Es ist nur einen Steinwurf vom Kolosseum entfernt: Auf dem Colle Oppio, einem der sieben Hügel Roms, stehen noch heute die Ruinen der Therme des römischen Kaisers Trajan. Darunter verbirgt sich ein Komplex aus noch viel älteren Bauten. Sie sind schon vor Jahrhunderten in Vergessenheit geraten, denn als Kaiser Trajan seine Thermen baute, ließ er sie einfach zuschütten. Keiner kümmerte sich um die Schätze, die dort unten liegen.
Verborgener Gewölbegang seit Kurzem wieder zugänglich
Seit Kurzem können Besucher hinabsteigen in das verborgene Reich. Touristenführerin Chiara Ridolfi führt in einen Gewölbegang aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, in etwa der Zeit des römischen Kaisers Nero. Die Beleuchtung hier ist schummrig, doch das tut der Begeisterung der Besucher keinen Abbruch.
Eine der Wände schmückt ein riesiges Fresko. Es zeigt eine Stadt aus der Vogelperspektive, umgeben von Mauern und Türmen in erstaunlicher Detailtreue. „Es handelte sich vermutlich um ein öffentliches Gebäude mit einem wunderbaren Fresko, der sogenannten Città Dipinta (auf Deutsch: Gemalte Stadt)„, erklärt Ridolfi. „Es ist eine Hafenstadt. Vielleicht auch eine idealisierte Stadt, keine echte.“
Größtes jemals gefundenes Mosaik aus der Römerzeit
Die Besucher steigen eine schmale Metalltreppe hinab. Ein Stockwerk tiefer, ein weiterer Fund: An der Wand prangt ein Mosaik, zehn Meter hoch und 16 Meter breit. Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich um das wohl größte jemals gefundene Mosaik aus der Römerzeit handelt. Es zeigt eine Theaterszene mit mehreren Figuren: ein Philosoph, einige Musen, ein Zentaur. Jahrhunderte unter der Erde haben die Farben erstaunlich gut konserviert, besonders die Blautöne leuchten noch immer.
Über diese Pracht staunen nicht nur Touristen: „Auch wenn man in Rom lebt, ist einem nicht bewusst, wie viel es hier zu sehen gibt. Wir haben großes Glück, solche kulturellen Einblicke zu bekommen“, schwärmt die Römerin Giulia Paccarié nach der Führung. Auch Luigi Annibale ist sichtlich begeistert: „Als jemand, der in Rom geboren und aufgewachsen ist, glaube ich, dass viele Römer den Traum haben, einmal zurückreisen zu können und sich anzusehen, wie man damals gelebt hat“, sagt er.
Funde geben Aufschluss über das Leben im alten Rom
Das Mosaik schmückte vermutlich ein öffentliches Gebäude, vielleicht auch eine Empfangshalle, erklärt Touristenführerin Ridolfi. Genauso wie die Ruinen der später erbauten Thermen verrate es viel über das Leben im alten Rom: „Die Menschen haben es geliebt, in Gesellschaft zu sein, und es war ihnen wichtig, ihren Körper zu pflegen. Es gab hier auch zwei Bibliotheken – also man sieht, dass auch Orte für die Kultur wichtig waren.“
Die Trajansthermen und ihre farbenfrohe Unterwelt können ab Oktober jeweils von Freitag bis Sonntag besichtigt werden. Pro Tag gibt es von 10.00 bis 15.00 Uhr sechs Zeitfenster für die Führungen. Allerdings nur für jeweils 15 Besucher gleichzeitig. Denn die Forscher wollen erst einmal testen, wie die wertvollen Werke auf die veränderte Luftfeuchtigkeit reagieren.

