Nächste Woche ist es wieder so weit: Nach gut sechs Wochen Sommerferien müssen die Kinder in Bayern wieder zurück in die Schule. Für manche von ihnen ist das mehr als nur schade und nervig. Ihnen graut es regelrecht davor, wieder in die Schule zurückkehren zu müssen. Sie haben sogar Angst davor.
Doch was verbirgt sich hinter der Schulrückkehrer-Angst? Und was können Eltern und Schulen dagegen tun? Das hat der Bayerische Rundfunk einen Kinder- und Jugendpsychiater und eine Pädagogin gefragt.
Schulrückkehrer-Angst zu Schulanfang – eine Angststörung?
Die sogenannte Schulrückkehrer-Angst sei keine Diagnose im medizinischen Sinn, sagt Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie beschreibe nur etwas. Es sei daher wichtig, genauer hinzuschauen, ob im Einzelfall nicht nur Schulrückkehrer-Angst vorliegt, sondern eine schwerwiegendere Schulangst Auslöser ist, betont der Kinder- und Jugendpsychiater.
Mobbing häufigster Grund für schulbezogene Ängste
Im Gegensatz zur Schulrückkehrer-Angst ist Schulangst eine ernstzunehmende Angststörung, die unbedingt behandelt werden muss. Zwischen sechs und acht Prozent der Schülerinnen und Schüler leiden laut Schulte-Körne daran.
Bei den meisten Kindern und Jugendlichen, die wegen schulbezogener Ängste zu ihm in die Klinik kommen, sei Mobbing der Grund, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater. Auch in Schulen gibt es Initiativen, um Kindern, die gemobbt werden, zu helfen. „Es gibt manche Schulen, auch in Bayern, die haben das Motto: Bei uns wird kein Mobbing toleriert. Und es gibt Fachkräfte in den Schulen, die dafür geschult sind, die, wenn Mobbing auftritt, sofort eingreifen und die Kinder nicht nur schützen, sondern auch die Klasse stärken“, berichtet Schulte-Körne.
Symptome der Schulrückkehrer-Angst
Die sogenannte Schulrückkehrer-Angst – eine Bezeichnung, die in der Fachwelt nicht verwendet wird – ist hingegen im Vergleich zur Schulangst viel harmloser.
Die Kinder kehren nach einer langen Ferienzeit wieder zurück in den Schulalltag. Einige von ihnen reagieren darauf mit Aufgeregtheit, Schlafstörungen, Herzrasen, kaltschweißigen Händen und anderen Symptomen. Sie sind schlicht und einfach gestresst vom Wiederanfang der Schule. Auch Mobbing-Erfahrungen könnten bei einer sogenannten Rückkehrer-Angst eine Rolle spielen, „die ja auch im digitalen Raum stattfinden können, auch während der Ferien“, gibt die Pädagogin Franziska Greiner-Döchert vom Institut für Bildungswissenschaften der Universität Leipzig zu bedenken.
Was Eltern und Schulen bei Schulrückkehrer-Angst tun sollten
Gegen diese Angst können sowohl die Lehrkräfte als auch die Eltern etwas tun – und so den Kindern helfen, sagt Greiner-Döchert. Wichtig sei es, die Probleme nicht als geringfügig abzutun, sondern sich in die Perspektive der Kinder und Jugendlichen hineinzuversetzen, betont die Pädagogin. Eltern sollten die Probleme ansprechen, das Gespräch mit ihrem Kind suchen, es emotional unterstützen. „Das kann schon total viel ausmachen, wenn ich weiß, jemand nimmt mich ernst und nimmt mich wahr in dem, was ich fühle“, so Greiner-Döchert.
An Schulen kann gegen die Rückkehrer-Angst eine Willkommenskultur mit einem gemeinsamen Ankommen nach den Ferien mit extra Stunden dafür helfen. Auch „Buddy-Systeme“, wie die ausgebildete Lehrerin die Bereitstellung einer Bezugsperson für Schülerinnen und Schüler nennt, können gerade kleinere Kinder unterstützen, die unter Rückkehrer-Angst leiden.
Prävention gegen die Schulrückkehrer-Angst: So gelingt sie
Es sei sinnvoll, präventiv vorzugehen, also „nicht erst zu handeln, wenn es irgendwo brennt“ und „bestimmte Belastungen entstehen“, rät die Pädagogin Greiner-Döchert. Sie schlägt dafür etwa eine Funktions-E-Mail-Adresse vor, an die Kinder und Jugendliche schon vor dem Schulstart ihre Sorgen und Fragen richten können. So könnten Probleme frühzeitig erkannt und eventuell ausgeräumt werden.
Außerdem sollten Kinder und Jugendliche auf Veränderungen in der Schule rechtzeitig vorbereitet und Überraschungen vermieden werden, betont Greiner-Döchert. Diese könnten auch Ängste bei ihnen auslösen.
Rückkehrer-Angst: Wann man sich professionelle Hilfe holen sollte
Sehr oft lösten sich aber die Probleme von selbst, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater Schulte-Körne. Gerade wenn die Kinder lange Ferienzeiten hätten und gewöhnt seien, lange auszuschlafen und in der Familie zu sein, könne auch erst der Wechsel in die Schule Ängste auslösen. „Aber die gehen dann von alleine auch weg und sind nur vorübergehend“, betont der Kinder- und Jugendpsychiater. Er rät allerdings: Wenn die Angst jeden Tag da ist und nicht nachlässt und wenn die Kinder und auch die Eltern sehr darunter leiden, dann sollte man sich professionelle Hilfe holen.

