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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Babo – Die Haftbefehl-Story“: Eine Doku geht durch die Decke
Kultur

„Babo – Die Haftbefehl-Story“: Eine Doku geht durch die Decke

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 4. November 2025 13:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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„Babo – Die Haftbefehl-Story“ ist alles andere als eine Heldengeschichte. Aber das ist im Musik-Doku-Geschäft nichts Besonderes: Janis Joplin, Kurt Cobain, Amy Winehouse, sie alle sind auf ihre Weise zerbrochen, an Drogen, Erfolg, Depressionen. Neu ist, sich am Tiefpunkt filmen zu lassen, fallend, schwitzend, röchelnd, blutend. Denn genau so sehen wir Aykut Anhan alias „Haftbefehl“ über weite Strecken der Doku.

Inhaltsübersicht
Kein Denkmal, ein Mahnmal!Das Feuilleton feierte ihn als SprachgenieDoku löst Hype um Reinhard Mey aus

„Wir hätten nie geahnt, dass der Film am Ende eine solche Wucht entfalten würde“, sagt Fack-ju-Göhte-Schauspieler Elyas M’Barek, der mit dieser Doku erstmals als Produzent auftritt. „Ich weiß, dass er sehr hart und heftig ist. Aber er berührt und er ist ein Denkmal geworden.“ Da muss man leider widersprechen: Der Film kein Denkmal, sondern ein Mahnmal – gegen Drogenmissbrauch.

Kein Denkmal, ein Mahnmal!

Was also ist so besonders an diesem Rapper? Warum halten ihm die Fans auch nach diesem „Elendsporno“ (Pop-Kritiker Klaus Walter) die Treue?

Aykut Anhan wurde als Sohn kurdisch-türkischstämmiger Eltern nahe Frankfurt geboren. Ende der Nullerjahre trat der heute 39-Jährige erstmals in Erscheinung. Für viele junge Menschen mit Migrationshintergrund wurde er schnell zum wichtigsten Musiker Deutschlands, weil er ihr Leben und ihre Probleme sichtbar machte. Und er veränderte den Sound des Deutschraps, mischte Deutsch, Türkisch, Kurdisch und Arabisch, reimte „AMG“ auf „Hauptschulabschluss“ und „Offenbach“ auf „knallt“: Mit klassischen Reimstrukturen aus dem Schulunterricht hatte das nichts mehr zu tun, aber die Musik floss trotzdem. Haftbefehl: das war Klang statt Grammatik. Mit seinen Texten prägte er auch die Sprache nicht-migrantischer Jugendmilieus. Viele Albumbesprechungen waren hymnisch. Mit 14 Jahren hatte Aykut Anhan die Hauptschule abgebrochen, jetzt feierte das Feuilleton seine Sprachkunst.

Das Feuilleton feierte ihn als Sprachgenie

Dazu die Authentizität: Er sang offen über die Traumata seiner Kindheit, über Exzesse, seine Zeit als Dealer, den gewalttätigen Vater, Depressionen. „Haftbefehl habe dem deutschen Rap die Belanglosigkeit ausgetrieben, den Besserverdiener-Müsli-Rap von den Fantastischen Vier und Jan Delay zu Grabe getragen“ und „dem Rap die Straße zurückgegeben“, schrieb der Spiegel.

Anders als andere Hip-Hop-Stars ist Aykut Anhan selbstironisch und reflektiert, das bescheinigt ihm zumindest Juan Moreno, der Regisseur der Doku. Mehr als zwei Jahre hat er den Musiker begleitet. Und Moreno ist nicht leicht zu täuschen: Er ist der Spiegel-Journalist, der die erfundenen Geschichten von Claas Relotius entlarvte.

Irgendwann zu Beginn der 2020er Jahre beginnt Aykut Anhan die Kontrolle zu verlieren, erscheint nicht auf Terminen, muss Konzerte abbrechen. Seine Tournee 2022 wird abgesagt, er geht auf Entzug, bricht ihn ab. Ein guter Vater ist er nicht, und er weiß das.

Die Doku zeigt das alles schonungslos, manche meinen auch: schamlos. Denn beim Zuschauen hat man nicht den Eindruck, dass Aykut Anhan noch klar beurteilen kann, welches Bild er da abgibt. Auf die Frage, warum er sich so filmen ließ, sagt er: „Ich wollte meine Geschichte richtig erzählen, aus meiner Sicht, falls mir irgendwann etwas passiert.“

Doku löst Hype um Reinhard Mey aus

Gerade wegen ihrer Schonungslosigkeit ist „Die Haftbefehl-Story“ ein Rieserfolg: Sie ist etwas besonders, überschreitet Grenzen. Sowas wollen immer alle sehen, auch die, die den Rapper vorher vielleicht gar nicht kannten. Seine Fans lieben ihn eh so, wie er ist: kompromisslos, traurig, verletzlich und verletzt.

Am Ende der Doku spielt er ein Lied von Reinhard Mey ab: „In meinem Garten“. Seitdem lieben Haftbefehl-Fans Reinhard Mey. Während Gangsta-Rapper-Kollege Bushido mit seinem ebenfalls deutlich älteren Kollegen Karel Gott noch ein gemeinsames Lied aufnahm, ist das im Fall von Haftbefehl-Mey nicht zu erwarten. Das liegt allerdings nicht an Mey, der ist mit seinen 82 Jahren fit. Aber Haftbefehl traut man nach dieser Doku keinen einzigen Song mehr zu. „Eine Legende ist man erst, wenn man tot ist“, sagt der Rapper einmal. Man könnte denken: Der Mann arbeitet daran. Vorher hat er aber erstmal einen Auftritt beim World Club Dome im Juni 2026 in Frankfurt angekündigt.

Im Audio hören Sie ein Gespräch zwischen BR-Moderatorin Nina Lenz und Pop-Autor Fridolin Achten.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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