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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Berggottesdienste bei Sonnenuntergang: Dem Himmel so nah
Kultur

Berggottesdienste bei Sonnenuntergang: Dem Himmel so nah

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 14. August 2024 15:51
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Judith Krug nimmt die Seilbahn am Hochgrat. Der Berg in den Allgäuer Alpen ist im Sommer der Arbeitsort der katholischen Tourismusseelsorgerin von Oberstaufen. „Das erste Mal, als ich in der Gondel saß, dachte ich mir tatsächlich – okay, und das ist jetzt dein Arbeitsweg und das Beförderungsmittel ist die Gondel“, sagt sie. Etwas mulmig sei ihr beim der ersten Fahrt schon gewesen, inzwischen habe sie sich aber an den ungewöhnlichen Arbeitsweg gewöhnt.

Inhaltsübersicht
Das Wetter muss mitspielenIn der erhabenen NaturDem Himmel näher sein

Mit der Gondel fährt die Seelsorgerin hinauf zum Gipfel auf 1.800 Metern Höhe, um dort Berggottesdienste zu feiern. Das gemeinsame Angebot der katholischen und evangelischen Kirche vor Ort richtet sich an Touristen wie Einheimische gleichermaßen. Einheimische, die im Tourismus arbeiten, laden teilweise ihre Gäste ein, um gemeinsam auf den Berg zu fahren, erzählt die Judith Krug. „Es sind natürlich auch Kurgäste und Tagesausflügler da, die sich extra auf den Weg machen, um auf dem Berg einen Kraftort zu erfahren, wo wir auch Gott spüren können“, sagt Krug. Das sei der Grund, wieso sie auf dem Gipfel ökumenische Gottesdienste feiere.

Das Wetter muss mitspielen

Unten im Tal freut sich die Tourismus-Branche über dieses Angebot der beiden Kirchen. Bei den knapp 8.000 Einwohnern von Oberstaufen sind es in der Hochsaison schonmal genauso viele Urlauber, die in dem Kurort im Ostallgäu zu Gast sind, sagt Tourismusdirektorin Constanze Höfinghoff. „Aber sie werden immer Einheimische bei den Berggottesdienste finden. Insbesondere, wenn das Wetter stimmt“, so Höfinghoff. Bei Sturm könne die Hochgratbahn nicht fahren und keine Gäste auf den Gipfel befördern.

Das Wetter muss mitspielen, damit Judith Krug ihren Gottesdienst in den Abendstunden feiern kann. Immer wieder heißt es abwarten: Hält das Wetter? Schieben sich Wolken vor die untergehende Sonne, oder zieht gar ein Gewitter auf?

Damit man für alle Eventualitäten gewappnet ist, empfiehlt die Erzdiözese München-Freising ein Wechselshirt, eine Regenjacke, eine große Flasche Wasser und eine Brotzeit mitzubringen. Wenn das Wetter umschlägt, kann auch bei bester Vorbereitung der Gottesdienst spontan abgesagt werden.

In der erhabenen Natur

Es ist kurz vor 19 Uhr und noch ist strahlender Sonnenschein. In einer halben Stunde geht es los. Auch der evangelische Pfarrer ist angekommen. Ingo Holzapfel ist eigentlich schon im Ruhestand, aber als Kurpediger kommt er im Sommer noch immer gerne auf den Berg. Er habe schon in der Jugendarbeit Berggottesdienste organisiert und sich vorgenommen, auch nach seiner aktiven Zeit Gottesdienste in der freien Natur zu feiern. “ Weil wir in einer solchen wunderbaren Natur von der Erhabenheit dieser Welt etwas sehen, was in unserem Herzen die Spiritualität öffnet“, sagt Holzapfel.

Das ist zumindest die Hoffnung der beiden Kirchenleute. Bevor es losgeht, verteilen sie an die Gäste im Bergrestaurant am Hochgrat noch einen Zettel mit dem Liedtext von „Großer Gott wir loben dich“. Das Wetter hält und der Blick reicht von den Allgäuer Alpen hinunter bis zum Bodensee. Während die untergehende Sonne die Bergkulisse in einem abendlichen Rot erstrahlen lässt, stimmt der Frauenchor des schwäbischen Chorverbandes die ersten Takte an. Es ist ein erhebender Moment für Urlauber wie Einheimische.

Dem Himmel näher sein

„Ich hab das Privileg hier zu leben, und es ist immer besonders, wenn so viele Menschen beieinander sind“, sagt eine Besucherin. Sie schätzt die Atmosphäre des Berggottesdienstes: „Dass wir dem Himmel näher sind, das ist das Faszinierende und das ist spürbar.“

Bis in den September hinein werden in den gesamten bayerischen Alpen Berggottesdienste gefeiert. Weit über 150 Gottesdienste auf Berggipfeln organisieren die katholische und evangelische Kirche noch im August und September. Sogar für Frühaufsteher ist etwas dabei. In Oberstaufen können die Besucher zu Sonnenaufgang den Tag mit einem Gebet begrüßen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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