Kritik Münchner Philharmoniker mit Buchbinder
Beethoven als Lebensaufgabe
Beethoven als Lebensaufgabe
Das Programm? Klassiker! Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 und Brahms vierte Symphonie. Was den Abend mit den Münchner Philharmonikern besonders macht: Die unterschiedlichen Temperamente von Pianist Buchbinder und Dirigent Lahav Shani.
Bildquelle: Münchner Philharmoniker / Tobias Hase
Klassik aktuell
Kritik: Rudolf Buchbinder und die Münchner Philharmoniker
Rudolf Buchbinder und Ludwig van Beethoven. Das sind zwei Namen, die für viele Fans fast schon so etwas wie ein Synonym bilden. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der österreichische Pianist immer wieder aufs Neue mit den Klavierwerken des Komponisten. In München kennt man seinen Beethoven von mehreren zyklischen Aufführungen der Sonaten, oder durch Interpretationen der fünf Klavierkonzerte. Das zweite aus dieser Reihe stand nun wieder einmal bei den Münchner Philharmonikern auf dem Programm, wo Rudolf Buchbinder auf den designierten Chefdirigenten Lahav Shani traf. Zwei Künstler mit durchaus unterschiedlichen Temperamenten.
Rudolf Buchbinder – Ein Mann mit Stil
Natürlich hat der 79-jährige Pianist Buchbinder seinen eigenen Stil längst gefunden. Und so sind auf den ersten Blick auch diesmal keine grundlegenden Überraschungen zu erwarten. Man weiß, was man bei ihm bekommt: Eine konstante und in sich schlüssige Lesart, die fest in der Tradition verwurzelt ist. Das ist auch gut so. Der Altmeister weiß, was er tut, und präsentiert in der Isarphilharmonie einen sehr klaren und eleganten Beethoven, bei dem die Strukturen mit analytischem Blick herausgearbeitet werden.
Gerade der langsame zweite Satz strahlt dank Buchbinders sauberem Anschlag eine kühle Noblesse aus. Und dennoch gibt es immer wieder diese kleinen Momente, in denen sich unerwartet ein verschmitztes Lächeln auf seine Lippen schleicht und er sich wie ein kleiner, frecher Junge auf die Noten stürzt – so als würde er sie zum ersten Mal sehen.
Das könnte Sie interessieren:
Rudolf Buchbinder steht seit Jahrzehnten auf der Bühne. Routine? Fehlanzeige. Nervosität und hohe Erwartungen nehmen sogar zu, erzählt er im Interview mit BR Klassik. Seine Technik hingegen werde besser.
Shani und Buchbinder – Ein Duo mit Reibungspotenzial
Lahav Shani ist bei diesem musikalischen Gipfeltreffen klug genug, dem Beethoven-Experten meist die Führung zu überlassen und sich auf die Rolle des aufmerksamen Begleiters zurückzuziehen. Was nicht heißt, dass er als gelernter Pianist nicht ebenfalls seine eigenen Ideen zu diesem Klavierkonzert hat. Das sorgt zuweilen für Reibungsenergien, die vor allem dem Finalsatz Spannung verleihen. Denn hier lassen sich Shani und sein Orchester endgültig von Buchbinders Spielfreude anstecken und mitreißen.
Kennenlernen von Philharmonikern und Shani noch erkennbar

Rudolf Buchbinder mit den Münchner Philharmonikern (2025) | Bildquelle: Münchner Philharmoniker / Tobias Hase
Die Philharmoniker und ihr designierter Chef haben in München bereits für so manche gemeinsame Sternstunde gesorgt und bewiesen, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt. Ganz abgeschlossen scheint die Kennenlernphase allerdings noch nicht. Denn hin und wieder scheint man sich doch noch vorsichtig aneinander heranzutasten. Dies gilt an diesem Abend vor allem für die vierte Symphonie von Johannes Brahms, bei der Shani gleich im ersten Satz Mut zum Risiko beweist und die einzelnen Instrumentengruppen so ordentlich auf Trab hält. Er liefert dabei eine Interpretation, die einerseits auf den sonoren Streicherklang der Philharmoniker vertraut, zugleich aber auch eigene Akzente zu setzen versucht.
Die forsch vorwärtsdrängenden Tempi sorgen da zuweilen für kleine Unsauberkeiten. Gerade im kraftvoll pulsierenden Scherzo sind nicht alle Einsätze so homogen, wie man es sich im Idealfall wünschen würde. Trotzdem ist es eine Interpretation, die vor Leben nur so strotzt. Das ist am Ende eigentlich wichtiger als Perfektion.
Video: BRSO, Lahav Shani und Rudolf Buchbinder spielen Brahms (2017)
Bildquelle: Marco Borggreve Photography/Marco Borggreve
BR-KLASSIK: Brahms Klavierkonzert Nr. 2
Lahav Shani und Rudolf Buchbinder spielen Brahms
Autor des Textes: Tobias Hell
Sendung: „Allegro“ am 12. März 2026 ab 6:05 Uhr auf BR Klassik.

