Immer wieder kommt es zu Unfällen aufgrund von Müdigkeit – wie jetzt im oberfränkischen Sonnefeld, wo ein Kleinbus ungebremst gegen eine Hausecke auf der gegenüberliegenden Straßenseite geprallt ist. Die Beamten gehen davon aus, dass die Fahrerin wegen Sekundenschlafs die Kontrolle über den Wagen verloren hatte.
Sekundenschlaf Ursache für viele Verkehrsunfälle
Müdigkeit am Steuer, auch der sogenannte Sekundenschlaf, ist keine Seltenheit. Nach Untersuchungen von Verkehrssicherheitsexperten zählt Müdigkeit zu den häufig unterschätzten Unfallursachen. Besonders nachts steigt das Risiko für Sekundenschlaf deutlich. Wer bei Tempo 100 auch nur drei Sekunden einnickt, legt rund 83 Meter im Blindflug zurück. Nationalen wie internationalen Studien zufolge sind bis zu 25 Prozent aller Getöteten im Straßenverkehr auf Müdigkeitsunfälle zurückzuführen, sagt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) (externer Link).
Wie äußert sich Sekundenschlaf?
Ein Sekundenschlaf kann wenige Sekunden dauern, in manchen Fällen auch bis zu etwa 15 Sekunden. Dabei müssen einem nicht unbedingt die Augen zufallen. Es kann auch sein, dass man innerlich „abdriftet“. Obwohl die Augen geöffnet sein können, ist die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit in diesem Moment stark eingeschränkt, schreibt der ADAC (externer Link).
Warnsignale: Vorboten des Sekundenschlafs
Deshalb sollte man die Signale des Körpers ernst nehmen. Wenn man zum Beispiel im Gespräch mit dem Beifahrer den Faden verliert, ist das ein mögliches erstes Anzeichen. Ein derartiger Wahrnehmungsausfall – ein Vorstadium zum Schlaf – überfällt einen nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich durch bestimmte Symptome an. Typisch sind schwere Augenlider, brennende Augen, das Gefühl, sich bewegen zu müssen und Gähnen, das man nicht mehr unterdrücken kann. Höchste Zeit für eine Pause, warnt auch der ADAC.
Weitere Anzeichen für Übermüdung
- Frösteln – trotz Wärme.
- Probleme beim Fokussieren beim Blick vom Tacho auf die Straße und zurück.
- Schwierigkeiten, die Spur zu halten.
- Der Eindruck, dass die Straße immer schmaler wird.
- Zu dichtes Auffahren auf den Vordermann.
- Sie fahren, ohne es zu wollen, plötzlich langsamer oder schneller.
- Sie sind unkonzentriert, verpassen Ausfahrten oder übersehen Schilder.
So verhindern Sie einen Sekundenschlaf
Um gar nicht erst in Gefahr zu geraten, sollte man eine längere Fahrt idealerweise nur ausgeschlafen antreten. Wer den Abend zuvor gefeiert hat, hatte wahrscheinlich keine erholsame Nacht. Auch Nachtfahrten sind ungünstig, weil der Körper zu dieser Zeit auf Schlaf eingestellt ist.
Bei akuter Müdigkeit gilt: Pause machen, frische Luft tanken und sich bewegen. Wenn das nicht ausreicht, sollte man ein kurzes Schläfchen einlegen, um die Müdigkeit zu überwinden. Der sogenannte Power-Nap sollte allerdings nicht länger als 15 bis 20 Minuten dauern, damit man nicht aus einer tieferen Schlafphase aufwacht und zunächst noch benommen ist. Ein Tipp: vor dem Nickerchen einen Kaffee trinken. Denn Koffein beginnt nach etwa 30 Minuten zu wirken und kann dann das Wachwerden unterstützen.
Warum Kaffee und laute Musik gegen Müdigkeit nicht ausreichen
Ein Trugschluss ist es zu glauben, dass laute Musik, sich kneifen, Kaugummi kauen, ein offenes Fenster oder eine große Tasse Kaffee ausreichen, um die Fahrt sicher fortzusetzen. Koffein wirkt erst nach etwa einer halben Stunde. Für den akuten Moment der Müdigkeit kommt der Koffein-Kick meist zu spät.
Müdigkeit am Tag kann auf gesundheitliche Probleme hinweisen
Gefährdet sind Menschen, die regelmäßig unter starker Tagesmüdigkeit leiden. Das kann körperliche Ursachen haben, wie zum Beispiel niedrigen Blutdruck oder Probleme mit der Schilddrüse. Betroffen sind aber auch Schichtarbeiter, die gegen ihren Biorhythmus leben, tagsüber häufig müde sind und nachts schlecht schlafen. Auch wer tagsüber häufig müde ist, obwohl er nachts ausreichend schläft, geht beim Autofahren ein hohes Risiko ein. In einem solchen Fall sollte man den Hausarzt aufsuchen.

