Dicht gedrängt im Bierzelt anstoßen, leidenschaftlich die Wiesn-Hits mitsingen, bis spät in die Nacht feiern – und ein paar Tage später mit Husten, Schnupfen und Fieber im Bett liegen. Schnell ist dann von der berüchtigten „Wiesngrippe“ die Rede. Doch was fängt man sich auf dem Oktoberfest tatsächlich ein? Und kann eine Impfung kurz vorher eine Infektion verhindern?
München wirbt für Impfschutz vor der Erkältungssaison
Kurz vor dem Start des Oktoberfests am 19. September haben das Münchner Gesundheitsreferat, das TUM Klinikum und das LMU Klinikum die Initiative „München impft“ [externer Link] gestartet. Die Kampagne klärt über die Empfehlungen der Ständige Impfkommission (STIKO) zu Grippe, COVID-19 und RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) auf und informiert, wo Schutzimpfungen in München möglich sind. Diese drei Atemwegsinfektionen können vor allem bei älteren Menschen und bestimmten Risikogruppen schwer verlaufen. Gegen Grippe empfiehlt die STIKO deshalb die jährliche Impfung grundsätzlich ab 60 Jahren, gegen COVID-19 seit diesem Sommer ab 75. Eine einmalige RSV-Impfung wird ebenfalls allen ab 75 Jahren empfohlen. Für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen [externer Link] gelten teilweise niedrigere Altersgrenzen.
Neuer Impfstoff für aktuelle Grippesaison
Seit Ende August gibt es den Influenza-Impfstoff für die Grippesaison 2026/2027, meldete das Paul-Ehrlich-Institut [externer Link] . Dass dieser Impfstoff jedes Jahr angepasst werden muss, liegt daran, dass die Grippe von Influenza-Viren ausgelöst wird. Von diesen gibt es verschiedene Typen und Untertypen, die ständig neue Varianten entwickeln, erklärt der Infektiologe Christoph Spinner vom TUM Klinikum Rechts der Isar. Die WHO [externer Link] schätzt deshalb jeweils im Frühjahr ab, welche Influenza-Subtypen in der kommenden Saison wahrscheinlich eine Rolle spielen. Die Impfstoffe werden dann auf diese Varianten zugeschnitten.
Grippeimpfung vor dem Anstich: Wann spätestens?
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts [externer Link] dauert es nach einer Grippeimpfung etwa zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Die Schutzwirkung entwickle sich bereits in den ersten Tagen schrittweise, erklärt Infektiologe Spinner: Wer zum Oktoberfestbeginn geschützt sein wolle, sollte sich „mindestens eine Woche zuvor“ impfen lassen, denn dann hat man bis zum Anstich bereits einen wesentlichen Teil dieser Zeit hinter sich.
Die „Wiesngrippe“ gibt es eigentlich nicht
Gegen Influenza, RSV und Sars-CoV-2/Covid kann man sich impfen lassen. Aber selbst ein guter Impfschutz verhindert nicht eine Infektion mit der sogenannten „Wiesngrippe“. Denn „die gibt es eigentlich nicht“, erklärt Spinner: Die „Wiesngrippe“ sei ein „Sammelbegriff aus vielen verschiedenen“, meist viralen Atemwegserkrankungen. Dahinter können Rhinoviren oder Adenoviren ebenso stecken wie Coronaviren, Influenza oder RSV. Das sind auch die Viren, die Fachleuten zufolge rund um das Oktoberfest gehäuft auftreten und im Abwasser nachweisbar sind.
Das Phänomen der „Wiesn-Grippe“, also Erkältungssymptome und allgemeine körperliche Abgeschlagenheit nach dem Oktoberfest-Besuch, sei ein Hinweis auf eine mögliche Ansteckung mit diesen Viren. Hinzu kommen typische Wiesn-Bedingungen. Spinner nennt etwa Schlafmangel und übermäßigen Alkoholkonsum. Für ihn ist das zusammen mit vielen zwischenmenschlichen Kontakten eine „perfekte Kombi für eine Erkältung“.
Kann man sich impfen lassen gegen die „Wiesn-Grippe“?
Auch wenn es die „Wiesn-Grippe“ eigentlich nicht gibt, kann man kann sich gegen einige Viren impfen lassen, die während des Oktoberfests zirkulieren: Influenza, RSV und Sars-CoV-2/Covid. In den USA ist seit diesem Jahr auch ein echter Kombinationsimpfstoff gegen Influenza und Covid-19 zugelassen, in der EU allerdings noch nicht. Aber man kann sich an einem Tag auch gegen mehrere Erreger impfen lassen, sagt Spinner: „Unser Immunsystem ist ohne Weiteres in der Lage, auch gegenüber mehreren Erregern gleichzeitig Abwehrkräfte zu entwickeln“, sagt Spinner. Besonderheiten gibt es bei bestimmten Lebendimpfstoffen (zum Beispiel bei der Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln). Die würden aber ohnehin meist schon im Kindesalter verimpft.
Impfung jetzt: Reicht der Schutz bis zur Grippesaison?
Für den optimalen Schutz über den Winter wäre Spinner zufolge bei Influenza eigentlich ein etwas späterer Termin günstiger. „In einer idealen Welt“ würde er gegen die echte Virusgrippe eher Ende Oktober oder Anfang November impfen. Denn die Zahl der Influenza-Infektionen erreicht ihren Höhepunkt meist erst um die Weihnachtszeit oder Anfang Januar. Der Impfschutz lässt jedoch im Laufe der Monate nach. Trotzdem hält Spinner den Herbst generell für den richtigen Zeitpunkt: Jeder Arzttermin sei da eine gute Gelegenheit, den eigenen Impfschutz gegen Atemwegserkrankungen überprüfen zu lassen.

