Personalakten, Ausweise, Gehaltsabrechnungen: Seit Anfang September können Fremde im dunklen Teil des Internets auf Daten zugreifen, die nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Die Angreifer hatten sie Wochen zuvor aus Teilen der Berliner Verwaltung entwendet. Nachdem das Land eine Lösegeldforderung nicht erfüllte, machten die Täter die großen Datenpakete zugänglich.
Wie schwerwiegend war der Angriff?
Die Dimensionen des Angriffs sind gewaltig. Rund 1,44 Millionen Dateien mit insgesamt 5,8 Terabyte sollen abgeflossen sein. Die Angreifer konnten sich offenbar vom 7. bis 12. August unbemerkt in Teilen des Verwaltungsnetzes bewegen. Entdeckt wurde der Angriff erst am 14. August.
Entscheidend ist aber nicht nur die Menge an Daten, sondern vor allem deren Inhalt. Betroffen sind zwei Senatsverwaltungen. In den veröffentlichten Unterlagen finden sich nach bisherigen Auswertungen auch Informationen, die weit über den normalen Verwaltungsalltag hinausgehen. Sicherheitsbehörden prüfen deshalb weiter, welche Folgen der Datenraub haben kann. Denkbar wäre, dass die Informationen für Identitätsdiebstahl, gezielte Betrugsversuche oder Angriffe auf besonders geschützte Einrichtungen genutzt werden könnten.
Was steht jetzt öffentlich im Netz?
In den Dateien finden sich unter anderem Teile von Personalakten, eingescannte Ausweise, Gehaltsabrechnungen, Arbeitszeugnisse und Verträge. Hinzu kommen Unterlagen zu Bauprojekten, Notfallpläne und Informationen über wichtige Einrichtungen der Stadt. Auf der Plattform X kursieren unter anderem Screenshots von Abmahnschreiben. Berichtet wird zudem über Dokumente zur Wasserversorgung, zu Energieanlagen, Gefängnissen und weiteren besonders geschützten Bereichen sowie über Unterlagen zum Ausbau des Bundeskanzleramts. Diese Informationen könnten in den falschen Händen großen Schaden anrichten.
Und noch etwas kommt hinzu: Es ist unklar, ob überhaupt alle Daten veröffentlich wurden oder ob alles noch unangenehmer wird. Am Wochenende tauchte ein weiteres Datenpaket auf, das Zugangsdaten enthalten soll.
Was bedeutet das für Betroffene?
Für Beamte, Bürger und Unternehmen besteht vor allem die Gefahr, dass persönliche Informationen für Betrug missbraucht werden. Mit Angaben aus Ausweisen, Verträgen, Bankverbindungen oder Personalunterlagen können Kriminelle versuchen, sich als andere Personen auszugeben. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt außerdem vor besonders glaubwürdig wirkenden betrügerischen Mails und Nachrichten.
Warum wurden die zwei Millionen Euro nicht bezahlt?
Die Täter verlangten 30 Bitcoin, damals umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Angesichts der möglichen Folgen des Datenlecks wirkt die geforderte Summe zunächst vergleichsweise gering. Trotzdem lehnte der Berliner Senat die Zahlung ab. Die Landesregierung wollte sich nicht auf die Erpressung einlassen. Das zentrale Argument: Mit einer Zahlung würde Geld an eine kriminelle Gruppe fließen – und mit Steuereinnahmen ein Geschäftsmodell unterstützt, das auf weiteren Angriffen und Erpressungen beruht.

