Antisemitismus-Vorwürfe gegen Macklemore
In Deutschland wurde im vergangenen Jahr bereits über ein Auftrittsverbot für Macklemore diskutiert. Die Vorwürfe: Macklemore bediene in Statements, Songtexten und seiner Bildsprache antisemitische Stereotype und Erzählungen. In den Liedern „Hind’s Hall“ und „Fucked Up“ werfe er Israel zum Beisoiel Völkermord vor, ohne auf den Terror der Hamas einzugehen.
Im vergangenen Jahr begründeten unter anderem damit sowohl der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung als auch der Zentralrat der Juden in Deutschland ihre Forderung nach einem Auftrittsverbot beim Deichbrand Festival.
Mendel: Wer entscheidet, wer auftreten darf – und wer nicht?
Auch der Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, hatte damals Kritik an Macklemore geäußert, sich jedoch gegen ein Auftrittsverbot ausgesprochen. Im Interview mit Bayern 2 Zündfunk betonte Mendel das Problem hinter öffentlichen Auftrittsverboten für Musiker erneut. Mendel erklärt, dass er in einer liberalen Demokratie keine Instanz wolle, die abseits unserer juristischen Systeme die Befugnis hätte, zu entscheiden, wer auftreten darf und wer nicht.
Er unterscheidet aber zwischen einem öffentlichen Auftrittsverbot und der individuellen Entscheidung eines Künstlers wie Ed Sheeran, einen anderen Artist nicht mit ins Programm zu nehmen. Auch wenn Druck ausgeübt werde. Es sei nicht verboten, solchen Druck auszuüben. Das könne jeder tun, auch durch die Entscheidung, bewusst nicht zu einem Konzert zu gehen.
Kritische Reaktionen auf Social Media
Auf Instagram zeigen sich viele Menschen skeptisch über die Entscheidung Sheerans und seines Teams. Ein Name, der dabei immer wieder fällt, ist der des Sportfunktionärs Robert Kraft, Eigentümer des Gillette Stadiums in Foxborough, in dem zwei weitere Tourstopps angesetzt sind. Macklemore wirft Kraft vor, weitere Stadionbesitzer gegen Sheeran mobilisiert zu haben. Auf Instagram kursiert zudem ein Video, das Kraft 2017 zusammen mit Benjamin Netanjahu zeigt.
Dass sich Ed Sheeran und sein Team dem Druck der Stadionbesitzer gebeugt hätten, wird unter anderem von der US-amerikanischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez kritisiert. Es gehe nicht allein um diesen Vorfall, sagt sie im Interview mit dem Nachrichtenkanal TMZ. Sie sieht darin einen Präzedenzfall, wenn „eine Handvoll Stadionbesitzer verhindern kann, dass ein so großes Thema angesprochen wird“. Beim nächsten Mal könnte es um irgendein anderes Thema gehen, warnt sie.
Solidarität mit Macklemore: Support-Acts steigen aus der Tour aus
Als Reaktion auf den Ausschluss Macklemores haben unterdessen alle weiteren Support-Acts der US-Tour, wie Billie Eilishs Bruder Finneas, der irische Singer-Songwriter Aaron Rowe sowie Sheerans Backing Band bekannt gegeben, nicht mehr an der „Loop Tour“ mitzuwirken. Sie alle solidarisieren sich über ihre Social-Media-Kanäle mit Macklemore, den Palästinenserinnen und Palästinensern. Ed Sheeran betont dagegen in seinem Post erneut, dass er sich nicht öffentlich politisch äußern wolle.

