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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Krise oder Konjunktur? So geht es der Wirtschaft wirklich
Wirtschaft

Krise oder Konjunktur? So geht es der Wirtschaft wirklich

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 6. Oktober 2025 20:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Allein in Bayern haben im vergangenen Jahr 2.995 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Bundesweit waren es 21.812, so viele wie lange nicht mehr. Deutschlands Wirtschaft schrumpft das dritte Jahr in Folge. Auch die Arbeitslosenzahlen steigen. Sie liegen bei fast drei Millionen. Allein in Bayern waren im September 324.157 Menschen arbeitslos gemeldet, 30.664 mehr als im Vorjahresmonat.

Inhaltsübersicht
Gute Stimmung an der Börse: DAX-Unternehmen nicht nur auf Deutschland angewiesenPolitische Entwicklungen haben Aufschwung vermutlich abgebremstBörsenstimmung durch Erwartungen an die Zukunft zu erklärenExperte: Insolvenzen immer Teil des großen Ganzen

Gute Stimmung an der Börse: DAX-Unternehmen nicht nur auf Deutschland angewiesen

All diese negativen Schlagzeilen scheinen die Börse in Frankfurt unbeeindruckt zu lassen. Dort ist keine Krisenstimmung zu spüren. Hier kennt man seit langem nur eine Richtung: aufwärts. Der DAX hat sich in den vergangenen drei Jahren etwa verdoppelt. Doch wie passt das zusammen: Unternehmen unter Druck und zugleich Partystimmung an den Aktienmärkten? Die Erklärungsansätze sind grundverschieden und spielen doch ineinander.

Zum einen hilft ein genauerer Blick darauf, welche Unternehmen im DAX gelistet sind. „Wenn wir über deutsche Unternehmen reden oder deutsche Aktien, das sind in der Regel globale Konzerne, die nur einen kleinen Teil ihrer Wertschöpfung in Deutschland haben und hier den Firmensitz haben“, erklärt Fondsmanager Roger Peeters. „Das heißt, sie spiegeln im Prinzip immer die Weltkonjunktur. Da sieht es etwas besser aus als diese drei Jahre Rezession.“

Politische Entwicklungen haben Aufschwung vermutlich abgebremst

Zum zweiten ist es hilfreich, die politischen Entwicklungen im Verlauf der zurückliegenden Jahre zu betrachten. Der Präsident des Leibniz-Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung, Prof. Achim Wambach, berät auch das Bundeswirtschaftsministerium. Für ihn ist die andauernde Wirtschaftsflaute nicht nur eine konjunkturelle Delle.

„Die Industrie ist vor großen Herausforderungen, die Transformation hinzubekommen“, so Wambach. Jede Maßnahme der Regierung solle unter dem Vorbehalt stehen, ob sie der Wirtschaft helfe. Der angekündigte ‚Herbst der Reformen‘ müsse jetzt wirklich kommen. „Wir haben eine Strukturkrise“, konstatiert er. Steigende Rohstoffpreise und Energiekosten, enorm viel Bürokratie, Steuern und Abgaben machen den Unternehmen hierzulande zu schaffen. „Wenn wir die richtigen Weichen stellen, bin ich auch optimistisch, dass wir das auch hinbekommen“, so Wambach.

Börsenstimmung durch Erwartungen an die Zukunft zu erklären

Zum dritten ist es sinnvoll, sich anzuschauen, wie die Stimmung auf den Aktienmärkten überhaupt entsteht. Die Hoffnung auf Reformen sei bereits in den Börsenkursen eingepreist, glaubt Prof. Emanuel Mönch von der School of Finance & Management in Frankfurt. Die Aktienkurse steigen nicht nur wegen der Auslandsgewinne der Dax-Unternehmen.

„Ein weiterer Grund, dass die Börsenkurse steigen, während die Realwirtschaft vor sich hindümpelt, ist, dass es natürlich oft an der Börse auch darum geht, nach vorne zu schauen, den Blick nach vorne zu wenden. Und da kann man durchaus optimistisch sein.“ Es gebe in Deutschland jetzt wieder mehr Investitionen seitens des Staates. „Diese werden sich widerspiegeln in mehr Nachfrage. Und das wird schon an den Börsen auch vorweggenommen“, ist Mönch überzeugt.

Experte: Insolvenzen immer Teil des großen Ganzen

Und zum vierten hilft es auch, die Insolvenzzahlen auf längere Sicht zu betrachten. Denn Firmeninsolvenzen gab es schon immer, wie Michael Verken erklärt. Der Anwalt für Insolvenzrecht aus München erklärt sich die steigenden Zahlen als Spätfolge der Coronazeit: „Am Ende muss man sagen, zu unserem normalen Marktumfeld, zu der Marktwirtschaft, die wir betreiben, werden Insolvenzen immer Teil des großen Ganzen sein.“

Es gebe Unternehmen, deren Geschäftsmodell die nächsten Jahre nicht mehr existieren könne. Und genauso gebe es neue Unternehmen, die mit neuen Geschäftsfeldern hochkämen. „Es ist in gewisser Art und Weise die Normalität, die wir erleben. Es wird nur, weil die Zahlen so lange zu niedrig waren, jetzt natürlich sehr viel mehr wahrgenommen“, ordnet Verken ein.

Fazit: Beides existiert nebeneinander. Die sogenannte Marktbereinigung mit Unternehmen, für die es keine Zukunft gibt. Aber auch der optimistische Blick nach vorne an den Finanzmärkten, nur eben mit neuen Hoffnungsträgern, die möglicherweise nicht aus dem deutschen Mittelstand kommen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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