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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Arbeitsmarkt braucht Zuwanderung: Was das für Bayern bedeutet
Wirtschaft

Arbeitsmarkt braucht Zuwanderung: Was das für Bayern bedeutet

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 28. November 2024 06:49
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Um seine Wirtschaftskraft zu erhalten, ist Deutschland in den kommenden Jahren stark auf weitere Zuwanderung angewiesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Demnach braucht es bis 2040 jährlich 288.000 zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland. Andernfalls werde die Zahl der Arbeitskräfte um zehn Prozent zurückgehen, von derzeit 46,4 Millionen auf 41,9 Millionen. Ohne weitere Zuwanderung gäbe es in Deutschland bis 2060 sogar rund elf Millionen Arbeitskräfte weniger als noch heute.

Inhaltsübersicht
Wie sich der Zuwanderungs-Bedarf errechnetAngebot an Arbeitskräften: Die Prognose für BayernZuletzt höhere Zuwandererzahlen

Wie sich der Zuwanderungs-Bedarf errechnet

Die Kernaussage der Studie, wonach Deutschland bis 2040 jährlich mindestens 288.000 weitere Zuwanderer aus dem Ausland braucht, berechnen die Studienmacher anhand mehrerer Faktoren. Zum einen haben Alexander Kobius vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und Lutz Schneider von der Hochschule Coburg die aktuelle Zahl verfügbarer Arbeitskräfte zugrunde gelegt. Unter Berücksichtigung von unter anderem der Altersstruktur der Bevölkerung leitet sich das Arbeitskräftepotential für kommende Jahre ab.

Dem gegenüber steht der Arbeitskraftbedarf. Dieser unterliegt etwa wegen des Strukturwandels – zum Beispiel durch den Wegfall der Braunkohleindustrie und der Transformation der Autobranche – ebenfalls Veränderungen. Beide Prognosen in Kombination ergeben denn entweder den Schluss, dass es ein Überangebot an Arbeitskräften gibt – oder eben einen Mangel. Da die demografische Situation in den anderen EU-Ländern vergleichbar sei, müssten die Zuwanderer den Studienmachern zufolge „vor allem aus Drittstaaten kommen“. Auf BR-Nachfrage sagt Alexander Kobius vom IAB in Nürnberg: verlässliche Aussagen für einzelne Branchen ließen sich nicht treffen.

Angebot an Arbeitskräften: Die Prognose für Bayern

Die Prognosen für die einzelnen Bundesländer weichen laut Studie stark voneinander ab. Was das Angebot an Arbeitskräften angeht, ist ohne weiteren Zuzug aus dem Ausland bis 2040 vor allem in Ostdeutschland mit einem Rückgang zu rechnen, von bis zu 18 Prozent.

Unter anderem in Bayern würde das Arbeitskräfteangebot dagegen „weniger stark schrumpfen“. Es sei aber immer noch von einem Rückgang auszugehen. So gehen die Studienmacher hier von einem Minus von etwa acht Prozent bis 2040 aus. Beim zweiten Faktor, der Nachfrage nach Arbeitskräften in den Betrieben, sei in Bayern ein „gleichbleibend hoher Bedarf“ zu erwarten. Daraus ergibt sich im Freistaat unter dem Strich eine sogenannte Unterdeckung und ein steigender Bedarf an Arbeitskräften.

Zuletzt höhere Zuwandererzahlen

Um den Bedarf an Arbeitskräften bis 2040 zu decken, braucht es der Studie zufolge jährlich mindestens 288.000 Zuwanderungen aus dem Ausland. Tatsächlich sind in diesem Jahr mit rund 600.000 etwa doppelt so viele gekommen. Laut Alexander Kobius vom IAB in Nürnberg sind die hohen Zuwandererzahlen der vergangenen Jahre aber auf Kriege und Krisen zurückzuführen. Viele würden nicht ausreichend gut Deutsch sprechen oder seien nicht gut genug qualifiziert.

Außerdem sieht Kobius die hohen Zuwanderungszahlen als „Peaks“, aus denen sich keine Fortsetzung für die Zukunft ableiten lasse. Deutschland müsse sich mit Blick auf den Arbeitsmarkt also trotz der aktuell hohen Zuzugszahlen um weitere Zuwanderer aus dem Ausland bemühen. Lutz Schneider von der Hochschule Coburg, der die Studie mit Kobius zusammen verfasst hat, betont dabei: Mit Blick auf Zuwanderung und den Arbeitsmarkt müsse man künftig mehr differenzieren. Flucht-Migration und Zuwanderung aus Arbeitsmarkt-Gründen seien nicht dasselbe. Tatsächlich helfe uns Zuwanderung in Deutschland auch am Arbeitsmarkt. Die Studie zeige, „dass wir nicht einfach nur geben, sondern auch etwas bekommen“.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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