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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Kapitän KI: Bald nur noch ein Pilot im Flugzeug-Cockpit?
Wirtschaft

Kapitän KI: Bald nur noch ein Pilot im Flugzeug-Cockpit?

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 10. Juni 2025 09:49
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Es ist noch gar nicht lange her, dass Flugzeuge von ganzen Mannschaften bedient wurden. Im Cockpit saßen neben den Piloten auch Funker, Flugingenieure und Navigatoren. Diese Jobs wurden im Lauf der Zeit weitgehend von der Technik übernommen. Übrig blieben Piloten und Co-Piloten, also zweiköpfige Teams. Doch auch das könnte sich allmählich ändern.

Inhaltsübersicht
Kapitän Sensor steuert den FliegerFrachtverkehr als erster EinsatzortPiloten wehren sichBehörden skeptisch – noch

Kapitän Sensor steuert den Flieger

Schon seit Jahren arbeiten Airbus und Boeing an sogenannten „Single Pilot Operations“, kurz SPO. Dahinter steckt die Idee, dass Sensoren und künstliche Intelligenz so viele Aufgaben übernehmen und das Flugzeug so zuverlässig steuern, dass es ausreicht, wenn nur noch ein Mensch im Cockpit sitzt. Dieser hat dann vor allem Überwachungsaufgaben und greift nur im Notfall ein.

Aus Sicht von Airlines hat das durchaus Vorteile, insbesondere was die Kosten betrifft. Zudem herrscht ein weltweiter Pilotenmangel, Maschinen müssen nicht auf die Toilette, sie melden sich nicht krank, sie brauchen keine Ruhezeiten und sie stellen keine teuren Tarifforderungen.

Frachtverkehr als erster Einsatzort

In der Luftfahrtbranche gehen die meisten Fachleute davon aus (externer Link), dass Ein-Personen-Cockpits – sollte es eine grundsätzliche Zulassung von Behörden wie der Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (EASA) oder der US-amerikanischen FAA geben – zunächst in Frachtfliegern Einzug halten werden. Konkret wird immer wieder die künftige Frachtversion des Langstreckenjets A350 von Airbus genannt.

In etwa zwei Jahren sollen die ersten Maschinen dieses Typs an Kunden wie „Cathay Pacific“ oder „Singapore Airlines“ gehen. Für den europäischen Flugzeugbauer Airbus ist diese Maschine ein entscheidender Baustein seiner Wachstumsstrategie. Denn bisher dominiert der US-Rivale Boeing das Geschäft mit großen Frachtern.

Airbus braucht deshalb für seine Maschine besondere Features, um sich im Wettbewerb abzusetzen. Ein Cockpit, das zumindest während des Reisefluges von nur einem einzigen Piloten bedient werden kann, wäre ein solcher Erfolgsfaktor. Zumal Boeing ernsthafte Anstrengungen unternimmt, um sein Erfolgsmodell 777 als Frachter entsprechend aufzurüsten.

Piloten wehren sich

Kaum ein technisches Thema in der Luftfahrt ist derzeit in Fachkreisen so umstritten wie das Konzept der SPO (externer Link). Während die Industrie die Entwicklung hin zu immer mehr Automatisierung als Meilenstein sieht, bewerten Pilotenverbände das naturgemäß anders – immerhin geht es auch um Arbeitsplätze.

Organisationen wie die deutsche Vereinigung Cockpit und der europäische Pilotenverband ECA argumentieren seit Langem, dass sowohl Flugzeugbauer als auch Airlines mit dem Einsparen eines Piloten auch den Rotstift bei der Sicherheit ansetzen würden. Sie verweisen auf das bewährte System, nach dem sich zwei Piloten gegenseitig kontrollieren. Vier Augen und zwei Gehirne seien die bessere Alternative.

So heißt es bei der Vereinigung Cockpit: „Die Zusammenarbeit von zwei Piloten im Cockpit als entscheidender menschlicher Faktor im Umfeld komplexer Technik bildet das Fundament für sichere Flüge.“ Die Verbände kämpfen deshalb mit einer Kampagne namens „One means none“ (externer Link) um Aufmerksamkeit und öffentliche Zustimmung. Zu Deutsch: „Einer heißt keiner.“

Behörden skeptisch – noch

Die EASA ist beim Thema Ein-Piloten-Cockpit noch skeptisch. Sie will sich zunächst die entsprechenden Technologien sehr genau ansehen. Eine umfassende Studie (externer Link) soll klären, wie der Stand „neuer fortschrittlicher Flugdeck-Technologien“ ist. Dabei geht es zunächst um die Frage, ob es möglich sein könnte, mit einem einzigen Piloten während des normalen Reiseflugs auszukommen. Also der Phase, die als vergleichsweise unkompliziert gilt. Das Ergebnis ist offen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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