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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > 40 Jahre Tetris: Computerspiel-Klassiker aus Moskau
Kultur

40 Jahre Tetris: Computerspiel-Klassiker aus Moskau

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 6. Juni 2024 13:53
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Als der Game Boy 1989 in Japan das Licht der Welt erblickte und 1990 dann auch in Europa erhältlich war, lag jedem Modell das Spiel „Tetris“ bei. Das Spiel bestach in der damals noch recht neuen Welt der Computerspiele durch sein einfaches Prinzip, erklärt Matthias Oborski, Ausstellungsleiter des Computerspielemuseums Berlin: „Es wurden zum ersten Mal Menschen an Videospiele herangeführt, die sich überhaupt nicht hätten vorstellen können, Videospiele zu spielen, weil es halt so niederschwellig ist. Es ist sofort begreifbar, man kommt sofort rein. Eine Spielrunde kann schön kurz sein oder stundenlang.“

Inhaltsübersicht
Am 6. Juni ist „Tetris Day“„Das tut der russischen Kultur nicht gut“

Am 6. Juni ist „Tetris Day“

Vor 40 Jahren entstand „Tetris“ in einem Labor der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Moskau, an einem „Elektronika 60“, dem sowjetischen Klon eines kühlschrankgroßen amerikanischen Computers. Dort bastelte der Programmierer Alexei Paschitnow gerne kleine Spiele. Auch „Tetris“ war ursprünglich gleichermaßen privates Hobby, berufliche Fingerübung und beauftragter Hardware-Test. Auf einem Rechner, der eine monochrome Zeichen-Grafik und eine ebenso simple Tonausgabe hatte, lief die erste Version von „Tetris“ – angeblich am 6. Juni 1984, dem halboffiziellen „Tetris Day“.

Die auf Ihren Kollaps zulaufende UdSSR verkaufte die Lizenzrechte schon früh in den Westen, aber es war lange unklar, wer genau welche Rechte für welche Plattformen hatte. Aber dass „Tetris“ „jenseits des Eisernen Vorhangs“ entstanden war, wurde von Anfang an in der Gestaltung des Spiels und in der Werbung für selbiges mitgedacht: Ob es die Kreml-Zwiebeltürme auf dem Startbildschirm der Game Boy-Fassung waren, oder die Interpretation eines alten russischen Volkslieds als Soundtrack. Der damals schon legendäre Spielmusik-Komponist Hirokazu Tanaka machte daraus für den Nintendo Game Boy das heute legendäre „Tetris Thema A“ im 8-Bit-Sound. Diese Cover-Version wurde wiederum selbst immer wieder gecovert, etwa 1992 durch Andre Lloyd Webber, alias „Dr. Spin“.

„Das tut der russischen Kultur nicht gut“

Allerdings war „Tetris“-Entwickler Alexei Paschitnow vom Soundtrack seines Spiels Anfang der 1990er Jahre nicht sonderlich begeistert: „Ich fand das peinlich. Wenn irgendwo auf der Welt Kinder diese Musik hören, kreischen sie ‚Tetris, Tetris!‘. Das tut der russischen Kultur nicht gut.“

Die historischen Wurzeln von „Tetris“ sind heute nur noch Game-Enthusiasten bekannt. Oder allen, die den Apple-TV-Spielfilm „Tetris“ gesehen haben, in dem die abenteuerliche Geschichte erzählt wird, wie konkurrierende, westliche Software-Vertreter in Moskau mit kommunistischen Funktionären verhandelten. „Da die Sowjetunion relativ wenig Erfahrung mit Softwarevermarktungen hatte, ging es drunter und drüber. Da wurden dann formlose Vereinbaren getroffen. Diese Geschichte ist wirklich sehr, sehr wild“, sagt Oborski.

Was bleibt ist der anhaltende Einfluss von „Tetris“, das mit geschätzt 500 Millionen weltweit verkauften Exemplaren, eines der meistgespielten und damit einflussreichsten Games der Geschichte ist. Denn nach wie vor werden immer wieder neue Varianten auf immer mehr Plattformen veröffentlicht. Und „Tetris“ erscheint als Design-Topos auf T-Shirts und Hauswänden, auf Theaterbühnen und Kunstprojekten, in Spielfilmen und Fernsehserien.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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