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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Sehr enttäuschend“: Sieger JJ gegen Teilnahme Israels am ESC
Kultur

„Sehr enttäuschend“: Sieger JJ gegen Teilnahme Israels am ESC

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 22. Mai 2025 10:49
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Damit dürfte JJ alias Johannes Pietsch die aufgeregte Debatte um Israels Teilnahme am ESC weiter befeuern – und sich viel Widerspruch einhandeln. In einem Gespräch mit der spanischen Zeitung „El Pais“ [externer Link] sagte er: „Es ist sehr enttäuschend, dass Israel noch am Wettbewerb teilnimmt. Ich würde mir wünschen, dass der Eurovision Song Contest nächstes Jahr in Wien stattfindet, ohne Israel. Aber der Ball liegt nun bei der EBU [dem Veranstalter des Wettbewerbs]. Wir Künstler können uns nur dazu äußern.“

Inhaltsübersicht
„Europa wird immer konservativer“„Mehr Transparenz beim Tele-Voting“„Ich liebe gutes Drama“

Am Rande des ESC hatte es wegen des Vorgehens der israelischen Regierung in Gaza heftige Kritik am Auftritt der Sängerin Yuval Raphael („New Day Will Rise“) gegeben. Sie ist eine Überlebende des Terroranschlags der Hamas auf das Nova-Musikfestival am 7. Oktober 2023.

„Europa wird immer konservativer“

Gleichzeitig kritisierte JJ (Siegertitel „Wasted Love“) die ESC-Organisatoren, weil sie den Wettbewerb „unpolitisch“ halten wollten: „Europa erlebt einen Rückschlag. Ich habe versucht, während des Finales eine LGBTQ+-Flagge hineinzuschmuggeln, aber die Organisatoren haben mich in letzter Minute erwischt.“

Er werde den ESC nutzen, um für die Rechte der queeren Community einzutreten und für mehr Gleichberechtigung zu sorgen, so Pietsch: „Wir sind immer noch mit einem großen Stigma behaftet, und leider wird Europa immer konservativer und macht Rückschritte. Das ist sehr, sehr enttäuschend, und es muss etwas dagegen unternommen werden.“

„Mehr Transparenz beim Tele-Voting“

Der Sänger schließt sich der verbreiteten Kritik am diesjährigen Abstimmungsverfahren an. Aus mehreren Ländern, darunter Spanien und Belgien, waren Zweifel aufgekommen, ob das Zuschauer-Voting verlässlich ist. Zwar ging es dabei nicht um etwaige technische Manipulationen der Abstimmung selbst, wohl aber um die mögliche Beeinflussung des Publikums durch die Schlagzeilen um den Gaza-Krieg: „Es sollte mehr Transparenz beim Tele-Voting geben. Dieses Jahr war alles sehr seltsam“, so Pietsch.

„Ich liebe gutes Drama“

Das spanische Staatsfernsehen und ein flämischer Sender hatten sich sehr besorgt über die Punktevergabe geäußert. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte sich gegen Israels Teilnahme beim ESC ausgesprochen und eine „Doppelmoral“ kritisiert, weil Russland wegen Putins Angriffskrieg auf die Ukraine auch nicht mehr antreten darf.

Israels Beitrag kam bei den internationalen Jurys mit insgesamt 60 Punkten vergleichsweise schlecht weg, während die Zuschauer aus zahlreichen Ländern die Höchstnote vergaben, weshalb Yuval Raphael bis kurz vor Ende der Live-Übertragung auf Platz 1 lag und dann doch noch von JJ überholt wurde, der beim TV-Publikum deutlich schlechter wegkam als bei den Fachleuten.

ESC-Direktor Martin Green hatte zur Kritik am Voting geäußert: „Jetzt, da die Veranstaltung vorbei ist, werden wir umfangreiche Diskussionen mit den teilnehmenden Sendern führen, über alle Aspekte des diesjährigen Wettbewerbs nachdenken und Feedback sammeln. Das wird in die Planungen des 70. ESC im kommenden Jahr einfließen.“

Als Sohn eines österreichischen Vaters und einer philippinischen Mutter wuchs der Countertenor JJ in Dubai auf, absolvierte seine musikalische Ausbildung jedoch in Wien, auch an der dortigen Staatsoper. Dort habe er sich in die Kunstform Oper vernarrt, als er mit 16 zum ersten Mal Puccinis „Tosca“ gesehen habe: „Ich war während der gesamten Vorstellung aufgeregt und fasziniert. Und ich liebe ein gutes Drama … im positiven Sinne.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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