Auto-Gewerkschaften spielen in den Südstaaten nur eine Nebenrolle
Ein weiteres Argument sind Arbeitskosten, die um bis zu 40 Prozent unter denen an deutschen Standorten liegen. So ist man vor Ort in der Regel stolz darauf, dass Gewerkschaften in den Südstaaten – anders als in der traditionellen Autometropole Detroit – allenfalls eine Nebenrolle spielen.
So gibt es in den meisten Fabriken keine gewerkschaftlich ausgehandelten Tarifverträge, auch ein Betriebsrat nach deutschem Vorbild gilt als exotische Besonderheit. Eine Ausnahme ist das Volkswagen-Werk in Chattanooga. Dort konnte die US-Autogewerkschaft UAW zuletzt Fuß fassen, unterstützt von der deutschen IG Metall.
Dazu kommt eine gut ausgebaute Infrastruktur. So liegt das geplante Audi-Werk mehr oder weniger direkt an einer Autobahn, ist nicht weit vom Großflughafen Atlanta entfernt und hat eine direkte Bahnanbindung zu zwei großen Tiefseehäfen, über die Autos für den Weltmarkt verschifft werden können.
BMW in Spartanburg: Südstaaten-„Autobahn“
Mit der Ansiedelung in den Südstaaten ist Audi ein Nachzügler. Pionier war in den 1990er Jahren der bayerische Wettbewerber BMW. Die Münchener wollten damals ein US-Werk eröffnen, um mit einer Produktion auf beiden Seiten des Atlantiks die seinerzeit üblichen heftigen Wechselkursschwankungen zwischen D-Mark und Dollar abzufedern. Die Wahl fiel auf das Örtchen Spartanburg in South Carolina.
Seither produziert BMW dort vor allem SUVs, die nicht nur für den US-Markt gedacht sind, sondern weltweit verschifft werden. Nach eigenen Angaben ist das bayerische Unternehmen damit so erfolgreich, dass BMW seit Jahren der – nach Fahrzeugwert – größte Auto-Exporteur der Vereinigten Staaten ist.
Zusammen mit BMW siedelten sich auch zahlreiche weitere deutsche Unternehmen in der Region an, vor allem Zulieferer. Die Präsenz der deutschen Industrie ist dort so allgegenwärtig, dass Einheimische einem Teilstück der Fernstraße I-85 den liebevoll gemeinten Spitznamen „The Autobahn“ gegeben haben.

