Gibt es das überhaupt, so etwas wie einen „rechten“ und „linken“ Humor? Klingt das konservative Lachen irgendwie anders als das linksliberale? Offenbar haben viele ein ausgeprägtes Bedürfnis nach dieser eher bizarren Art weltanschaulicher Orientierung, sonst wäre im Vorfeld der ersten Folge des „Journal Deluxe“ im ZDF [externer Link] nicht dermaßen eifrig darüber spekuliert worden, ob mit Moderator Florian Schroeder jetzt endlich die große, von vielen heiß ersehnte „Satire-Wende“ kommt.
„Wir sind die Comedy-Show hier im ZDF und auf 3sat, die sich wirklich nur über Linke und Grüne lustig macht“, so Schroeder ironisch zum Auftakt des neuen Formats. Nach 42 Minuten war klar: Es ist noch mächtig Luft nach oben im „Journal Deluxe“, und das hat mit dem politischen Koordinatensystem gar nichts zu tun. Florian Schroeder muss vielmehr an seinen Fähigkeiten als Interviewer arbeiten und mit seinen Gags deutlich genauer auf Politik und Zeitgeist zielen.
„Danke, liebe Influencer“
Der „Spiegel“ war nach der Erstsendung der Meinung [externer Link], der Kabarettist habe viel zu sehr „narzisstisch um sich selbst getrudelt“ – ein ungnädiges Urteil. Vermutlich tastet sich die ganze Redaktion nach der grotesk ausgeuferten Vorberichterstattung noch etwas verwirrt an die neue Aufgabe heran.
„Ich bin in den sozialen Medien sowohl Linksextremist als auch Rechtsextremist“, so Schroeder: „Danke, liebe Süddeutsche Zeitung. Danke, liebe User. Danke, liebe Influencer. Das ist das größte Kompliment, das ihr mir machen konntet.“
„Dann wären Sie geistig längst tot“
Klar, ein Satiremagazin voller Überraschungen und Irritationen wäre im deutschen Fernsehen wunderbar, aber der Humor des linksliberalen Bildungsbürgertums dominiert eigentlich schon lange nicht mehr die Medien, vor allem nicht die Formate im Netz. Da ist der Nachholbedarf nach Humor jenseits des Mainstreams wohl doch weit geringer als angenommen.
„Werden Sie hier hören, was Sie denken sollen? Nein“, verspricht Schroeder: „Werden meine Gäste und ich immer das sagen, was Sie hören wollen? Nein. Es ist wie ein Abend mit Freunden. Wollen Sie da immer nur Ihre eigene Meinung hören, wollen Sie sich da nur mit Leuten umgeben, die leben und reden wie Sie? Nein, dann wären Sie geistig längst tot.“
„Trump hat feines Gespür für Entertainment“
Zu Gast war in der ersten Sendung die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang, ganz verdutzt, dass sie vom Studiopublikum lautstarken Beifall bekam. Sehr viele Konservative saßen wohl nicht im Saal, und Florian Schroeder fragte brav und bieder seine Themengebiete ab, statt zu provozieren.
Immerhin, Ricarda Lang verriet, dass sie Donald Trump für einen begabten Unterhaltungskünstler hält: „Auf eine ganz, ganz perfide Art und Weise fühle ich mich entertaint, wenn ich das sehe, obwohl ich weiß, dass das ein Mann ist, an dem eigentlich nichts unterhaltsam ist, sondern der zutiefst gefährlich ist, wenn er irgendwelche Schlägertrupps auf die Straße sendet, wenn er den Iran angreift. Aber er hat ein feines Gespür für Entertainment, das kann man ihm nicht absprechen.“
„Algorithmen belohnen Aufmerksamkeit“
Die Talk-Partner Ronen Steinke von der „Süddeutschen Zeitung“ und die stellvertretende Politikchefin Dorothea Schupelius von der „Welt“ trugen mit ihrer unverbindlichen Freundlichkeit wenig zur Polarisierung bei.
An satirischer Schärfe fehlte es auch bei den Themen, die Schroeder im Alleingang aufgriff: die Krise des Mannes und die wild wuchernden sozialen Medien. Diese Mischung wurde weitgehend ungewürzt serviert.
„Manche Parteien sind auf Social Media deutlich erfolgreicher als andere“, so der Moderator: „Warum das so ist, haben wir alle schon tausendmal gehört: Algorithmen belohnen Aufmerksamkeit und so weiter. Und die lässt sich mit Empörung, Konflikten und einfachen Botschaften oft leichter erzeugen als mit differenzierten Argumenten.“
Ärger wird sich das ZDF mit diesem beschaulichen „Journal Deluxe“ nicht einhandeln. Kein Vergleich zu den heftig umstrittenen Attacken von Jan Böhmermann im „ZDF Magazin Royale“. Vielleicht müssen die Medienanwälte auch mal etwas durchschnaufen.

