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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Cash“: So lassen die reichsten Österreicher Salzburg erbeben
Kultur

„Cash“: So lassen die reichsten Österreicher Salzburg erbeben

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 23. November 2025 21:48
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Der Salzburger Weihnachtsmarkt hat gerade eröffnet, die Lichter glänzen, die Touristen strömen, da wird schon einiges hängen bleiben in der geschäftstüchtigen Mozart-Stadt, die vermutlich keinen Wert darauf legen wird, als „Labor der Ungleichheit“ bezeichnet zu werden, ein zweifelhafter „Ehrentitel“, der sich im Programmheft des örtlichen Schauspielhauses findet.

Inhaltsübersicht
„Diskrepanz nirgends so stark wie in Salzburg“„Geburtslotterie schreibt Standpunkt vor“Planschen im 38 Grad warmen Pool

„Cash“ heißt ein neues Stück, das dort entwickelt wurde. Thema der Uraufführung ist der Reichtum der Wenigen und die Armut der Vielen, ganz besonders an der Salzach. Bezeichnenderweise steht ein viel beschäftigter Geldautomat auf der Bühne, der überreichlich Hunderteuroscheine auswirft, jedenfalls an die Kunden mit den passenden Chip-Karten. Dazu wird der Aktienmarkt besungen und eine Geld-Meditation mit Hilfe eines imposanten Cannabis-Joints eingelegt.

„Diskrepanz nirgends so stark wie in Salzburg“

Autor und Regisseur Felix Hafner erklärt: „Zwei der reichsten Österreicher, die zwei reichsten Milliardäre des Landes, sind Salzburger. Das kommt bei uns auch im Stück vor. Bei der letzten Kommunalwahl hat man in dieser Stadt sehr stark gespürt, es geht um erschwinglichen Wohnraum und überhaupt eine auskömmliche Stadt für alle, die hier leben. Diese Diskrepanz ist so stark wie nirgends in Österreich, auch diese Form von prunkvollem, vermögendem Image, das diese Stadt repräsentiert. Das ist natürlich das Spannendste für uns, weil wir anhand dieser Stadt sehr viel über das Thema erzählen können, was auch sehr relevant ist für die Leute, die zu uns ins Theater kommen.“

Das Ranking der reichsten Österreicher [externer Link] bringt es an den Tag: Mark Mateschitz, der Erbe des Redbull-Konzern-Gründers, ist mit einem Vermögen von rund 37 Milliarden Euro auf Platz eins, der Auto-Clan Porsche-Piëch mit etwa 33 Milliarden Euro auf Platz zwei. Wolfgang Porsche will sich einen 500 Meter langen Privattunnel in den Salzburger Kapuzinerberg bohren lassen, um bequemer seine Villa erreichen zu können. Die fiktiven „Probebohrungen“ dafür erschüttern immer wieder die Bühne des Salzburger Schauspielhauses, so dass die Mitwirkenden Mühe haben, die Sektgläser der Weihnachtsfeier vor den Vibrationen zu retten.

„Geburtslotterie schreibt Standpunkt vor“

In der Familie, die sich hier trifft, ist gerade das alte Haus der Oma zu vererben. Aber wer soll es bekommen? Die Enkelin, die die Großmutter aufopferungsvoll gepflegt hat und die von einem Bio-Bauernhof träumt? Der schwule Enkel, der ziel- und mittellos Kunstgeschichte in Wien studiert? Oder die andere Enkelin, die seit Jahren ein Coaching-Programm zum Reichwerden in Vorbereitung hat, ohne damit allerdings bisher viel verdient zu haben?

Felix Hafner sagt: „Geld dient dazu, uns in gewisse Gesellschaftskategorien hineinzuversetzen. Das ist natürlich etwas, was uns auch angeboren wird. Wir bekommen mit der sogenannten Geburtslotterie einen Standpunkt in der Gesellschaft vorgeschrieben, mit dem wir unser Leben beginnen. Es ist natürlich im Sinne von denen, die mehr haben und immer haben werden, dass man nicht darüber spricht, wie diese Unterschiede eigentlich zustande kommen.“

Planschen im 38 Grad warmen Pool

Das junge Ensemble singt und spielt mit viel Ironie: Großartig, wie die Superreichen darüber grübeln, welchen Wunsch sie sich eigentlich in den letzten Jahren n i c h t erfüllt haben und wie sie täglich im 38 Grad warmem Poolwasser planschen, wenn sie nicht gerade mit dem Privatjet unterwegs sind oder über das nächste Facelifting nachdenken.

Felix Hafner und sein Team haben viele anregende Ideen zum Thema Wohlstand zusammengetragen, ohne den Abend zu einer sozialen Anklage werden zu lassen. Ganz im Gegenteil, hier darf auch der reiche Onkel sagen, was ihm wichtig ist: Bauernhäuser sind für Arme viel zu teuer im Unterhalt. Da wundert es nicht, dass zur Weihnachtsfeier etwas disharmonisch gesungen wird: Reiche und Arme können sich hörbar nicht auf eine Tonart einigen, nicht mal in der Mozart-Stadt Salzburg.

Wieder am 25., 26. und 28. November am Salzburger Schauspielhaus, weitere Termine bis 17. Dezember.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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