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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Wert kaum zu beziffern“: Gutenberg-Bibel in München zu sehen
Kultur

„Wert kaum zu beziffern“: Gutenberg-Bibel in München zu sehen

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 12. März 2026 10:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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In der Bayerischen Staatsbibliothek in München kommt ein Stück Mediengeschichte dem Publikum so nah wie sonst kaum. In der Schatzkammer wird an nur zwei Tagen eine originale Gutenberg-Bibel aus dem Jahr 1454/1455 präsentiert. Dass sie überhaupt öffentlich zu sehen ist, ist eine Seltenheit: Zuletzt wurde sie vor 17 Jahren gezeigt.

Inhaltsübersicht
Gutenberg-Bibel als Startschuss des BuchdrucksHoher Schutzaufwand und kaum bezifferbarer WertHandarbeit nach dem Druck macht jedes Exemplar zum UnikatTabula rubricarum: Rote Hinweise nach PlanB42 und Zeilen-Experiment: Optimierung während der ProduktionWarum die Gutenberg-Bibel bis heute fasziniert

Gutenberg-Bibel als Startschuss des Buchdrucks

Die Gutenberg-Bibel gilt als das erste mit beweglichen Lettern gedruckte Buch der westlichen Welt. Bewegliche Lettern sind einzelne Metallbuchstaben, die sich immer wieder neu zusammensetzen lassen. Vorher wurde jedes Buch per Hand abgeschrieben. Das dauerte sehr lange, kostete enorm viel Geld und machte jedes Exemplar zum Unikat. Mit dem Druck ließ sich Wissen plötzlich in größeren Mengen verbreiten.

Dass die Gutenberg-Bibel nur selten gezeigt wird, hat mehrere Gründe. Zum einen ist jede Ausstellung für ein so altes Werk eine Belastung: „Es ist für solche Stücke immer mit Stress behaftet, sie dem Tageslicht beziehungsweise dem abgedunkelten Raum auszusetzen“, sagt Claudia Bubenik, Leiterin der Abteilung für Alte und Seltene Drucke, dem BR. Auch deshalb ist die Präsentation auf zwei Tage begrenzt.

Hoher Schutzaufwand und kaum bezifferbarer Wert

Hinzu kommt eine äußerst hohe Versicherungssumme. Der genaue Betrag wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt. „Das sind Stücke, die sind mit einem Wert kaum zu beziffern. Es sind ikonische Werke“, sagt Bubenik.

In München wird eine Seite gezeigt, die viele sofort erkennen. Es ist der Beginn der Schöpfungsgeschichte mit den Worten: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Das Spannende daran: Auf dieser Seite sieht man nicht nur Druckerschwärze, sondern auch handgemalte, farbige Verzierungen. Die Gutenberg-Bibel ist also nicht nur eine technische Revolution, sondern auch ein Werk spätmittelalterlicher Buchkunst.

Handarbeit nach dem Druck macht jedes Exemplar zum Unikat

Gedruckt wurde damals vor allem der Text, in tiefschwarzer Farbe. Alles Dekorative, alles farbig Leuchtende, alles, was Überschriften und Hervorhebungen betrifft, wurde oft erst danach von Hand hinzugefügt. Genau deshalb ist jedes erhaltene Exemplar am Ende dann doch wieder: ein Unikat.

Rubrikatoren setzten rote Markierungen und Überschriften, Buchmaler schmückten Initialen und Ränder aus. Das wirkt heute vielleicht wie Luxus, war damals aber auch eine Orientierungshilfe: Rote Textteile springen ins Auge und helfen beim schnellen Finden im Text.

Tabula rubricarum: Rote Hinweise nach Plan

Das Münchner Exemplar enthält eine sogenannte Tabula rubricarum. Das ist ein Verzeichnis, das den Rubrikatoren zeigte, welcher Text an welcher Stelle in roter Farbe nachgetragen werden musste. Weil dieses Verzeichnis nur als Arbeitsunterlage gedacht war, wurde es nach der Fertigstellung der Bibel oft entsorgt.

Heute ist dieses Verzeichnis weltweit nur noch in zwei Exemplaren der Gutenberg-Bibel erhalten: eines ist in der Bayerischen Staatsbibliothek und eines in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

B42 und Zeilen-Experiment: Optimierung während der Produktion

Die Gutenberg-Bibel wird auch „B42“ genannt. Das steht für 42 Zeilen pro Spalte. Beim Münchner Exemplar war das allerdings nicht von Anfang an so. Es gehört zu den frühen Exemplaren, bei denen Gutenberg noch mit der Zeilenzahl experimentierte: Erst waren es 40 Zeilen, dann 41 und schließlich 42. Das ist wie ein Blick in eine Werkstatt, in der ein Produkt nicht einfach vom Band fällt, sondern während der Herstellung noch verbessert wird.

Die Präsentation des Buches in München ist eine sehr seltene Gelegenheit. Weltweit soll es nur noch 49 Exemplare der Gutenberg-Bibel geben, teils vollständig, teils nur in Teilen. Schon deshalb ist jede Präsentation eines Originals etwas Besonderes.

Warum die Gutenberg-Bibel bis heute fasziniert

Die Gutenberg-Bibel ist eine dieser Geschichten, in denen Technik plötzlich sehr menschlich wird. Sie steht für den Moment, in dem Informationen schneller zirkulieren, weil man sie drucken kann. Gleichzeitig zeigt das Münchner Exemplar, wie viel Handwerk noch in ihr steckt, wie viel Nacharbeit, wie viel Kunst an den Rändern und in den Initialen. Genau das macht ihren Reiz aus: Sie ist nicht nur ein altes Buch. In ihr lässt sich der Anfang einer neuen Medienwelt sehen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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