In den ersten beiden Zuschauerreihen empfiehlt es sich, ab und zu den Kopf einzuziehen, denn diese Musketiere schwingen ihre Degen auch schon mal einen Meter über den Bühnenrand hinaus. Es sind sehr junge Darsteller, die viel Energie im Leib haben und ihre Kampfszenen entsprechend dynamisch ausfechten. Klar, ohne Degen gehen die Musketiere gar nicht, aber so richtig ernst gemeint ist das in dieser Fassung von Texter Paul Stebbings und Komponist Christian von der Au nicht.
Die beiden haben sich für den Silbersaal im Deutschen Theater München für eine Parodie entschieden, mit sehr bescheidenen Mitteln und viel Lust an der Persiflage. Christian von der Au: „Die Idee, es kabarettistisch zu machen, kam daher, weil wir mit sieben Mitwirkenden eine begrenzte Besetzung haben. Da bot sich das Kabarett an, weil der französische König Ludwig XIII. auch ein Kabarett hatte, das ‚Mouton Blanc‘ (Das weiße Schaf), deshalb ist es auch historisch gut begründet.“
Komponist hatte Auftrag aus Nantes
„Die drei Musketiere“ nach dem bekannten Roman von Alexander Dumas wurden schon häufig für die Bühne bearbeitet, mal romantisch aufwendig, mal rockig, mal eher sentimental. In München ist die Musik opulent wie in einem Mantel- und Degenfilm aus den 1930er Jahren, gewürzt mit Zitaten aus gregorianischen Chorälen und höfischen Tänzen des Barock. Insgesamt abwechslungsreich, unterhaltsam, ironisch. Die zeremonielle Musik passt eigentlich überhaupt nicht zur kargen Ausstattung, aber gerade dieses Paradox macht das Musketier-„Kabarett“ so liebenswert.
Komponist Christian von der Au: „Ich habe letztes Jahr einen Auftrag bekommen, in Nantes in Frankreich Musik für das Stück zu schreiben und habe dann zwei, drei Songs komponiert und die Bühnenmusik gemacht, und dann hat mich der Stoff angefangen zu interessieren. Daraus hat sich die Idee entwickelt, das Ganze zu einem Musical auszubauen und dem Deutschen Theater anzubieten.“
„Ich meine, es ist eine Komödie“
Womöglich hat schon Alexander Dumas seinen historischen Roman über die Intrigen am Hofe des französischen Königs Ludwigs XIII. nicht ganz ernst gemeint. Das 17. Jahrhundert war ja in der Tat eine verrückte Zeit, der mutmaßlich homosexuelle Monarch ziemlich wunderlich und sein Ratgeber Kardinal Richelieu in jeder Hinsicht ein theatralischer Charakter.
„Ich meine, es ist eine Komödie und wenn man sich die Filme anschaut, ist es klar, dass die alle komödiantisch sind“, so Christian von der Au: „Es ist ja ein britischer Regisseur, Paul Stebbings, und die Briten verbinden ja Komödie und Tragödie miteinander, das heißt, es ist zunächst eine Tragödie, weil es eine historische Tatsache ist, dass der Herzog von Buckingham ein Verhältnis hatte mit der französischen Königin, also Erzfeinde untereinander. Somit ist es durchaus eine Tragödie, für unsere Gegenwart aber in einem humorvollen Gewand.“
„Das waren ja keine alten Männer“
Sie sind allesamt verspielte Twens, die Hauptdarsteller Raphael Binde, Manuel Schwerz, Emanuel Grau und der etwas ältere Tamas Mester (auch Choreograph) als tapfere Musketiere. Pathos müssen sie nicht spielen, Männer in ihrem Alter strahlen es aus, ohne damit sofort unfreiwillig komisch zu wirken. Man schaut ihnen gern zu, weil sie so unverkrampft und ausgelassen sind im wild bewegten Helden- und Liebeskampf.
„Mir hat es auch in Frankreich gefallen, dass wir sehr junge Darsteller hatten“, so Christian von der Au: „Wenn junge Leute spielen, muss ich ganz ehrlich sagen, hat das einfach eine andere Dynamik. Gerade die Musketiere waren ja auch junge Leute, die waren Ende 20, das waren ja keine alten Männer.“
Wer eine schräge Off-Off-Produktion mit eingängiger Musik und schmalzigen Hymnen zu schätzen weiß, der ist bei diesen Musketieren genau richtig. Wer weiß, ob diese Fassung auf einer großen Bühne überhaupt funktionieren würde, mit Ballett, Nebeleffekten und schaurigen Kulissen. Steckenpferd-Attrappen sind irgendwie lustiger – und eine Herde blökender Schafe sowieso.
Bis 11. Januar im Deutschen Theater München zu sehen.

