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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > „Kampf gegen die Zeit“: Mit der Kettensäge gegen den Borkenkäfer
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„Kampf gegen die Zeit“: Mit der Kettensäge gegen den Borkenkäfer

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 6. April 2025 08:47
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Stefan Geßler von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) startet den Motor seiner Kettensäge. Und schon dröhnt es laut durch den zuvor stillen Wald. Er setzt die Säge am Ende des gefällten Baumes an und zieht sie über den gesamten Stamm. Damit schneidet er dünne Streifen in die Rinde des Baums. „Rindenschlitzen“ nennt man das Verfahren. Damit zerstört man die Niststätte für den Borkenkäfer. Rund 25 Waldbesitzer sind gekommen, um sich über das neue Verfahren in einem Waldstück bei Reichertshofen zu informieren.

Inhaltsübersicht
„Rindenschlitzen“: Für Besitzer mit kleinen Waldstücken interessantBorkenkäfer sind ein großes Problem in deutschen WäldernRindenschlitzen nur für kleinere Mengen Holz geeignet

„Rindenschlitzen“: Für Besitzer mit kleinen Waldstücken interessant

Das Verfahren ist vor allem für Waldbesitzer interessant, die nur einige wenige Hektar Wald besitzen und bewirtschaften – und bei denen es vorkommen kann, dass gefällte oder umgefallene Bäume längere Zeit im Wald liegen bleiben, weil es keine Möglichkeit gibt, sie sofort herauszuholen. In solchen Bäumen kann schon der Borkenkäfer sein oder sich dort einnisten. Innerhalb von wenigen Wochen entwickelt sich der Käfer unterhalb der Baumrinde und ist deshalb so schwierig festzustellen. Und da man nie weiß, in welchem Entwicklungsstadium der Baum ist, muss man schnell handeln.

„Beim Borkenkäfer kämpfen wir gegen die Zeit“, erklärt Andreas Hahn von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Ohne Rinde fehlt dem Käfer der Brutraum. Die allermeisten der Teilnehmer hatten schon Probleme mit dem Borkenkäfer: „Wenn du denkst, du bist fertig, kommt nach ein paar Wochen das nächste Viech daher“, erzählt Michael Loibl. Er hat etwa sieben Hektar Wald und seit fast einem Jahr kämpft er immer wieder gegen den Borkenkäfer.

Borkenkäfer sind ein großes Problem in deutschen Wäldern

Laut Andreas Hahn ist der Borkenkäfer nach wie vor eines der ganz großen Probleme in den deutschen Wäldern. Der Klimawandel mit langen Trockenperioden setzt die Bäume unter Stress, so werden sie anfälliger für Schädlinge. Und im Gegenzug entwickelt sich der Borkenkäfer bei höheren Temperaturen schneller. „Und auch gesunde Bäume können vom Borkenkäfer befallen werden“, so Hahn. Und ist ein Baum befallen, sind die Bäume im gesamten Umkreis in Gefahr. „Denn aus einem Baum können so viele Käfer heraus kommen, dass bis zu 25 weitere Bäume von den Tieren befallen werden. Das ist dann ein exponentielles Wachstum“, erklärt der Experte.

In den letzten Jahren habe deutschlandweit die Gefahr zugenommen. Negativ-Rekordjahr sei 2023 gewesen. Rund 6 Millionen Festmeter Schadholz bei der Fichte seien da auf das Konto der verschiedenen Borkenkäferarten gegangen. „Auch wenn 2024 rückläufig war, befinden wir uns nach wie vor auf einem hohen Niveau.“ Die Schadholzmenge sei in 2024 rückläufig gegenüber 2023 – war aber noch höher als 2022. Zudem gebe es regional auch starke Schwankungen.

Rindenschlitzen nur für kleinere Mengen Holz geeignet

Das sogenannte Rindenschlitzen lässt sich relativ einfach und unkompliziert vor Ort, direkt im Wald durchführen. Die Waldbesitzer benötigen allerdings die richtige Ausrüstung dafür. Und es ist nur für kleinere Mengen an Holz gedacht, da es körperlich anstrengend ist und man mehrere Minuten Arbeit pro Stamm einrechnen muss.

Nach der Demonstration lautet das Fazit der Teilnehmer „sehr interessant“. Die LWF hat das Verfahren auch auf seine Wirksamkeit hin untersucht und festgestellt: „Es ist wirksam – auch dann, wenn der Käfer schon im Baum drin ist, da reduziert sich die Anzahl der ausfliegenden Jungkäfern deutlich“, meint Andreas Hahn. Es hat sich gezeigt: Je früher der Stamm geschlitzt wird, desto effektiver ist die Methode.

Im Nationalpark Bayerischer Wald habe man dieses Verfahren weiterentwickelt. Hahn sieht darin großes Potenzial für die Wälder in ganz Bayern.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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