Im Hintergrund die Pyramiden von Gizeh, im Vordergrund ein Mann in Lederhose, Samtweste und Haferlschuhen. Ein Flügelhorn in der Hand, geht er durch die staubig-steinerne Ebene vor den zwei riesigen Bauwerken. Mit diesem großen Bild beginnt der Film über Franz Himpsl und seine Band.
Genauer gesagt: mit seinem Solo vor den Pyramiden. Mehreres ist daran bemerkenswert: die Tracht passt auf den ersten Blick nicht zu den Pyramiden. Aber die Musik klingt auch ganz anders, als die Tracht es erwarten lässt. Womit der Ton gesetzt ist: es geht hier um Menschen und Musik, die sich so leicht nicht einordnen lassen.
Seit über 30 Jahren gibt es die Unterbiberger Hofmusik
Der zweite Schauplatz: Unterbiberg, ein Dorf im Speckgürtel südlich von München. Hier hat die Hofmusik ihre Homebase, hier wohnt Franz Himpsl mit seiner Frau Irene, hier sind seine Kinder groß geworden.
Seit über 30 Jahren gibt es die Unterbiberger Hofmusik. 1992 hat Franz Himbsl sie gemeinsam mit seiner Frau gegründet. Bis heute ist es eine Familien-Band und -Bande. Zu fünft sind die Himpsls seit Jahren unterwegs. Mit Tuba, zwei Trompeten, Horn und Akkordeon spielen sie in einer klassischen Blasmusik-Besetzung. Seit jeher freut sich die Kapelle über Musiker aus der ganzen Welt als Gäste und Ergänzung. Die Gastmusiker etwa aus Brasilien, der Türkei oder aus Syrien hätten immer ihre eigenen Idee eingebracht, erzählt Franz Himpsl. „Es ist so verbindend, weil du brauchst die Sprache nicht können, um Musik miteinander zu machen.“
Kein klassisches Blasmusik-Reportoire
Mit seiner Lederhose, der roten Samtweste und seinen musikalischen Fähigkeiten wäre Franz Himpsl auch ein veritabler Kapellmeister auf dem Oktoberfest. Aber nichts liegt diesem Mann ferner, als Partyhits oder das klassische Blasmusik-Reportoire zu spielen. Die Unterbiberger Hofmusik hat schon früh begonnen, Genre-Zäune umzurennen. Dafür ist auf der Wiesn kaum Platz. Aber eine Karriere als Musiker war im Leben von Franz Himpsl ja auch nicht vorgezeichnet. „In meiner Familie hat niemand was mit Musik zu tun gehabt. Das war eher Sport, ich bin dann auch Sportlehrer geworden, aber mit Musik haben wir Null am Hut gehabt.“
Musik für und mit Menschen aus aller Welt
Geboren ist er in Mutzenwinkel am Brotjacklriegel, tief im Bayerischen Wald. Hier ist Franz Himpsl groß geworden, bis er alt genug war, um sich in der Welt umzuschauen. Raus aus dem Bayerwald, das war schon früh sein Plan. Aber auch München wurde ihm musikalisch dann zu eng. Und so macht er Musik mit Menschen aus aller Welt. „Das eine ist für mich Respekt, ganz wichtig. Das zweite ist, nicht in die Hosen scheißen. Einfach aufeinander zugehen. Was soll denn passieren?“
Es kann schon einmal ein Konzert in die Hosen gehen, weil der Funke nicht überspringt zum Publikum – und das sieht man auch in diesem Film. Aber das zählt am Ende nicht. Was zählt? Dass dieser Franz Himpsl auf die Menschen zugeht, mit ihnen eine Verbindung aufbaut, egal ob auf bayerisch, arabisch, türkisch oder musikalisch. Fast immer klappt’s: die Menschen werden neugierig, öffnen Tür und Herz. Vielleicht auch deshalb, weil Franz Himpsl gern sein Flügelhorn spazieren trägt. Ein Smartphone hat er dafür selten in der Hand. Was man schon so deuten könnte: Musik ist für die Kommunikation viel hilfreicher. Allein daran wieder erinnert zu werden, macht diesen unaufgeregten Film sehr sehenswert.

