Etwa 10.000 humanoide Roboter sollen 2025 weltweit verkauft worden sein, die meisten an Forschungsinstitute. Nach einer rosigen Zukunft klingt das nicht. Doch genau die soll den Humanoiden in den nächsten Jahren bevorstehen. Für 2034 schätzen Experten den weltweiten Markt bereits auf 150 Milliarden Dollar. Für 2050 gehen sie von einem Volumen bis zum Zweifachen des derzeitigen Automarkts aus.
Deutschland hat alles, was es für eine Humanoiden-Produktion braucht
Auch wenn der größte Marktanteil bei den Humanoiden wohl an China geht – auch Deutschland könnte sich als Hersteller etablieren. „Wir haben alles im Land, was wir brauchen“, sagt Alois Knoll, Professor für Robotik, Künstliche Intelligenz und Echtzeitsysteme an der TU München: „Einen leistungsfähigen Maschinenbau, eine exzellente Mechatronik, Hardware-nahe Programmierung und brillante Optik-Unternehmen.“ Auch den Um- und Aufbau komplett neuer Fabriken und Fertigungsanlagen könnten deutsche Unternehmen stemmen.
Für die schwächelnde deutsche Automobilwirtschaft könnten die Humanoiden eine Chance sein. Möglicherweise entsteht sogar eine neue Leitindustrie. Erste Kooperationen gibt es bereits. Der Autozulieferer Bosch gab im August bekannt, dass er ab 2027 im Werk in Bühl einen Humanoiden des britischen Start-ups Humanoid in Serie produzieren will. Der Prototyp hatte zuverlässig verschieden große Kartons in die passenden Transportwagen verteilt und sich dabei sicher durch eine sich verändernde Umgebung manövriert. Auch Schaeffler, SAP und Siemens kooperieren mit den Briten.
Deutsche Start-ups treiben die Entwicklung voran
Auch deutsche Robotik-Startups treiben die Entwicklung voran. Dabei decken sie zentrale Bereiche der Roboterentwicklung und -produktion ab. Das Münchner Unternehmen Agile Robots, das ebenfalls mit Bosch kooperiert, hat sich beispielsweise auf die technisch besonders anspruchsvollen Roboterhände spezialisiert. Dabei setzt das Unternehmen auf ein System von modularen Fingern, die je nach Bedarf eingesetzt werden können. Winzige Motoren machen die Gelenke beweglich.
Ein anderes schwieriges Feld beackert das Unternehmen Neura Robotics aus Metzingen. Weil Humanoide nicht wie Large-Language-Modelle mit Daten aus dem Internet trainiert werden können, müssen für ihre Produktion unzählige Trainingsdaten selbst generiert werden. Neura Robotics will deshalb eine Art Internet für Humanoiden-Trainingsdaten schaffen. Unternehmen und Forschungsinstitute, die sich daran beteiligen, sollen ihre Daten zur Nutzung hochladen und als Gegenleistung auf die Daten der anderen zugreifen können. Auf diese Weise ließe sich die Humanoiden-Entwicklung exponentiell beschleunigen und die Humanoiden könnten sich sogar mithilfe von KI selbst trainieren.
Kooperationen als Schlüssel zum Erfolg
Mit einer eingeworbenen Rekord-Investitionssumme von 1,4 Milliarden Euro könnte Neura Robotics seine Pläne tatsächlich bald umsetzen. Wichtige Partner aus Industrie, Logistik und Forschung haben dem Start-up bereits zugesagt. Außerdem investiert das Unternehmen Geld in einen weiteren großen Roboter-Trainingspark in Deutschland. Ende des Jahres soll er auf dem Campus der RWTH Aachen eröffnet werden – als größter Humanoiden-Trainingspark weltweit.
In letzter Zeit klopfen zudem immer mehr Fach- und Führungskräfte aus der Auto- und Autozuliefererindustrie bei dem Start-up an. 1.500 Mitarbeitende soll Neura Robotics mittlerweile haben. Bei Agile Robots sind es nach eigenen Angaben 3.500. Das Münchner Unternehmen trat auch bereits als Käufer auf. Im September 2025 übernahm es ein Spin-off der BMW-Group. Auch bei dem bayrischen Unternehmen BÄR Automation stieg Agile Robots mit einer Mehrheitsbeteiligung ein.
Die größte Aufgabe steht noch bevor
Ob das reicht, um in Deutschland wirklich eine konkurrenzfähige Humanoiden-Industrie auf die Beine zu stellen, ist trotzdem noch offen. Zwar sind alle Kompetenzen für Entwicklung, Produktion und den Bau von Fabriken vorhanden, „sie müssen aber auch genutzt werden“, sagt Alois Knoll. Die alles entscheidende Frage ist aus seiner Sicht, wie es um den Willen und den Mut vor allem der großen Unternehmen der Politik steht. Ziehen alle an einem Strang, bestehen gute Chancen, auf dem lukrativen Markt für humanoide Roboter mitzumischen. Lassen sie die Chance verstreichen, zieht China uneinholbar davon.
Wie die Zukunft mit humanoiden Robotern aussehen kann, wird auf der Elektronikmesse IFA von 4. bis 8. September in Berlin spürbar. Dort treten Roboter im „Robocup“ als Fußballmannschaft gegeneinander an oder laufen als Models über den Laufsteg.

