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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Stadtmuseum gibt Silberobjekte an jüdische Familien zurück
Kultur

Stadtmuseum gibt Silberobjekte an jüdische Familien zurück

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 11. November 2024 16:48
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Der kleine Silberkorb in der Vitrine des Münchner Stadtmuseums wurde 1830 vom Münchner Silberschmied Bartholomäus Lederer geschaffen. Bis 1940 gehörte er der jüdischen Münchnerin Clementine Popper. Jetzt steht Adam Lazinsk aus Connecticut in den USA vor dem Silberobjekt. Seine Frau wusste gar nicht, dass die 1940 verstorbene Frau Popper ihre Urgroßtante gewesen ist: „Meine Frau hat neue Cousinen kennengelernt. Ihr Großvater kam 1930 in die USA und holte seine Mutter 1936 aus München nach“, erzählt er, „die haben niemals über die Geschichte der Familie gesprochen. Es ging immer nur um die Zukunft. Nun hat meine Frau weit entfernte Familienmitglieder kennengelernt. Eine Schwester ihrer Urgroßmutter.“

Inhaltsübersicht
140 Objekte bereits zurückgegebenErstes Misstrauen überwinden

140 Objekte bereits zurückgegeben

„Die wussten gar nichts voneinander“, sagt Regina Prinz, die Herkunftsforscherin des Münchner Stadtmuseums, „so wie die Familie, die jetzt auch hier ist, Familie Popper. Die haben einen Zweig in Argentinien und einen Zweig in den Vereinigten Staaten. Und die saßen dann auf Zoom plötzlich nebeneinander und haben sich zugewunken und gesagt: ‚Wow! Hi! Where are you? Where do you come from?'“

Prinz hat vor eineinhalb Jahren zusammen mit ihren Kollegen vom Bayerischen Nationalmuseum in bayerischen Archiven neue Quellen erschlossen. Seither konnten bereits 86 von insgesamt 140 Silberobjekten in den Depots des Stadtmuseumsn 26 Familien zurückgegeben werden. Darunter Löffel, Kerzenhalter oder eben der kleine Korb aus Silber. Nichts von großem materiellem Wert. Aber von umso größerem für die jeweilige Familiengeschichte. Die Stücke gehen in die USA, nach Südamerika, Israel, Australien, Italien, England oder Österreich. Auch das Holocaust-Claims-Processing-Büro in New York hat bei der Vermittlung geholfen, denn eine direkte Kontaktaufnahme mit möglichen Nachkommen ist oft schwierig.

Erstes Misstrauen überwinden

„Normalerweise, wenn ich denen eine E-Mail schreibe mit viel Information und einem schönen Dossier, wo alles beschrieben wird, was wir machen und warum das Objekt zu ihnen gehört, das wird als Spam identifiziert. Die Leute löschen das, haben Angst und denken, was ist das?“, erzählt Prinz.

Nur durch die Hilfe des Holocaust-Claims-Processing-Office in New York konnte oft das Misstrauen überwunden werden, bestätigt Adam Lazinsk, dessen Familie jetzt überdies Verwandte in Argentinien gefunden hat. Das einwöchige Treffen „Munich Roots“ hat auch erste persönliche Begegnungen der weit verstreuten Familienmitglieder ermöglicht. Außerdem haben sie sich erfolgreich auf die Spuren der Vorfahren gemacht: Im Hauptstaatsarchiv, im Stadtarchiv, aber auch auf dem alten Jüdischen Friedhof. Regina Prinz vom Stadtmuseum hat das alles organisiert und ist längst auch zu einer Familienforscherin geworden: „Wir wurden dann auch eingeschaltet: ‚Könnt ihr mal das lesen? Ich hab ein Tagebuch von meinem Opa. Ich kann das nicht lesen, das ist auf Deutsch. Könnt Ihr da übersetzen?‘ Und da waren wir plötzlich in dem nächsten Schritt, eigentlich einer Recherche.“

Der Silberkorb der Clementine Popper wurde übrigens zu ihrem Andenken dem Jüdischen Museum München gestiftet. Die „Munich Roots“-Woche wurde zu einem großen Erfolg, der nächstes Jahr mit anderen Familien wiederholt werden soll. Adam Lazinsk will wiederkommen: „This week in Munich has been ausgezeichnet“, sagt er.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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