschock. Sophia muss auf alles vorbereitet sein. Der Job als Notfallsanitäterin zehrt an den Kräften. „Die Belastung im Rettungsdienst ist definitiv gestiegen. Ich habe selbst schon mit ersten körperlichen Einschränkungen zu kämpfen“, erzählt die 29-Jährige.
Rettungswagen statt Hörsaal
Sophia engagiert sich schon seit dem Abitur im Rettungsdienst: Sie hat den Bundesfreiwilligendienst im Rettungsdienst gemacht und parallel dazu die Rettungssanitäter-Ausbildung abgeschlossen. Später entschied sie sich für die Ausbildung zur Notfallsanitäterin. 2023 hat sie ein Medizinstudium begonnen.
Ihre Motivation dahinter: Immer wieder kommt sie als Notfallsanitäterin in die Situation, dass sie bei der Versorgung von Patienten auf den Notarzt angewiesen ist und ihr selbst die Hände gebunden sind. Das wollte sie ändern, merkte jedoch nach zwei Jahren, dass das Medizinstudium nicht das Richtige für sie war. Sophia gefällt es, mittendrin zu sein: „Notfallmedizin ist mein Ding“, sagt sie.
Rettungs- oder Notfallsanitäter?
Notfallsanitäter und Rettungssanitäter werden oft verwechselt, unterscheiden sich aber deutlich: Die Ausbildung zur Notfallsanitäterin dauert drei Jahre und endet mit einem Staatsexamen. Es ist die höchste nicht-ärztliche Qualifikation im Rettungsdienst. Der Rettungssanitäter hingegen wird in nur drei Monaten ausgebildet. Notfallsanitäter haben umfassende Befugnisse und leisten eigenständig medizinische Soforthilfe – das ist besonders wichtig auf dem Land, wo Notärzte oft länger brauchen.
Wie wird der Rettungsdienst in Bayern finanziert?
Die Kosten für die Einsatzbereitschaft des Rettungsdienstes übernehmen die Sozialversicherungsträger – unabhängig von der tatsächlichen Zahl der Einsätze. Als öffentlich-rechtliche Organisation ist das Bayerische Rote Kreuz gesetzlich zu Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verpflichtet. Das kontrollieren regelmäßig externe Wirtschaftsprüfer und der Bayerische Oberste Rechnungshof.
Das neue Sparpaket im Gesundheitswesen deckelt die Vergütung pauschal. Damit drohen Finanzierungslücken und eine spürbar schlechtere Versorgung.
Was verdient eine Notfallsanitäterin?
Sophia verdient nach Tarif monatlich ein Grundgehalt in Höhe von 3.993 Euro. Dazu kommt eine Zulage von 120 Euro monatlich für ihre Tätigkeit als Hygienebeauftragte. Für Nacht- und Feiertagseinsätze bekommt sie Schichtzulagen, im Juni waren das 513 Euro. In einem typischen Monat kommt Sophia so auf etwa 4.600 Euro brutto und rund 3.100 Euro netto. Zum Vergleich: Im Median verdienen Notfallsanitäter laut Bundesagentur für Arbeit (externer Link) 4.447 Euro brutto im Monat.
„Mein Beruf lohnt sich auf alle Fälle. Es ist der schönste Job der Welt, mit all seinen Vor- und Nachteilen.“ Mit ihrem Gehalt ist Sophia grundsätzlich zufrieden. Dennoch findet sie: Gemessen an der enormen Verantwortung und den extremen Situationen, denen sie und ihre Kollegen täglich ausgesetzt sind, ist die Bezahlung eigentlich zu gering. Ihren Schichtdienst möchte sie nicht für immer weitermachen, denn sie findet diesen schwer vereinbar mit der Familie.

