Zum 100. Geburtstag von Peter Thomas
Filmkomponist mit Kultstatus
Filmkomponist mit Kultstatus
Am 1. Dezember jährt sich der Geburtstag von Komponist Peter Thomas zum 100. Mal. Vielen ist er durch seine Titelmusik zu „Die Raumpatrouille“ bekannt, aber auch für seine Scores zu „Der Hexer“ oder „Jerry Cotton“. Wir haben aber auch noch ein paar ziemlich skurrile Werke von ihm aus den wilden 60er- und 70er-Jahren gefunden.

Bildquelle: Bavaria Film
Raumpatrouille Orion: Der große Erfolg
Ein Best-of der Soundtracks von Peter Thomas ist ohne die „Raumpatrouille“ einfach nicht denkbar. Sie ist und bleibt ein Stück deutscher Kultur des 20. Jahrhunderts.
Raumpatrouille | Soundtrack Suite (Peter Thomas)
1965 und 1996 bannte er die ganze Weite der Landschaften des Wilden Westens in seine Musik zu „Der letzte Mohikaner“ und „Winnetou und Old Firehand„. Insgesamt 18 Mal vertonte er ab 1961 Filme aus der berühmten Edgar-Wallace-Krimi-Reihe, unter anderem natürlich „Der Hexer“. Dem Krimigenre blieb er auch ab 1965 durch seine ebenso spannungsgeladene wie lässig-coole Musik zu „Jerry Cotton“ treu und trug maßgeblich dazu bei, dass beide Reihen zu Straßenfegern wurden.
Raumpatrouille Orion: Hier erfahren Sie mehr zu dem Kultsoundtrack.
Der Hexer: Die andere Seite des Peter Thomas
PETER THOMAS Der Hexer
1968 erschien die Verfilmung des Skandalbuches der 20er-Jahre „Die vollkommene Ehe“ des niederländischen Urologen Theodoor Hendrik van de Velde. Dessen zentrale Aussage war, dass man in der Ehe Spaß am Sex haben darf, was zuvor jahrhundertelang als verpönt galt. Der Oswald-Kolle-Regisseur Franz Josef Gottlieb nahm sich des Aufklärungsstoffes liebevoll an und Peter Thomas machte angemessen erotische Musik dazu.
Natascha: Skurriler Kultsoundtrack mit Jazzelementen
„Die vollkommene Ehe“ und ihre Fortsetzung waren bei weitem nicht Thomas‘ einzige Erotikstreifen, tatsächlich ist 2005 eine ganze Compilation mit seinen Erotiksounds erschienen. Laut Peter Thomas sei der Zweck der Compilation die sinnliche Stimulation, so wird er wie folgt zitiert: „Wenn’s mal bei einem Lied nicht so klappen sollte, wie es der Composer beschrieben hat, dann bitte – ohne Hemmungen – mich anrufen …“ Typisch ist die Kombination von typischen Beat- und Jazzelementen, aber auch mit dem ungewöhnlichen Einsatz der Stimme (hauchen, stöhnen, schreien).
Natascha (Main Theme)
Gerne hätten wir Ihnen zum Beispiel den Score zu „Urlaubsreport – Worüber Reiseleiter nicht sprechen dürfen“ präsentiert, doch leider findet sich der Streifen nicht auf YouTube sondern vorrangig auf ab-18-Videoportalen.
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Anlässlich seines 90. geburtstags hat BR-KLASSIK ein Interview mit Peter Thomas geführt. Hier können Sie es lesen.
Soundtracks für B-Movies der 70er Jahre
Ebenfalls mehr als einen Hauch von Erotik versprühte 1971 das Filmdrama „Unter den Dächern von St. Pauli“, das als Milieustudie über Sex, Mord und Todschlag daherkommt. Nicht fehlen dürfen da die Drogen …
Haschkeller – Peter Thomas
Musik für Heinz Erhard und grße TV-Shows
Konservativer gab sich Peter Thomas in den 70er-Jahren. 1974 ging mit „Der große Preis“ eine der erfolgreichsten deutschen Quiz-Sendungen aller Zeiten an den Start. Zwar stammte Wums Hit von der Miezekatze von Loriot, aber die berühmte Titelmelodie hatte Peter Thomas komponiert. Und 1972 steuerte Thomas die Musik zum Heinz-Erhardt Streifen „Unser Willi ist der Beste“ bei und meisterte dabei den Spagat zwischen Familienunterhaltung der 50er-Jahre und der wilden Post-68er-Zeit: Heinz Erhard rettet im Song umringt von Hippies liebevoll eine Biene.
Heinz Erhard Unser Willi ist der Beste Intro
Über Komponist Peter Thomas

Peter Thomas wurde am 1. Dezember 1925 in Breslau geboren. | Bildquelle: rossi photography / stolenmoments.de
Peter Thomas wurde am 1. Dezember 1925 in Breslau geboren, übersiedelte aber mit seinen Eltern aber schon während seiner Kindheit nach Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Barpianist in allen vier Sektoren der Stadt – eine Tätigkeit, die ihm verschiedenste Musikstile nahe brachte und ihn entscheidend prägte. Während seines Studiums interessierte ihn die klassische Musik ebenso wie die Hits der amerikanischen Unterhaltungsmusik, die er über den Soldatensender AFN kennen lernte. Nach dem Studium arbeitete Thomas als Arrangeur für verschiedene deutsche Rundfunkanstalten, von wo es ihn bald zum Fernsehen zog. In der Folge schrieb er Musik für unzählige Filme und Serien, vor allem für Krimis von Francis Durbridge und diverse Folgen der Edgar-Wallace-Reihe.
Einzigartige Mischung aus Jazz, Klassik, Beat und Avantgarde
Seinen größten Erfolg aber erntete er mit dem Soundtrack zur Science-Fiction-Serie „Raumpatrouille „, die bis heute Kultstatus genießt. Die einzigartige Mischung aus Jazz, Klassik, Beat und avantgardistischen Klängen wurde zu einem Markenzeichen für Thomas. „Meine Leidenschaft ist das große Orchester“, sagte er einmal in einem BR-KLASSIK-Interview. Seit 2007 gibt es das Peter-Thomas-Archiv, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, sämtliche Filme, Texter und Tonträger, die Musik von Thomas enthalten bzw. sich mit ihm beschäftigen, zu sammeln und zu katalogisieren. Peter Thomas starb am 17. Mai 2025.
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Sendung: „Leporello“ am 1. Dezember 2025 ab 16:03 Uhr auf BR-KLASSIK

