Ihre Geburtstage feiere sie eigentlich immer in Disneyland, sagte Liza Minelli in einem US-Fernsehinterview und deutete augenzwinkernd an, dass sie für ihren runden 80. keine Ausnahme machen will. Das war sicher auch etwas ironisch gemeint, denn in gewisser Weise hat die Schauspielerin Zeit ihres Lebens Disneyland nie verlassen. Die Fantasiewelt Hollywoods bestimmte ihr Leben.
Klar, sie ist Tänzerin, Sängerin, Schauspielerin, Buchautorin, aber eigentlich ist Liza Minnelli berühmt dafür, dass sie berühmt ist. So ist das eben, wenn Humphrey Bogart und Lana Turner gleich nebenan wohnten und die eigenen Eltern Superstars waren. In einer Bergwerk-Stadt gingen die Leute in die Mine, so Liza Minelli, in Hollywood gingen sie eben alle zum Film: „Das ist doch dasselbe.“
Schon die Gutenacht-Geschichten ihres Vaters Vincente Minelli hatten Breitwandformat, und die privaten und öffentlichen Dramen ihrer Mutter Judy Garland („Der Zauberer von Oz“) hielten die Show-Welt in Atem.
„Du kannst sein, was du willst“, soll ihr Vater in ihren Kindheitstagen gesagt haben. Und wenn sie gerade eine spanische Tänzerin sein wollte, dann ging er mit ihr angeblich in einen Laden und kaufte ihr ein entsprechendes Kostüm: ein wahres Disneyland des Alltags. Papa war immer da, behauptet Minelli. Er gab ihr Halt. Mama Judy Garland dagegen brauchte mit all ihren psychischen Problemen vor allem Aufmerksamkeit, Verständnis, da habe sie gelernt, geduldig zu sein, so Liza.
„Cabaret“ wurde in München gedreht
Verblüffend, dass Liza Minnelli bei so vielen Privilegien, so viel Glamour in ihrer Familie, so bemerkenswert bodenständig geblieben ist. Fast in allen Interviews kokettiert sie freimütig mit ihrem in die Wiege gelegten Ruhm und bleibt ungeachtet dessen stets nahbar, auch wenn sie mit ihrem deutschen Filmpartner Fritz Wepper für das TV-Format „Durch die Nacht mit…“ durch New York schlendert und rechts und links Autogramme gibt.
Es ist nur folgerichtig, dass Liza Minelli mit einer Rolle als Showgirl in die Filmgeschichte einging und dafür einen Oscar bekam. Denn Showgirl war sie über Jahrzehnte hinweg täglich 24 Stunden, rund um die Uhr. Sie kannte es nicht anders, sie wollte es wohl auch nicht anders. Sie spielte nicht die Nachtklub-Entertainerin Sally Bowles in „Cabaret“, sie lebte sie – weit über die Dreharbeiten hinaus, die übrigens im Frühjahr 1971 in München stattfanden. Etwas vom beschwingt-heiteren Disneyland hatte die bayerische Landeshauptstadt wohl damals auch, kurz vor Olympia.
Hollywood als Lebensinhalt
Inzwischen plagt Liza Minelli die Mühsal des Alters. Der Rücken macht ihr Probleme, sie litt jahrelang unter Krampfanfällen und den schlechten Erfahrungen mit Schmerzmitteln. Zu Beginn ihrer Karriere war sie nach eigenen Worten am meisten davon beeindruckt, dass junge Tänzer am Broadway, auf der Bühne, trotz aller Anstrengung tatsächlich stets gut gelaunt und ausgelassen gewirkt hätten, dass sie also die Illusion perfektionierten.
Kann durchaus sein, dass Liza Minelli, anders als viele Kolleginnen, zwischen Show und Realität überhaupt keinen Unterschied machte, weil es für sie ein und dasselbe war: Hollywood als Lebensinhalt.
Bunter und größer als die graue Realität
Außer „Cabaret“ blieben die wenigsten ihrer Filme in Erinnerung, und auch die Musical-Auftritte am Broadway waren nicht der Grund für ihre Popularität. Es war vielmehr ihre funkensprühende Persönlichkeit, ihre Ausstrahlung, ihr Leben als durch und durch amerikanisches Showgirl, was ihre Fans bis heute begeistert. Sie lud scheinbar immer die ganze Welt nach Hause ein, in ihr Hollywood-Dasein, das stets den Anspruch hatte, bunter und größer zu sein als alles, was die graue Realität bereithält.
Womöglich ist Liza Minnelli so gesehen die Zsa Zsa Gabor ihrer Generation: eine begnadete, schaumgeborene Diva, die nie den Ehrgeiz hatte, Künstlichkeit und Natürlichkeit auseinanderhalten zu wollen.
Am 12. März 2026 wird sie runde 80, und das Verblüffende: Ihr Geburtsdatum ist offenkundig nicht umstritten.

