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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > 80 Jahre EKD – mit starker Handschrift aus Bayern
Kultur

80 Jahre EKD – mit starker Handschrift aus Bayern

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 1. September 2025 09:48
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Am 31. August 1945, kurz nach Kriegsende, kamen evangelische Kirchenführer im hessischen Treysa zusammen. Deutschland lag in Trümmern, auch die Kirchen. Dort gründeten sie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). 80 Jahre später feiert die EKD ihr Jubiläum – und ringt zugleich mit ihrer Geschichte. Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs spricht von einer „Kirche, die nie stehenbleibt“. Doch leicht macht es sich die Kirche nicht.

Inhaltsübersicht
Bayern prägt EKD von Anfang anEine Kirche voller Konflikte – Schwieriger Umgang mit SchuldPapiere, die Wellen schlugenKalter Krieg und WiedervereinigungGesellschaftliche Stimme – und GlaubwürdigkeitskriseOffene Zukunft

Bayern prägt EKD von Anfang an

Von Beginn an spielte Bayern eine besondere Rolle. Landesbischof Hans Meiser pochte darauf, dass die Landeskirchen eigenständig bleiben: also dass München, Hannover oder Berlin selbst über Glaubensfragen und Finanzen entscheiden. Diese föderale Struktur bestimmt die EKD bis heute.

Jahrzehnte später prägte wieder ein Bayer die Kirche: Heinrich Bedford-Strohm, von 2011 bis 2023 Landesbischof in München und zugleich EKD-Ratsvorsitzender. Er war die laute Stimme in der Flüchtlingskrise, stand 2015 selbst am Münchner Hauptbahnhof und hieß Ankommende willkommen. Später mischte er sich in Klimadebatten ein, forderte konsequenteren Umweltschutz und scheute auch nicht den Streit mit der Politik.

Eine Kirche voller Konflikte – Schwieriger Umgang mit Schuld

Vieles in der EKD habe sich „auf evolutionärem Weg durchgesetzt und nicht auf revolutionärem Weg“, sagt der Münchner Kirchenhistoriker Karl-Heinz Fix im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Nach 1945 führten Theologen ihre alten Streitereien weiter – über das Selbstverständnis der Kirche, über Macht und Theologie.

Die berühmte Stuttgarter Erklärung vom Oktober 1945 bekannte Schuld, aber sie blieb abstrakt. „Das Credo war: Wir wurden verführt, wir waren im Widerstand. Da ist der Holocaust nicht thematisiert worden“, so Fix. Die Kirche sah sich selbst als Opfer. Der Massenmord an den Juden wird nicht erwähnt. Erst 1950 bekannte eine Synode klar Mitschuld durch Schweigen.

Papiere, die Wellen schlugen

Immer wieder sorgten Denkschriften der EKD für Aufregung. 1965 die Ostdenkschrift: Versöhnung mit Polen, Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze – für viele ein Tabubruch, besonders in Bayern mit seinen vielen Vertriebenen. 1985 die Demokratiedenkschrift: endlich ein klares Ja zum Grundgesetz.

2013 dann die Orientierungshilfe „Familie“. Sie stellte Patchwork-Modelle und gleichgeschlechtliche Paare neben die Ehe. Für viele Konservative war das ein Affront. Besonders in Bayern, wo man in Kirche und Politik lange am traditionellen Ehebild festhielt, löste das Empörung aus. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm stellte sich jedoch klar hinter das Papier: Nicht das Modell sei entscheidend, sagte er, sondern ob Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.

Kalter Krieg und Wiedervereinigung

Auch im Kalten Krieg war die EKD tief gespalten – über Wiederbewaffnung, über Atomwaffen. 1958 drohte die EKD am Streit über die atomare Bewaffnung der Bundeswehr auseinanderzubrechen. Am Ende rettete man die Einheit mit einer Formel: Trotz völlig gegensätzlicher Ansichten wolle man „unter dem Evangelium“ zusammenbleiben.

Nach 1990 kehrten die ostdeutschen Landeskirchen offiziell zurück. „Im Westen musste man sich nicht ändern, im Osten musste man sich vielfach ändern“, sagt Fix. So gab es in den neuen Bundesländern zu Beginn unter anderem keine Militärseelsorge, keinen staatlich garantierten Religionsunterricht und keine Kirchensteuer wie im Westen. Dazu kam: Die Landeskirchen im Osten waren finanziell schwach und hingen nach 1990 stark am Tropf der westlichen Kirchen.

Gesellschaftliche Stimme – und Glaubwürdigkeitskrise

Die EKD hat sich in vielen Debatten eingemischt: Friedensbewegung, Flüchtlingshilfe, Klimaschutz. Doch gleichzeitig bröckelt ihr Ansehen. Fix kritisiert scharf: „Ich höre oftmals Predigten, bei denen ich mir denke, wieso leisten wir uns fünf Jahre akademische Ausbildung von Theologinnen und Theologen? Das ist zum Teil eine Infantilisierung sondergleichen.“

Offene Zukunft

80 Jahre EKD – das ist keine reine Erfolgsgeschichte. Die Kirche hat Schuld bekannt, Debatten angestoßen, Streit ausgehalten und sich immer wieder neu erfunden. „Ihr macht unsere Kirche lebendig“, dankte Fehrs zum Jubiläum allen, die sich in der Kirche engagieren.

Die Probleme, vor denen die EKD heute steht, sind dennoch groß: Missbrauchsaufarbeitung, sinkende Mitgliederzahlen, knappe Kassen. Kirchenhistoriker Fix nennt die EKD eine „Konfliktgemeinschaft“. Gerade in Bayern zeigt sich, wie sehr Tradition und Reformwille aufeinanderstoßen – und wie offen die Zukunft bleibt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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