Märkte in China und den USA als Hauptproblem
Die Geschäftsentwicklung werde „insbesondere durch den Markteinbruch in China – vor allem bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor – die steigende Wettbewerbsintensität sowie den zunehmenden Exportdruck chinesischer Hersteller auf den europäischen Markt belastet“, heißt es von Audi. Hinzu kämen „anhaltende Unsicherheiten infolge der Lage im Nahen Osten und dem damit verbundenen Anstieg der Energiekosten sowie durch US-Zölle“.
Das ist die Krise, der sich alle deutschen Hersteller gegenübersehen, doch die Ingolstädter werden offenbar besonders hart getroffen – auch weil sie noch kein eigenes Werk in den USA haben. „Die USA sind der zweitgrößte Premium-Automarkt der Welt, dieses Potenzial schöpfen wir im Moment nicht voll aus“, erklärte Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger vor Journalisten.
Audi-Finanzchef macht Hoffnung – und drückt aufs Reform-Tempo
„Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub“, erklärte Rittersberger zu den neuen Quartalszahlen. Im dritten Quartal habe sich „das Umfeld noch einmal erheblich verschärft“, Prognosen zeigen nach seinen Angaben aber bereits, dass sich die Situation verbessere. „Wir erwarten ein deutlich stärkeres viertes Quartal“, sagte Rittersberger. Impulse erwarte Audi unter anderem von den neuen SUV-Modellen Q7 und Q9 auf dem US-Markt.
Die Maßnahmen der Unternehmensführung „wirkten“ bereits, so der Finanzchef, „aber aufgrund des enormen Wettbewerbsdrucks müssen wir sie verstärken“. Deshalb setze man „auf konsequente Kostendisziplin“, reduziere die „Komplexität“ und erhöhe „die Effizienz unserer Strukturen“.
Auswirkungen für deutsche Standorte noch unklar
Dazu, was all das für die deutschen Standorte bedeutet, bleibt Audi noch unkonkret. Mit der 2025 geschlossenen Zukunftsvereinbarung habe man Maßnahmen auf den Weg gebracht, heißt es. Nun sollten „weitere Maßnahmen entwickelt werden, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung nachhaltig zu sichern“, so Audi. „Notwendige Schritte“ sollten „gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat erarbeitet werden“. Die Zukunftsvereinbarung beinhaltet unter anderem den Abbau Tausender Jobs in Deutschland.
Aktuell wird um weitere Einsparungen gerungen. Dabei steht sogar das Aus des Werks in Neckarsulm im Raum. Anfang Oktober hatte Audi angekündigt, die sogenannte „Schlechtwetterklausel“ nutzen zu wollen, die festlegt, dass Geschäftsführung und Betriebsrat in Verhandlungen über Sparmaßnahmen treten müssen, wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern.
Parallel gibt es Ärger für den Audi-Chef
Der Versuch, die Probleme in den USA zu lösen, beschert Audi derzeit noch eine weitere Krise. Am Rande von Verhandlungen zum Bau des neuen Werkes im US-Bundesstaat Georgia war Audi-Chef Gernot Döllner zusammen mit US-Präsident Donald Trump aufgetreten. Dieser verkündete auf einer Wahlkampfveranstaltung Audis Pläne, dort ein Werk zu bauen, und rief Döllner auf die Bühne. Seither reißt die Kritik an Döllner nicht ab. Döllner wird vorgeworfen, gegen Audis Compliance-Regeln verstoßen zu haben.
Döllner hat seinen Auftritt verteidigt. Man sei gebeten worden, „unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten öffentlich vorzustellen“. Allein der Respekt habe geboten, dies nicht abzulehnen.
Mit Informationen von DPA und Reuters

