Prototyp schluckt auch schwer verwertbaren Biomüll
Der nun in Hohenburg vorgestellte Prototyp verarbeitet auch schwer verwertbare Bioabfälle, wie beispielsweise durch Plastikreste verunreinigten Kompost. Die Anlage zerlegt das Gemisch bei sehr hohen Temperaturen in seine Bestandteile. Dabei fallen neben Öl und Kohle auch größere Mengen Wasserstoff an. Dieser Wasserstoff könnte in einem ersten Schritt einen Generator antreiben, um beispielsweise einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Strom zu versorgen oder Elektrofahrzeuge aufzuladen. Derzeit läuft die Erprobung für ein entsprechendes System.
Einfache Konversion von Diesel auf Wasserstoff
Doch der Forschungsverbund will mehr: Der in der Anlage gewonnene Wasserstoff soll auch als Treibstoff für Bau- oder Landwirtschaftsmaschinen nutzbar sein, die bisher mit herkömmlichem Diesel fahren. Dieselmotoren könnten mit relativ wenig Aufwand zu Wasserstoffmotoren umgebaut werden. Das soll dieses Konzept besonders für Bauunternehmen und landwirtschaftliche Betriebe interessant machen, die bereits eine Flotte aus dieselbetriebenen Maschinen haben, so Graf-Kick. Die Dieselmotoren müssten, anders als bei einem Wechsel zu Brennstoffzellen, nicht ausgetauscht werden.
Umrüstung von Motoren soll nicht teuer sein
Für die Umrüstung von einem Dieselmotor auf Wasserstoff haben Wissenschaftler der Universität Heilbronn zusammen mit Deutz erste Modelle entwickelt. Dafür muss beispielsweise eine Zündkerze in den Motor eingesetzt werden. Auch wird die Kraftstoff-Einspritzpumpe durch ein Wasserstoff-Einblasssystem ersetzt. Dazu kommen noch einige Justierungen am Motor.
Der finanzielle Aufwand für so eine Umrüstung halte sich – laut dem Motoren-Mitentwickler Karsten Wittek von der Hochschule Heilbronn – in Grenzen: „Wir reden hier beim Umbau von so einem Kleinmotor von rund tausend Euro für die Komponenten.“
Kein reiner Wasserstoff für umgerüstete Motoren notwendig
Gegenüber Brennstoffzellen hat der neu entwickelte Motor einen wesentlichen Vorteil: Nach Herstellerangaben reicht bereits ein Wasserstoffanteil von 40 Prozent im Gasgemisch aus, damit der Motor flüssig läuft. Brennstoffzellen dagegen benötigen deutlich reineren Wasserstoff mit einem Anteil weit über 99 Prozent. Diesen aufzubereiten ist aufwendig und teuer, beim Waste2HyEngine-Motor aber gar nicht notwendig.
Ein weiterer Vorteil des Projekts: Die Aufbereitungsanlage liefert auch chemische reine Kohle, mit der sich das Wasserstoffgas, das aus den Bioabfällen entstanden ist, reinigen lässt.
Interessant für Betriebe auf dem Land
Auf mögliche Betreiber so einer Anlage und der passenden Motoren kämen derzeit allerdings immer noch hohe Kosten zu. Unter anderem für die Sicherheitstanks, die für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge notwendig sind, oder für die Hochdruckanlage zum Betanken. Hier arbeitet das Entwicklerteam derzeit an Lösungen.
Interessant wäre diese lokale Wasserstofferzeugung etwa für große landwirtschaftliche Betriebe oder für Bauunternehmen in ländlichen Regionen, wo Gärreste aus Biogasanlagen oder Abfälle aus der Holzverarbeitung anfallen. Auch Kommunen könnten so Teile ihrer Fahrzeugflotte mit Wasserstoff aus Gartenabfällen oder Klärschlamm betreiben.

