Eine nur scheinbar glückliche Familie in der westdeutschen Provinz, Mitte der 80er Jahre. Denn permanent schwelt ein Streit: Das Körpergewicht von Cornelia, Ehefrau und Mutter, ist zu hoch – allerdings nur in den Augen des Ehemannes. Der heißt Werner und ist, ganz Patriarch, von der Idee besessen, dass seine angeblich zu dicke Frau für seine Misserfolge verantwortlich ist.
Bestsellerverfilmung von Daniela Dröscher
Um diese toxische Beziehung geht es in „Lügen über meine Mutter“, einem Bestseller von Daniela Dröscher – vor vier Jahren erschienen. Und dessen Filmrechte sich die Münchner Schauspielerin Rosalie Thomass damals sofort gesichert hatte: „Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass diese Mutter ein riesiges Potential hat, das sie selber nicht sehen kann. Aber das war was, was ich aus meiner Kindheit kannte von meiner Mama – diese Sorgearbeit für die Kinder, die Hausarbeit, wo man immer so ein „nur“ davor schreibt, nur Mutter, nur Hausfrau, diese Geringschätzung der Gesellschaft – das waren die Themen, die neben dem großen Körperthema mich ganz in der Tiefe berührt haben.“
Rosalie Thomass hat das Drehbuch geschrieben und spielt die Hauptrolle
Rosalie Thomass hat, basierend auf dem Roman, das Drehbuch geschrieben. Von Anfang an stand für sie auch fest, die Hauptrolle zu spielen, wie Cornelia um Selbstbestimmung und immer wieder um Würde ringt – zum Beispiel als ihr Mann darauf besteht, ab sofort täglich ihr Gewicht zu kontrollieren, und sie auf die Waage zwingt: Cornelia sucht nach und nach ihren eigenen Weg – unbeirrt von der Kritik ihres Mannes, aber auch der Gesellschaft, was ihr Äußeres betrifft.
Den Druck, einem bestimmten Schlankheitsideal zu genügen, möglichst in Kleidergröße 34, kennt Rosalie Thomass nur zu gut aus eigenen Erfahrungen in ihrer Karriere. Sie erzählt: „Bei den Anproben zu diesem Film habe ich auf einmal gespürt, dass dies das erste Mal war, wo es nicht darum ging, dass ich möglichst dünn aussehe. Das ist total schön. Und das war insofern eine Befreiung, weil es auch künstlerisch viel interessanter war.“
Das Team unter der Regie von Aron Lehmann arbeitete mit verschiedenen Kameraperspektiven und Kostümen. Und ja, sagt Rosalie Thomass, sie habe für die Dreharbeiten auch ein paar Pfunde zu- und wieder abgenommen. Doch Gewichtsangaben spielen weder im Buch noch im Film eine Rolle – in diesem Plädoyer für weibliches Empowerment.
„Body Positivity“ in Gefahr
Ein Thema aktueller denn je, findet auch die Autorin der Romanvorlage, Daniela Dröscher. Denn von der mühsam errungenen „Body Positivity“, die jeden Körper wertschätzt und akzeptiert, hat sich die Gesellschaft wieder entfernt: „Wir leben in einer Zeit, da werden Frauenrechte weltweit wieder so sehr beschnitten. Und das hat zu tun mit autoritären Strömungen und damit, dass Frauen wieder dahin zurückgehen sollen, wo sie der Meinung dieser Männer nach hingehören. Und das hat mit Macht zu tun. Und Teil dieses Machtspiels ist natürlich das Aussehen. Und das ist so sehr gelernt durch auch unsere Mütter und die Generationen davor, dass wir uns diesem männlichen Blick zu fügen haben. Und ich glaube, den müssen wir so Stück für Stück aus uns vertreiben. Ich sage immer exorzieren.“
In „Lügen über meine Mutter“ geht es um eine starke Frau, die letztlich auf die sogenannten Konventionen pfeift, großartig verkörpert von Rosalie Thomass. Ein Film für Frauen und für Männer. Kinostart am 8. Oktober 2026.

